Unsere Gesellschaft altert. In vielen Teilen der Wirtschaft macht sich bereits jetzt ein eklatanter Fachkräftemangel bemerkbar. Gleichzeitig will sich ein Großteil der älteren Menschen auch nach seiner Pensionierung weiterhin aktiv für Arbeitswelt und Gesellschaft einsetzen. Viele Ältere sind nach ihrem Eintritt in die Rente auf der Suche nach einem neuen Lebenssinn. Warum also nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen? Vom reichen Erfahrungsschatz der Älteren können nachrückende Generationen viel lernen. Umgekehrt verhält es sich genauso.

Senior Experten sind gefragt wie nie  

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat die Anzahl an Personen, die trotz Bezugs einer Altersrente oder Pension erwerbstätig sind, kontinuierlich zugenommen. Im Jahr 2014 waren, dem Deutschen Alterssurvey zufolge, knapp 12 % der Personen im Ruhestand erwerbstätig. Das sind mehr als doppelt so viele wie 1996. Erwartet wird, dass der Anteil an arbeitenden Rentnerinnen und Rentnern weiter zunimmt. Zum einen liegt das am Wunsch der Betroffenen, trotz sinkender Renten auch zukünftig den gewohnten Lebensstandard zu wahren, zum anderen möchten viele Pensionäre jenseits des Renteneintrittsalters aber auch weiterhin aktiv am beruflichen Leben teilhaben. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach erfahrenen Arbeitskräften mit fundiertem Fachwissen.   

Der Senior Experten Service  

Mehr als 12.000 Expertinnen und Experten aus allen beruflichen Richtungen arbeiten derzeit für den Senior Experten Service (SES), die führende deutsche Entsendeorganisation für ehrenamtliche Fach- und Führungskräfte im Ruhestand. Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft sind Träger des SES, der weltweit in allen Branchen und Sektoren ehrenamtliche Experten vermittelt. Die Aufnahme in die Expertendatenbank ist kostenlos. Bewerber sollten ein fundiertes Wissen in ihren Fachgebieten sowie Interesse an einer ehrenamtlichen Tätigkeit im In- und Ausland mitbringen. Seit 1983 hat die Organisation bereits über 40.000 Einsätze in mehr als 160 Ländern durchgeführt, rund ein Drittel davon in Deutschland. Das macht deutlich: Bedarf ist vorhanden. Das Angebot greift.

SES-Expertin Elfriedes Pohle-Raju im Einsatz. © SES

Aktive Einbindung von Senioren in Unternehmen

Der Arbeitsalltag zeigt, dass die Alterspanne zwischen den Kolleginnen und Kollegen immer größer wird. Mittlerweile arbeiten bis zu vier Generationen im gleichen Unternehmen. "Arbeitgeber stehen in Zeiten des demographischen Wandels mehr und mehr vor der Herausforderung, altersgemischte Teams mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus verschiedenen Lebensphasen zu bilden", sagt Aletta Gräfin von Hardenberg von der "Charta der Vielfalt". Die Geschäftsführerin der deutschen Unternehmensinitiative für Vielfalt in der Arbeitswelt setzt sich für ein inklusives Arbeitsumfeld ein, das Raum für alle Generationen bietet und spezielle Bedürfnisse berücksichtigt.

Erwerbstätige im Ruhestand wollen oder können oft nicht mehr Vollzeit arbeiten. Für sie kommen eher Teilzeitmodelle und flexible Arbeitszeiten in Frage. So bleibt genug Zeit für weitere Aktivitäten, wie das Hüten der Enkel, Sport oder den eigenen Garten. Auch hinsichtlich der Kommunikationsgewohnheiten unterscheidet sich die ältere Generation von der jüngeren. Ist es für letztere beispielsweise normal, sich über digitale Medien auszutauschen, legt die heutige Rentnergeneration noch mehr Wert auf den persönlichen Kontakt und klare Hierarchien. Werden diese besonderen Work-Life- und Kommunikationsansprüche berücksichtigt, finden Senioren den richtigen Nährboden, um ihr reiches Erfahrungswissen weiterzugeben, zum Beispiel mit Hilfe von speziellen Mentoring- oder Wissenstransfer-Programmen.

Vertauschte Rollen: Führungskräfte lernen von Nachwuchsmanagern  

Beim Frühstück auf Twitter die Nachrichten lesen, per App checken, wann die nächste Bahn zur Arbeit fährt: Was für die einen Alltag ist, ist für andere teilweise noch immer Neuland. Warum also nicht beide Seiten zusammenbringen für einen inspirierenden Austausch? Das dachte sich das Unternehmen Henkel im Jahr 2016 und führte ein "Reverse Mentoring" ein. Dabei geben junge Digital-Talente ihr Erfahrungswissen an interessierte Führungskräfte weiter. Das Mentoring wurde weltweit in 17 Ländern angeboten und es zeigte sich: Das gegenseitige Voneinander-Lernen führt nicht nur zum Ausbau von Wissen, es fördert und stärkt auch den Zusammenhalt und die Vielfalt im Unternehmen, für die sich Henkel als Vorstandsmitglied der "Charta der Vielfalt" seit vielen Jahren einsetzt.   

Senioren und Arbeitgeber profitieren gleichermaßen  

Vielfalt wirkt sich positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens aus – davon sind auch drei Viertel der Bundesbürger überzeugt, wie eine Umfrage des forsa-Instituts von 2016 ergeben hat. Warum also im Ruhestand nicht den Schritt wagen, wieder aktiv am Arbeitsleben teilzuhaben und Lebenswissen weiterzugeben? Wenn der Arbeitgeber die unterschiedlichen Einstellungen der verschiedenen Generationen berücksichtigt, ist dies ein Mehrwert für beide Seiten.  Diversity Management ist das Stichwort, damit die Zusammenarbeit zwischen Alt und Jung gelingt. Dazu gehören Schulungen für Führungskräfte ebenso wie die Einbindung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf allen Ebenen.

Die "Charta der Vielfalt" veranstaltet jedes Jahr den Deutschen Diversity-Tag – einen bundesweiten Mitmach-Tag, an dem Unternehmen und Institutionen interne und öffentliche Aktionen durchführen, um ihr Engagement für Vielfalt zu zeigen. Im Jahr 2017 feierte dieser am 30. Mai sein 5. Jubiläum.


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