Wenn Menschen an einer Demenz erkranken, stellt dies einen großen Lebenseinschnitt für die Betroffenen und ihre Angehörigen dar. Je fortgeschrittener das Stadium der Demenz, desto mehr ist der Erkrankte auf die Betreuung und die Pflege seiner ihm nahe stehenden Personen angewiesen. Nicht nur die speziellen Anforderungen im gemeinsamen Umgang miteinander, sondern auch der Mangel an Zeit für sich selbst und für die Inanspruchnahme unterstützender Hilfsangeboten belasten pflegende Angehörige oftmals sehr. Die kostenfreie onlinebasierte Schulung und Beratung "Demenz anders sehen" (Demas) bietet pflegenden Angehörigen nun die Möglichkeit, von zu Hause aus professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.  

Was möchte Demas erreichen?

Mit fortschreitender Demenz ist der Betroffene auf vielfältige Unterstützung angewiesen, denn es fällt ihm zunehmend schwerer, alltägliche Handlungen selbstständig auszuführen, sei es z.B. sich dem Wetter entsprechend zu kleiden oder sich eine Mahlzeit zuzubereiten. Um dem Demenzerkrankten so lange wie möglich ein Leben in der eigenen Häuslichkeit zu ermöglichen, übernehmen meist Ehepartner und Kinder einen großen Teil der Betreuung und Pflege. Die neuen Aufgaben sind nicht nur sehr zeit- und kraftintensiv, vielmehr stellt die sich verändernde Beziehung zwischen Betroffenen und Pflegenden oft eine große Herausforderung für alle Beteiligten dar. Viele Angehörige sind aufgrund dieser hohen emotionalen Belastung und einem Mangel an Auszeit sehr stark belastet und erschöpft.  

Das Schulungs- und Beratungsprogramm Demas zielt darauf ab, Angehörige psychisch zu entlasten und sie in ihrer Rolle als Pflegende zu stärken. Hierzu werden einerseits Kompetenzen gestärkt sowie mögliche Ressourcen im individuellen Pflegealltag aufgezeigt. Des Weiteren sollen Pflegende durch den Erfahrungsaustausch in der Gruppe profitieren und durch die fördernde Haltung der Beraterin emotional unterstützt werden.

Wie ist das Schulungsprogramm aufgebaut?

Eine feste Gruppe von bis zu sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmern trifft sich einmal wöchentlich für 90 Minuten in dem Gesprächsraum auf der Seite www.demenz-anders-sehen.de. Anwesend ist eine Beraterin, die die Gruppe unterstützt und durch das Schulungsprogramm begleitet. Per Videochat können sich dabei alle Teilnehmenden gut sehen und austauschen. Die technischen Voraussetzungen umfassen lediglich einen Computer mit einer DSL-Verbindung, eine Webcam sowie ein Headset. Letztere beiden werden bei Bedarf gestellt, auch erfolgt eine technische Anleitung und Abstimmung im Vorfeld durch Mitarbeiter des Demas-Teams. 

In den insgesamt zehn Sitzungen geht es darum, grundlegendes Wissen über die Demenzerkrankung und den spezifischen Umgang mit den Betroffenen zu vermitteln, wobei ein alltagsnaher und praktischer Bezug zu der jeweils individuellen häuslichen Pflegesituation im Vordergrund steht. Hierzu werden die Teilnehmenden auch immer wieder angeregt, Erfahrungen aus ihrem persönlichen Pflegealltag einzubringen. Die Gruppenmitglieder lernen sich und das Schulungsprogramm zunächst kennen, bevor sie im Anschluss inhaltlich einsteigen. Zuerst geht es darum, das Krankheitsbild der Demenz samt seiner Symptomatik, seinem Verlauf und Therapieformen kennenzulernen. Auch die Perspektive des Betroffenen wird beleuchtet und geschaut, wie die belastete Beziehung zwischen Pflegenden und Demenzerkrankten neu ausgerichtet werden kann.  

Des Weiteren werden sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten für Zuhause aus bestehenden Therapieansätzen abgeleitet, praktische Alltagshinweise wie z.B. hinsichtlich Bekleidung oder Körperpflege vermittelt und auch der Umgang mit demenzspezifischen Kommunikations- und Verhaltensweisen fokussiert. Hierzu gehört z.B. der Umgang mit Aggressionen, Misstrauen, Weglauftendenzen oder risikoreichem Verhalten. Nicht zuletzt werden Möglichkeiten einer verbesserten Stressbewältigung für die Pflegenden erprobt, bevor die Schulung mit einem Ausblick für den weiteren Pflegeprozess der einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer schließt.  

Hintergrund zum Programm

Demas wurde von der Hochschule Magdeburg-Stendal in Zusammenarbeit mit der Delphi-Gesellschaft für Forschung, Beratung und Projektentwicklung (Berlin) ins Leben gerufen. Die Beraterinnen sind Absolventinnen des Studiengangs Rehabilitationspsychologie (Bachelor) der Hochschule Magdeburg-Stendal. Sie sind zum Teil auf dem Gebiet der demenzspezifischen Praxis-und Angehörigenarbeit mehrere Jahre tätig und wurden zudem in Vorbereitung für die Beratung und Schulung von Angehörigengruppen ausgebildet. Demas wird von einer Studie wissenschaftlich begleitet und wird in diesem Zuge vom GKV-Spitzenverband gefördert. 

Seit Herbst letzten Jahres wurden bereits mehrere internetbasierte Schulungen durchgeführt. Die bisherigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich sehr zufrieden mit dem Angebot. So profitieren sie nicht nur vom gegenseitigen Erfahrungsaustausch, sondern empfinden es als große Erleichterung, in dieser schwierigen Situation nicht allein dazustehen.  


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