Auf dem Land ist es ruhig und traditionell - oder öde und konservativ? In der Stadt hingegen herrscht das bunte Treiben und man geht mit der Zeit. Oder anders ausgedrückt: Es geht zu wie im Tollhaus und der Werteverfall schreitet voran. Zwei Lebensmodelle, vier Sichtweisen?
Stadt gegen Land. Das zwischen den beiden schon immer eine große Kluft war, lässt sich nicht verleugnen. Die Lebens-Bedingungen sind so verschieden, dass es auch die Menschen sein müssen, die sich dafür entscheiden oder hineingeboren wurden. Während das Leben in der Stadt vor allem schnell und bunt ist und die Menschen eng beieinander wohnen, gibt es auf dem Land mehr Platz - und die Zeit läuft langsamer.

Vielleicht lässt sich hier die Ursache für das Ergebnis einer Studie suchen, die vor Kurzem erstellt wurde. Denn diese besagt, dass Städter deutlich offener für eine Affäre sind als Menschen, die auf dem Land wohnen. Demnach erklärte jeder dritte männliche Stadt-Single, Lust auf ein Abenteuer zu haben - auf dem Land war es nur jeder fünfte. Bei den Frauen war der Unterschied besonders in der Altersgruppe der Anfang 30- bis Mitte 40-jährigen auffällig: Hier war es in der Stadt ungefähr jede sechste Frau, die offen war für eine Affäre. Bei den Damen vom Land war es nur jede Zwanzigste!

Auch was die Treue betrifft, gibt es Unterschiede zwischen Stadt und Land. In der Stadt hat bereits jeder dritte Mann seine Partnerin betrogen - auf dem Land war es nur jeder fünfte. Interessant ist, dass es bei den Damen kaum Unterschiede gab: Jede vierte Stadt-Frau gab an, schon einmal untreu gewesen zu sein, bei den Land-Damen war es fast "nur" jede sechste. Greift hier vielleicht ein abgewandeltes Sprichwort: Gelegenheit macht (körperliche) Liebe? In größeren Städten findet sich an jeder Ecke eine Kneipe, ein Club oder ein Sportcenter. Es gibt Kinos mit Nachtvorstellungen und tritt man auf die Straße, so ist man selten wirklich allein. Auch kleinere Städte bieten noch ausreichend Amüsement um die Umsetzung der obigen Umfrage-Ergebnisse zu garantieren. Auf dem Land hingegen gibt es vor allem Ruhe und gute Luft und wer sich des Nächtens herumtreibt, trifft höchstens auf Hase und Fuchs. Vor allem aber ist hier die soziale Kontrolle größer. In besonders kleinen Orten kennt jeder jeden, die Wahrheit kommt schneller ans Licht und man ist sozial voneinander abhängiger als es in der Stadt der Fall ist.

Auch die folgenden Ergebnisse lassen ahnen, dass Vielfalt und Auswahlmöglichkeiten keine geringe Rolle spielen bei der Auslebung des Liebeslebens: So gaben Frauen aus Köln, Hamburg und Berlin an, Wert auf einen gebildeten Partner zu legen. Weiterhin solle der Mann beim Date ungefragt die Rechnung übernehmen. Diese Dinge waren Frauen auf dem Land hingegen eher unwichtig. Hier legte man Wert auf gute finanzielle Verhältnisse des Mannes.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Städter in der Liebe freizügiger und abenteuerlustiger sind als Ländler. Diese hingegen halten eher an der festen Partnerschaft als Modell fest. Dennoch sind die Unterschiede zwischen Stadt und Land erstaunlich gering. Und das liegt wohl nicht zuletzt an der Welt, die - auch auf dem Land spürbar - enger zusammengerückt ist. Im Internet beispielsweise gibt es weder Stadt noch Land. Die Menschen sind besser vernetzt und mobiler - sowohl beruflich wie auch privat. Und auch bereit, für die Liebe umzuziehen.

Von Lea-Patricia Kurz