Bei etwa einem Drittel der Anträge auf einen Pflegegrad wird ein geringerer als der tatsächlich richtige Pflegegrad gewährt. Dies ist auf die Schwierigkeiten zurückzuführen, die bei der Feststellung der Pflegebedürftigkeit auftreten.

Widersprüche oft erfolgreich

Experten schätzen, dass 50% der Betroffenen mit einem Widerspruch Erfolg hätten. Dennoch werden nur etwa 7% der abgelehnten Anträge angefochten.

Woran liegt das? Oftmals wissen Pflegebedürftige bzw. Ihre Angehörigen nicht, welche Einschränkungen welche Einstufungen nach sich ziehen und wie hoch der daraus entstehende Leistungsanspruch ist. Hinzu kommen eine gewisse Scheu vor dem bürokratischen Aufwand sowie die Angst vor Überforderung mit dem Widerspruchsprozess. Zumal die Pflegesituation an sich bereits eine große Herausforderung für alle Beteiligten darstellt.

Vorgehensweise beim Widerspruch

Sie haben einen Pflegebescheid erhalten, in dem keine oder eine zu geringe Leistung für Sie oder einen pflegebedürftigen Angehörigen bewilligt wurde? Dann können Sie Widerspruch einlegen.

Pflegegutachten prüfen

Fordern Sie im ersten Schritt das Gutachten des MDK-Gutachters bei Ihrer Pflegekasse an, sollten Sie es nicht zusammen mit Ihrem Pflegebescheid erhalten haben. Im Gutachten erfahren Sie, wie der Gutachter die Selbständigkeit des Pflegebedürftigen in den einzelnen Bereichen einschätzt. Gibt es Ihrer Meinung nach Abweichungen, ist die Selbständigkeit also stärker eingeschränkt als im Gutachten beschrieben, sollten Sie Widerspruch bei der Pflegeversicherung einlegen.

Widerspruch einlegen

Zunächst genügt ein formloses Widerspruchsschreiben an die Pflegekasse. Zum Einlegen des Widerspruchs haben Sie nach Erhalt des Pflegebescheids in der Regel einen Monat Zeit. Wird auf Ihrem Pflegebescheid keine Frist angegeben, können Sie eventuell sogar innerhalb eines Jahres Widerspruch einlegen.

Für die Begründung des Widerspruchs gibt es keine vorgeschriebenen Fristen. Sie ist jedoch immens wichtig, da die Kasse, sollten sich hieraus keine neuen Anhaltspunkte ergeben bzw. die Begründung erst sehr spät bei der Kasse eingehen, nach Aktenlage entscheiden kann. Die Widerspruchsbegründung sollte genau aufschlüsseln, in welchen Bereichen das Gutachten den Zustand der betroffenen Person unzureichend berücksichtigt hat.

Erneute Begutachtung

Sieht die Pflegekasse Klärungsbedarf aufgrund Ihrer Widerspruchsbegründung, kommt es zu einer erneuten Begutachtung, um Antrag und Widerspruch zu prüfen. Dieser zweite Begutachtungstermin wird in der Regel durch einen anderen Gutachter erfolgen als der erste. Als Ergebnis wird ein neuer Bescheid erlassen.

Nutzen Sie Unterstützungsangebote

Die Widerspruchsbegutachtung sollte gut vorbereitet sein, da sich dadurch die Wahrscheinlichkeit eines positiven Bescheids erhöht.

Dokumentieren Sie die Lebensbereiche, in denen eine eingeschränkte Selbständigkeit vorliegt, zu verschiedenen Zeitpunkten in einem Pflegetagebuch. Zeigen Sie dieses Pflegetagebuch dem Gutachter oder händigen Sie ihm wenn möglich eine Kopie aus. Eine Vorlage für ein Pflegetagebuch finden Sie hier. Möchten Sie im Vorfeld wissen welchen Pflegegrad Sie erreichen können, nutzen Sie einen Pflegegradrechner. Er bietet Ihnen bei geringem Zeitaufwand eine erste Einschätzung Ihrer Erfolgsaussichten.

Professionelle Unterstützung von der ersten Beurteilung Ihrer Erfolgsaussichten bis zum hoffentlich positiven Bescheid bieten Ihnen Pflegeberater und Unternehmen wie die Firma Familiara, die Sie gerne im gesamten Widerspruchsverfahren begleiten.


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