Die Diagnose "Bauchspeicheldrüsenkrebs" ist leider immer noch mit einer schlechten Prognose assoziiert. Bei keiner anderen Krebserkrankung sind die mittelfristigen Überlebenschancen so gering wie beim Pankreaskarzinom. Dieser Tumor ist schwer zu diagnostizieren und wird meist erst entdeckt, wenn er bereits weit fortgeschritten ist. Zudem zählt er zu den am schwersten zu operierenden Tumoren.  Die Klinik für Chirurgie am Uniklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck ist eines von drei Exzellenzzentren für minimalinvasive Chirurgie in Deutschland und auf die Behandlung von Pankreaserkrankungen spezialisiert. Klinikdirektor Prof. Dr. med. Tobias Keck ist Vorreiter auf diesem Gebiet und verfügt über einzigartige Erfahrungen bei diesen komplexen chirurgischen Eingriffen.   

Jede zweite Pankreasoperation ist minimalinvasiv  

2013 hat Prof. Keck in Lübeck zum ersten Mal eine der anspruchsvollsten Operationen in der Bauchchirurgie, die Entfernung des Pankreaskopfes, minimalinvasiv mit der sogenannten "Schlüssellochtechnik" vorgenommen. Hierbei wird der Kopf der Bauchspeicheldrüse zusammen mit dem anhängenden Zwölf-Finger-Darm und dem Gallengang mit Gallenblase entfernt. Anschließend werden die Bauchspeicheldrüse erneut mit dem Magen verbunden sowie Gallengang und Magen an eine Dünndarmschlinge angeschlossen. Der Zugang zum Operationsbereich erfolgte dabei über mehrere, nur zentimetergroße Öffnungen der Bauchdecke. Bei der klassischen, offenen Operationsmethode wäre ein langer traumatisierender Schnitt quer über den Bauch erforderlich gewesen. Mittlerweile werde jede zweite Pankreasoperation in Lübeck minimalinvasiv durchgeführt, erklärt Prof. Keck: "Die Patienten profitieren sehr von dieser Technik. Die Liegezeit nach einer komplikationsfreien OP verkürzt sich um etwa vier Tage. Der Patient erholt sich wesentlich schneller, hat weniger Schmerzen und behält auch nur eine kleinere Narbe zurück". 

Die Schwierigkeit der Pankreasoperationen liegt zum einen darin, dass die etwa 16 Zentimeter lange Drüse versteckt zwischen Magen und Wirbelsäule mitten im Bauchraum liegt. Sie ist umgeben von großen Blut- und Lymphgefäßen und daher schwer erreichbar. Bösartige Pankreastumoren wachsen schnell und streuen aggressiv. Das heißt sie wachsen in die umliegenden Gefäße und Organe bzw. bilden Ableger, sogenannte Metastasen, in Leber oder Lunge. In vielen Fällen verstopft das Krebswachstum die Gallenwege. Auch innerhalb der Bauchspeicheldrüse entstehen Blockaden, die z.B. verhindern, dass wichtige Verdauungsenzyme in den Darm gelangen.   

Bei vielen Pankreaserkrankungen hilft nur eine Operation  

Selbst bei gutartigen Gewebeveränderungen wie schleimgefüllten Zysten an der Bauchspeicheldrüse rät der weltweit anerkannte Pankreas-Spezialist Keck oft zur operativen Entfernung. Zu groß ist die Gefahr, dass sie sich zu bösartigen Tumoren entwickeln könnten. Bei der Aussicht auf einen minimalinvasiven Eingriff ist die Hemmschwelle für viele Patienten niedriger, sich einer Operation zu unterziehen, die Vorstufen von Pankreastumoren adressiert. Wurde dagegen ein Krebs diagnostiziert, ist die einzig heilende Therapie die komplette Entfernung des Tumors mit den umgebenden Lymphknoten. In der Regel wird dann im Rahmen einer fachübergreifenden Expertenrunde, einem sogenannten Tumorboard, ein individueller Behandlungsplan für den Patienten erstellt. Mehrmals wöchentlich berät sich dazu in Lübeck ein Team aus Onkologen, Gastroenterologen, Strahlenmedizinern, Pathologen und Chirurgen. In einigen Fällen wird der Pankreastumor zunächst durch eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie oder alleinige Chemotherapie vorbehandelt (neoadjuvante Therapie). Erst wenn der Tumor bei den fortgeschrittenen Befunden auf eine operable Größe reduziert werden konnte, greifen Prof. Keck oder sein Oberarzt zum Skalpell. Da selbst bei einer vollständigen Entfernung des Tumorgewebes das Risiko besteht, dass Krebszellen im Körper verblieben sind, wird als Folgemaßnahme oft eine adjuvante Therapie empfohlen. Auch hier wird in der Regel die Chemotherapie, selten auch die Strahlentherapie eingesetzt, um nicht-nachweisbare Krebszellen abzutöten. Bei fortgeschrittenen Tumoren mit Einwachsen in umliegende arterielle Gefäße und Organe kann eine vollständige Entfernung oft nicht mehr erreicht werden. Hauptziel der Behandlung ist dann, die Lebenszeit des Patienten zu verlängern und die Symptome zu lindern. Bei Gallenrückstau und Gelbsucht kann beispielsweise der Gallenabfluss durch Einlage eines Stents (Röhrchen oder Schlauch) wieder hergestellt werden.   

"Ich möchte die Heilungschancen verbessern"  

Die große Hoffnung von Prof. Keck besteht darin, die Überlebenschancen von Patienten mit Pankreaskarzinom zu erhöhen. Die Chirurgie kann in diesem Fachgebiet bereits große Erfolge feiern: Bis 1970 starb kurz nach der Operation noch jeder dritte Patient. Heute liegt die Mortalität in Zentren bei nur noch 3 Prozent, bundesweit bei 10%  "Ich möchte die Heilungschancen bei diesem aggressiven Krebs verbessern und wünsche mir, dass wir beim Pankreas ähnliche Erfolge erzielen wie beim Kolonkarzinom (Dickdarmkrebs). Ich denke die Zukunft liegt vor allem in der multimodalen Therapie, also einer Kombination der verschiedenen Behandlungsmethoden" so Professor Keck. Um dieses Ziel zu erreichen, beschäftigen sich Prof. Keck und sein Team in Lübeck auch intensiv mit der Forschung auf dem Gebiet der Pankreastherapie. Er und auch andere Viszeralspezialisten raten Betroffenen, anstehende Pankreasbehandlungen und -operationen vorerst nur in spezialisierten Zentren durchführen zu lassen. Nur hier seien Fachwissen und Erfahrung gepaart mit moderner Technik in der Lage, es mit dem Hochrisikobereich Bauchspeicheldrüse aufzunehmen. 

Von Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO


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