Mit seinen Sound- und Architekturinstallationen ist der türkische Künstler und Musiker Cevdet Erek international erfolgreich. Im Jahr 2012 war seine Installation Room of Rhythms auf der documenta zu sehen und Erek erhielt den Nam June Paik Award für Medienkunst des Landes Nordrhein-Westfalen. Mit seiner Installation ÇIN vertrat er 2017 die Türkei auf der Venedig Biennale. In diesem Jahr wird er im Rahmen der Ruhrtriennale die Installation Bergama Stereo in der Turbinenhalle Bochum zeigen.

Der Pergamonaltar gebaut aus Lautsprechern

In seiner Architektur- und Soundinstallation nutzt Cevdet Erek Gestalt, Proportionen und Rezeptionsgeschichte des in Berlin befindlichen Pergamonaltars als Referenz für eine Neuinterpretation des bedeutenden hellenistischen Bauwerks aus Kleinasien. Bergama ist der türkische Name des antiken Pergamon sowie der heutigen Stadt und Region. Der berühmte Gigantenfries des Altars wird in einer Multi-Kanal-Komposition interpretiert, die den Raum beschallt. Der Sound übernimmt hier die zentrale Rolle zur Schaffung einer Architektur, die durch die Besucher in ihrer Bewegung im Raum hörend erfasst wird. 

Cluborientiert, tanzbar und experimentell

Bergama Stereo ist eine ortspezifische Arbeit und ist konzipiert für zwei Schauplätze, die auf unterschiedliche Weise mit der Geschichte des Pergamonaltars und dem historischen Kontext seiner Rezeption und Rekonstruktion verbunden sind. Die Installation hat ihre erste Station in der Turbinenhalle auf dem Gelände der Jahrhunderthalle in Bochum und wird anschließend in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin gezeigt.
Integraler Bestandteil der Präsentation ist jeweils ein im Wochenrhythmus stattfindendes Konzert- und Performanceprogramm im Ausstellungsraum, das Themen und strukturale Aspekte der Architektur aufgreift. Traditionelle Musik aus der Region um Bergama und vom Balkan wird aktuellen musikalischen Formen zwischen Komposition und Improvisation gegenübergestellt. Unter anderem performt Cevdet Erek selbst live einen Remix der über 30 separaten Audio-Kanäle der Installation. Hinzu tritt das schamanistische Spiel von Erek im Duo mit einem Partner auf der im Vorderen Orient und auf dem Balkan weit verbreiteten Zylindertrommel Davul. Das Musikperformance-Trio "contagious" und die DJs Mieko Suzuki und İpek İpekçioğlu hingegen loten Schnittmengen zwischen cluborientierter, tanzbarer und experimenteller Musik aus.

Text: Matthias Osterwold


Zurück zur Übersicht