Die Angst vor geistigem Abbau im Alter betrifft uns alle und ist dennoch für viele ein Tabuthema. Denn über Schwächen spricht man nicht, nicht mal über die theoretischen. Dinge zu vergessen, Wissen und Fähigkeiten zu verlieren und nicht mehr ernst genommen zu werden, sind auch deshalb Vorstellungen, die nicht selten mit Scham verbunden sind. Grund genug für uns – und für Sie – das Thema aktiv anzugehen und mit Vorurteilen aufzuräumen.

Stimmt etwas nicht mit mir?

Zunächst mal: Nicht jede Vergesslichkeit ist gleich Demenz oder Alzheimer. Der geistige Abbau gehört, ebenso wie ein Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit, zum Alterungsprozess. Wenn Sie hin und wieder etwas vergessen oder Erinnerungen weniger greifbar sind, muss das also nicht zwangsläufig auf eine mentale Erkrankung hinweisen. Auch Stress und körperliche Belastungen, zum Beispiel durch eine Operation oder Krankheit, können sich temporär auf Ihre geistige Leistungsfähigkeit auswirken.
Sollten Sie jedoch starke Erinnerungslücken und Einschränkungen im Alltag bemerken oder grundsätzlich verunsichert sein, suchen Sie in jedem Fall das Gespräch mit einem Fachmann, um medizinische Gründe auszuschließen.

Sie haben es in der Hand!

Auch, wenn es manchmal vielleicht so erscheinen mag: Was Ihre geistige Fitness anbelangt, sind Sie keineswegs machtlos! Zwar lässt sich der mentale Abbau nicht gänzlich aufhalten oder umkehren, durch gezieltes Gehirntraining können Sie ihn jedoch positiv beeinflussen und ausgleichen. Damit Sie so effektiv wie möglich trainieren und Ihr Gehirn rechtzeitig schützen, gelten im Wesentlichen zwei Regeln: 1. Fangen Sie so früh wie möglich an (also am besten heute) und 2. Bleiben Sie dran! 

Effektiv ansetzen: der Puzzle-Effekt

Ein besonders wirkungsvoller Weg, die mentale Fitness zu fordern, ist das Puzzeln. Das bestätigt auch Dr. Patrick Fissler von der Universität Ulm: "In der aktuellen Ulmer Puzzlestudie, die wir gemeinsam mit dem Ravensburger Spieleverlag durchgeführt haben, konnten wir beobachten, dass Personen, die ihr Leben lang viel gepuzzelt hatten, kognitiv fitter waren als Personen, die weniger gepuzzelt hatten.". Der sogenannte Puzzle-Effekt weist darauf hin, dass Puzzeln tatsächlich einen Unterschied machen könnte.

Das beste Training für Ihr Gehirn

Wie bei einem Ganzkörpertraining sind auch beim Gehirnjogging die Erfolge umso größer, je mehr unterschiedliche Fähigkeiten Sie beanspruchen. Auch hier ist das Puzzeln ein ideales Beispiel, denn es ist nicht nur ein effizientes Gedächtnistraining, sondern fordert auch das schlussfolgernde Denken, die mentale Rotation, die kognitive Flexibilität und die visuell-räumliche Wahrnehmung. Vor allem, wenn Puzzeln langfristig und regelmäßig und nicht nur für eine kurze Zeit ausgeübt wird, könnte es damit einen wertvollen Schutzfaktor gegen geistigen Abbau im Alter darstellen.

Eine Frage der Einstellung

Ob Sie im Alter mental fit sind, ist letztlich auch eine Frage der Einstellung. Wie bei jedem Training, das Erfolge bringen soll, sind auch beim Schutz Ihres Gehirns eine positive Herangehensweise und Wiederholungen entscheidend. Statt ermüdendem Büffeln, bei dem wir dazu neigen, es schnell wieder schleifen zu lassen, sind Übungen zu empfehlen, die Sie mit Freude regelmäßig ausüben können. Suchen Sie sich also Aktivitäten, die Sie als Spaß und nicht als Pflicht empfinden. Ihr Gehirn wird es Ihnen danken.


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