Aufgrund des demografischen Wandels wird die Zahl der Erkrankten in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Ein mit zunehmendem Alter abnehmendes Gedächtnisvermögen ist etwas Natürliches und muss nicht direkt mit erhöhter Besorgnis zur Kenntnis genommen werden. Es kann jedoch auch ein erstes Anzeichen einer beginnenden Demenz sein. Unter dem Oberbegriff der Demenz wird eine Vielzahl an unterschiedlichen Krankheiten zusammengefasst. Sie alle haben gemeinsam, dass die Nervenzellen im Gehirn in großer Anzahl allmählich absterben. Im Verlauf der Krankheit ist der Verlust von geistigen Funktionen wie Denken, Orientierung, Erinnern und dem Kombinieren unterschiedlicher Denkinhalte zu verzeichnen. Das Resultat besteht darin, dass alltägliche Aktivitäten nicht mehr ohne fremde Hilfe zu bewältigen sind. Da die Wahrscheinlichkeit an einer Form der Demenz zu erkranken mit zunehmendem Alter höher wird, ist mit dem demografischen Wandel ein vermehrter Anstieg von Demenzerkrankungen zu rechnen. In Deutschland leben gegenwärtig 1,4 Millionen betroffene Menschen. Jedes Jahr sind 300.000 Neuerkrankungen zu verzeichnen. Demenz lässt sich nicht heilen, sondern deren Krankheitsverlauf nur medikamentöse abschwächen. Obwohl erhebliche Anstrengungen unternommen werden, dieser Krankheit präventiv vorzubeugen und Therapien zu entwickeln, ist bisher kein Forschungsdurchbruch zu verzeichnen.  

Symptome einer Demenz

Besteht der Verdacht, dass ein Angehöriger dement ist, sollte verstärkt auf die typischen Symptome der Demenz geachtet werden, die je nach Form der Erkrankung in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten können.

Hierzu zählen:

  • Amnesie (Gedächtnis- und Orientierungsstörung)
  • Aphasie (Sprachstörung/Störung des Sprachverständnisses)
  • Agnosie (Unfähigkeit, Dinge zu erkennen)
  • Apraxie (Unfähigkeit, erlernte Handfertigkeiten auszuführen)
  • Abnahme der Urteilsfähigkeit und des Denkvermögens
  • Desorientierung

Besonders gefährliche Demenzsymptome sind die vier Formen der Desorientierung. Typisch für eine Demenzerkrankung ist, dass der Betroffene im Verlauf der Krankheit sich immer schlechter zurechtfindet. Auffallend sind zunächst die räumliche und zeitliche Desorientierung. Hier wird die gewohnte Umgebung nicht mehr erkannt und das Gefühl für Tageszeiten sowie Zeitspannen geht verloren. Bei der situativen Desorientierung weiß die demente Person nicht, welche Reaktion in bestimmten Situationen angemessen ist. Bei der personalen Desorientierung erkennen Betroffene selbst den engsten Familienangehörigen nicht wieder.  

Unterscheidung in zwei Demenzformen

Mediziner unterscheiden zwischen zwei Formen der Demenz: der hirnorganischen (primäre) und nicht-hirnorganische (sekundäre). Bei den primären Formen liegen neurodegenerative oder vaskuläre Veränderungen vor. Spezialisten unterscheiden hier also, ob die Nervenzellen ohne äußere Einflüsse langsam degenerieren, oder aber aufgrund von Durchblutungsstörungen erhebliche Schädigungen erlitten haben. Mit zunehmendem Alter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Mischformen der neurogenerativen und vaskulären Demenzen auftreten können. Bei der sekundären Demenzform liegen dem geistigen Verfall organische Erkrankungen wie zum Beispiel eine Herz-Kreislauf-Krankheit oder Hirnverletzung zugrunde. Mögliche Ursachen liegen aber unter anderem auch in starken Suchtkrankheiten oder schwerwiegenden Infektionskrankheiten. Bei der sekundären Demenzform können sich im Gegensatz zur primären Demenzform die Gedächtnisstörungen nach erfolgreicher medizinischer Behandlung der Grunderkrankung zurückbilden. 90 Prozent aller Demenzfälle bei über 65-Jährigen machen allerdings primäre Formen aus. Die darunter am häufigsten auftretende ist Alzheimer. Rund zwei Drittel aller an Demenz erkannten Personen leiden unter dieser neurodegenerativen Variante.  

Pflegeplanung für Menschen mit Demenz

Ganz gleich, unter welcher primären Demenzform Menschen leiden, sie stellt mit der Diagnostizierung einen erheblichen Einschnitt in das Leben der Betroffenen und deren Angehörige dar. Ist ein erster Überblick über die Krankheit und Ihres möglichen Verlaufs gewünscht, bieten sich Ratgeberbücher und zahlreiche Internetseiten an. Diese liefern ausführliche Informationen zu den verschiedenen Formen der Demenz. Im gesamten Bundesgebiet entstehen zudem kommunale Pflegestützpunkte. Sowohl hier wie auch bei den Alzheimer Gesellschaften und zahlreichen Wohlfahrtsverbänden erhalten Betroffene und ihre Angehörigen von Experten Auskünfte. Extra eingerichtete Beratungstelefone erweitern das aufklärende Angebot. Neben einer umfassenden Beratung ist Betroffenen zusätzlich ein Austausch mit anderen Erkrankten in einer der angebotenen Selbsthilfegruppen zu empfehlen.   

Die Pflegeplanung für einen Menschen mit Demenz zu gestalten kann sich als sehr schwierig erweisen. Die Herausforderungen im Pflegealltag sind in erster Linie nicht die körperlichen Gesundheitsstörungen, sondern schwierige Verhaltensweisen unter denen Menschen mit Demenz genauso leiden, wie deren Familienangehörige. Erhalten diese Leistungen aus der Pflegekasse, können sie eine Schulung beanspruchen. Hier werden die Angehörigen darauf vorbereitet, wie mit Demenzpatienten besser kommuniziert und mit schwierigen Verhaltensweisen umgegangen werden kann. Bei der Pflegekasse des demenzerkrankten Angehörigen sollte nachgefragt werden, welche entsprechenden Anbieter für sie in Frage kommen. Um diese Kosten zu sparen, weisen nicht alle Kassen auf die Möglichkeit einer Schulung hin. Es lohnt sich daher selbst die Initiative zu ergreifen und gezielt nachzufragen.  

Heutzutage werden zwei Drittel aller an Demenzerkrankten zu Hause in der Familie betreut und versorgt. Dabei gilt es, ein selbstbestimmtes Leben der Betroffenen zu fördern und mögliche Wege dahin aufzuzeigen. Dies steigert die Lebensqualität der an Demenz erkrankten Personen und entlastet die pflegenden Angehörigen. Ziel ist es, dass Betroffene möglichst lange alleine im Alltag zurechtkommen und in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können. Der Einsatz von sozialen und ambulanten Diensten kann dazu beitragen, die Familie zu entlasten, sofern weitere Hilfe von Nöten ist. Ist jedoch der Umzug in ein Pflegeheim irgendwann unausweichlich, empfiehlt es sich vertraute Möbelstücke mitzunehmen und die Anordnung des Mobiliars möglichst dem des vorherigen Zuhauses anzupassen. Auch wenn es am Anfang schwierig erscheint, mit dem Krankheitsbild Demenz umzugehen und Folgen einer Verschlechterung zu akzeptieren, ist es wichtig, für Betroffene einen möglichst würdevollen und selbstbestimmten Lebensabend zu schaffen.


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