Dass es in der Kiste der Monogamie schon länger klappert, ist eigentlich kein wirkliches Geheimnis mehr. Und was der gesunde Menschenverstand schon lange weiß, untermauern auch die neuesten Statistiken wieder: "Der Mensch ist kein Schwan, denn er liebt es polygam." Das zumindest lässt sich aus einer Studie schließen, die von der amerikanischen Universität in Indiana und der kanadischen Universität in Guelph durchgeführt wurde. Denn deren Fazit lautet: Jede fünfte Ehefrau betrügt ihren Mann und jeder vierte Ehemann seine Frau. Bleibt die Frage, ob bei so einer Studie nicht gern geflunkert wird. Denn untreu zu sein ist noch immer kein Kavaliersdelikt. Und so liegt die Vermutung nahe, dass die Dunkelziffer um einiges höher ist.

Ein wenig überraschend hingegen ist die Zersetzung eines alten, romantisch angehauchten Klischees, nämlich des der treuen Frau. Denn sieht man sich diese Zahlen an, so stehen die Frauen den Männern streng genommen in nichts nach. Warum sollten sie auch? Sie gehen vielleicht aus anderen Gründen fremd, aber letztlich entscheidend ist eben das Resultat - zumindest für den Partner.

Apropos: Warum wird überhaupt fremdgegangen?

Langeweile im Bett
Mit den Jahren kommt auch die Routine. Was am Anfang ein Spiel mit dem Feuer war, kann eben nach einiger Zeit langweilig werden. Da ist ein bisschen Abwechslung schnell ganz oben auf der Wunschliste der "Zehn Dinge, die ich noch tun will, bevor ich sterbe".

Ausleben der eigenen Phantasien
Zum Sex gehören immer zwei - und zu den sexuellen Phantasien ebenso. Wenn der Partner nicht dieselben Vorlieben hat, wie man selbst, bleibt die sexuelle Erfüllung oft aus. Da wird schon mal ein Blick zur Seite riskiert - bei dem es dann oft nicht bleibt. Denn was man Zuhause nicht bekommt, kann man sich einfach kaufen - und das gilt nicht nur für Männer.

Bestätigung des Egos / Komplexe
Das Ego, unser bester Freund. Gerade heutzutage, wo - zumindest in vielen Medien - der Schwerpunkt auf Aussehen und Attraktivität gelegt wird, kann so ein Seitensprung heilend wirken. Er bestätigt den Marktwert dort, wo die Komplimente des eigenen Partners vielleicht nach vielen Jahren nicht mehr glaubwürdig sind, ganz ausbleiben oder nicht als "objektiv" eingestuft werden können.

Suche nach Nähe
Wenn sich die Partner in einer Beziehung voneinander entfernt haben, kann die Sehnsucht nach Nähe übergroß werden. Blockt der Partner aber weiter ab und zeigt einem nur die kalte Schulter, kann irgendwann der Geduldsfaden reißen - und wenn sich die Gelegenheit bietet, wird eben "substituiert".

Gefühle
Auch das kann passieren: Man verliebt sich in einen anderen. Oder in einen weiteren. Denn nur, weil sich eine kleine Schwärmerei ergibt, heißt das noch lange nicht, dass der eigene Partner nicht mehr geliebt wird. Nicht ohne Grund gibt es neben den einmaligen Seitensprüngen auch zahlreiche Affären, die von Dauer - und mit Gefühlen - sind. Ob das fair ist, hängt von der geführten Beziehung ab.

Alkohol
Eigentlich zählt der Hochprozentige nicht wirklich als Grund für einen Seitensprung. Vielmehr ist er ein Auslöser, der unterdrückte und/oder vernachlässigte Bedürfnisse ans Tageslicht holt - die dann eben in die Tat umgesetzt werden. Aber sagt der Volksmund nicht 'Kinder und Betrunkene sagen immer die Wahrheit'? Ähnlich müsste es dann ja mit dem sein, was Betrunkene tun. Und das wiederum würde bedeuten, dass die oben augenzwinkernd angesprochene These doch nicht so weit hergeholt ist: Dass der Mensch nämlich weder ein Schwan ist noch einer sein will.

Von Lea-Patricia Kurz