Die Strahlentherapie oder Radiotherapie bildet eine zentrale Säule der Krebsbehandlung. Jeder zweite Patient erhält im Laufe seiner Krebserkrankung eine Strahlentherapie. Bei dieser Behandlungsform werden die Krebszellen mithilfe ionisierender Strahlung zerstört und ihre Zellteilung unterbunden. Der große Nachteil ist, dass auch gesunde Körperzellen geschädigt werden. Im Gegensatz zu den Krebszellen können sich diese allerdings mit Hilfe der zelleigenen Reparatursysteme regenerieren. Moderne Bestrahlungstechniken ermöglichen den Ärzten heute eine präzise Bestrahlung der Tumore mit dem Ziel, so wenig gesundes Gewebe wie möglich zu schädigen. PD Dr. med. Christian Weißenberger leitet seit fünf Jahren das hochmoderne Zentrum für Strahlentherapie in Freiburg. Er und sein Team aus Fachärzten und Medizinphysikern legen Wert auf die neuesten medizin-technischen Geräte.   

Moderne Bestrahlungsverfahren plus Sozialkompetenz  

Da viele Patienten sich vor einer Strahlentherapie ängstigen, legt Dr. Weißenberger Wert darauf, Fachkompetenz mit sehr viel Einfühlungsvermögen zu kombinieren: "Zu Beginn erklären wir unseren Patienten ausführlich unseren Therapieplan. Egal, an welcher Krebserkrankung jemand leidet – er soll sich bestens versorgt und mit seinen Sorgen und Problemen ernst genommen fühlen". Im Zentrum für Strahlentherapie Freiburg kommen u.a. drei spezielle Bestrahlungstechniken zum Einsatz. Die "Intensitätsmodulierte Strahlentherapie" (IMRT) wird seit einigen Jahren angewandt. "Der große Vorteil dieser Methode ist, dass die Strahlung der Form des Tumors folgen kann. Viele sind länglich, bohnen- oder kappenförmig", erklärt Dr. Weißenberger. "Bei der IMRT umkreist die Maschine den Patienten und gibt an den entsprechenden Stellen kleine Dosiseinheiten ab. Man kann es sich vorstellen wie einen Vierfarbdruck, der erst am Ende das richtige Bild ergibt".
Eine Weiterentwicklung der IMRT ist die "Volumenmodulierte Strahlentherapie" (VMAT). "Ihr enormer Vorteil ist der Zeitgewinn", betont Dr. Weißenberger, "Während eine IMRT Behandlung durch das Einrasten und Bestrahlen an festgelegten Stellen bis zu 45 Minuten dauern kann, benötigen wir bei der VMAT nur wenige Minuten". Die kurze Dauer kann u.a. für Tumore der Prostata wichtig sein, die sich innerhalb des Körpers bewegen. Das "Atem-Gating" ist eine Methode, die u.a. bei Tumoren im Brust-oder Lungenraum angewandt wird, so Dr. Weißenberger: "Wenn sie die Hand auf ihren Brustkorb legen, spüren sie eine Bewegung von drei bis vier Zentimetern. Wir bestrahlen daher nur beim Ein- oder Ausatmen. Dabei sollte der Patient bestmöglich mitarbeiten und seinen Atem ruhig und gleichmäßig halten".   

Hoffnung für Patienten mit Metastasen  

Es gibt einige Tumore, die besser und andere, die schlechter auf eine Radiotherapie ansprechen. Gute Heilungschancen werden nach der Erfahrung von Dr. Weißenberger bei der Behandlung von Brust- und Prostatakrebs erzielt. Bei diesen Krankheiten ist auch die Gefahr von Rezidiven, also dem Wiederauftreten des Krebses, sehr gering. Beim Pankreaskarzinom oder Magen- und Speiseröhrenkrebs dagegen entwickeln bis zu 80 Prozent aller Patienten innerhalb von ein bis zwei Jahren ein Rezidiv. Hoffnung bietet die Radiotherapie für Krebspatienten, die mit Unverträglichkeiten auf eine Chemotherapie reagieren. Und vor allem gibt es Hoffnung für Betroffene, bei denen sich Metastasen gebildet haben. Die modernen Bestrahlungstechniken ermöglichen es den Ärzten, die Metastasen auch in Körperregionen zu entfernen, in denen eine chirurgische Operation zu riskant wäre.  Dr. Weißenberger betont: "Bei Patienten mit Metastasenbildung ist die Bestrahlung Standardtherapie. Gerade im Rahmen einer Palliativtherapie, bei der wir ja keine Heilung, sondern eine Linderung der Beschwerden anstreben, erzielen wir bereits nach ein bis zwei Wochen Bestrahlung gute Erfolge. Ein Patient von mir, der sich von einer Wanderung durch den Schwarzwald meldet und mich informiert, dass er keine Schmerzen leidet, genießt doch dank unserer Behandlung einen enormen Zuwachs an Lebensqualität. Trotz einer Krebserkrankung können wir den Betroffenen noch einen langen Lebensabschnitt ermöglichen, der vor ihnen liegt".   

Strahlentherapie mit geringen Nebenwirkungen  

Der Ionenstrahl wirkt wie ein Skalpell und löst dort, wo er auf Gewebe trifft, eine Entzündungsreaktion aus. Dr. Weißenberger bespricht daher mit seinen Patienten vor Beginn jeder Therapie, welche Risiken in Kauf genommen werden: "Es gilt das Motto ‚So viel wie nötig, so wenig wie möglich’. Obwohl wir sehr präzise bestrahlen, ist immer auch gesundes Gewebe betroffen. Hier müssen wir die Gewebetoleranz beachten, also genau wissen, wie viel Strahlung das gesunde Gewebe aushält". Nebenwirkungen treten vor allem in Form von Reizungen der Schleimhäute auf. Diese äußern sich zum Beispiel durch Schluckbeschwerden im Hals, Verdauungsstörungen oder eine (nicht-bakterielle) Lungenentzündung. Diese Reizzustände klingen nach Angaben von Dr. Weißenberger innerhalb von zehn Tagen bis drei Wochen nach Behandlungsende wieder ab. Die Furcht, die Bestrahlung selbst könne Krebs auslösen, kann Dr. Weißenberger den Patienten weitestgehend nehmen: "Dies ist wie bei der Chemotherapie nur äußerst selten der Fall. Schätzungen aus der strahlenbiologischen Forschung gehen davon aus, dass dies extrem selten passiert und bei vielen zehntausend behandelten Patienten über Jahre hinweg vielleicht einmal auftritt".   

Schneller, präziser und noch schonender  

Die aktuelle Forschung verfolgt verschiedene Ansatzpunkte, um die Nebenwirkungen der Radiotherapie weiter zu verringern: Zum einen wird daran gearbeitet, die Zielgenauigkeit der Geräte zu verbessern und die Strahlendosis noch präziser zu modulieren. Wünschenswert, so PD Dr. Weißenberger, seien außerdem die Entwicklung von Substanzen, die mögliche Strahlenschäden verringern können, sowie Forschung im Rahmen der Biomodulation, die darauf abzielt, Gewebe für die Wirkung der Radiotherapie aufnahmefähiger zu machen. 

Susanne Amrhein, PRIMO MEDICO


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