Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In vielen Fällen besteht die Behandlung aus einer Operation: Dabei werden der Tumor, umliegendes Gewebe und sicherheitshalber auch wenige Lymphknoten entfernt. Die Zeiten, in denen betroffene Frauen nach einer Brust OP mit einer deutlich kleineren, entstellten oder fehlenden Brust leben mussten, sind zum Glück vorbei. "In 80 Prozent aller Fälle können wir heute brusterhaltend operieren", beruhigt Dr. med. Sabine Keim, Spezialistin für gynäkologische Onkologie und Brustkrebs, sowie Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Helios Klinikum München West. Dr. Keim ist seit 2013 als Senior-Brustoperateurin zertifiziert und legt Wert darauf, für ihre Patientinnen die bestmögliche Lösung zu finden, um ihre Lebensqualität zu erhalten: "Unser Ziel ist maximale Symmetrie. Das heißt, wenn Frauen später ein T-Shirt ohne BH tragen, sollte nicht erkennbar sein, welche Brust operiert wurde". Eine 100-Prozent gleichwertige Brust könne sie nicht herbeizaubern, zumal Haptik und Sensibilität häufig leiden, erklärt Dr. Keim. Aber dank moderner Operationsmethoden brauche heutzutage keine Frau mehr Angst zu haben, durch eine Brust OP ihre Weiblichkeit zu verlieren.

Implantat oder Eigenfett – was ist besser?

Dafür gibt es keine Pauschallösung, erklärt Brustoperateurin Keim. Die Entscheidung, ob die Brust mit Hilfe eines Silikonimplantats (heterologes Material) oder Eigengewebe (homologes Material) wieder aufgebaut wird, hängt u.a. von den physischen Eigenschaften der Frau ab: "Eine junge, schlanke und sportliche Frau, die eine Familie hat, schnell wieder in den Alltag und auch den Beruf zurückkehren möchte, ist mit einem Implantat gut beraten. Bei einer kräftigen Frau, mit großem Brustvolumen und Bauchfett würde es dagegen Sinn machen, Eigengewebe aus dem Bauch zu verwenden, allein schon, um das notwendige Volumen zu erreichen. Ein Implantat simuliert eher eine junge, straffe Brust".  Ca. 80 Prozent aller Brustrekonstruktionen können mit Hilfe von Implantaten gelöst werden, bei 20 Prozent wird körpereigenes Gewebe verwendet.

Brustrekonstruktion mit Implantaten aus Silikon

Dr. Keim und ihr Team verwenden ausschließlich lange erprobte, gut verträgliche Silikonimplantate von renommierten Herstellern, die ein Register führen. In dieses internationale Register werden Patientendaten und Seriennummern des Implantats eingetragen. Dies erleichtert Routinekontrollen und liefert wichtige Daten hinsichtlich Haltbarkeit und möglicher Komplikationen. Die weichen, tropfenförmigen Silikonkissen werden in der Regel unter dem Brustmuskel eingesetzt. "Das Ergebnis ist zufriedenstellend und vor allem deutlich weniger belastend für die Patientin. Eine Heilung erfolgt schnell, in der Regel innerhalb weniger Wochen", betont Dr. Keim. "Die Patientinnen können somit zügig wieder Alltagsaufgaben übernehmen oder zur Arbeit gehen". Die Haltbarkeit der Implantate ist individuell und liegt zwischen 10 und 15 Jahren. Häufigste Komplikation ist eine Kapselfibrose: eine Verhärtung des Bindegewebes als Reaktion auf den Fremdkörper. In diesem Fall müssen das Implantat und die Fibrose entfernt werden, dann kann ein weiterer Versuch mittels Implantat unternommen werden. Alternative ist das Umsteigen auf Eigengewebe. Ob das Einsetzen eines Brustimplantats Sekundärmalignome, also das Entstehen neuer Krebstumore, fördert, ist unter Experten weiterhin umstritten. Auch deswegen sind Implantatregister und Datenbanken wichtig.

Vorteile einer Brustrekonstruktion mit Eigenfett

Ein Brustaufbau mit körpereigenem Gewebe wirkt im Ergebnis harmonischer und natürlicher als mit Implantaten, die Brust bleibt weich und beweglich. Dennoch macht diese Methode nicht bei allen Patientinnen Sinn, erklärt Dr. Keim: "Der Nachteil ist, dass man eine weitere Baustelle aufmacht, die heilen muss: Das Eigengewebe wird am Bauch, den Oberschenkeln oder am Rücken entnommen. Das Einsetzen in die Brust dauert deutlich länger als bei Implantaten: zwischen 4 und 8 Stunden. Häufig sind mehrere Operationen notwendig, um die Brust in die gewünschte Form zu bringen". Hauptrisiko bei einer Transplantation von Eigengewebe mit freien Lappen ist die sogenannte Lappennekrose. Diese entsteht, wenn das verpflanzte Gewebe trotz der mikrochirurgischen Verbindung (Anastomosierung) der Blutgefäße nicht ausreichend durchblutet wird und abstirbt. Mögliche Komplikationen einer Brustrekonstruktion mit Eigengewebe müssen im Vorfeld mit den Patientinnen besprochen werden.

Wie viele Brustoperationen sind notwendig?

Grundsätzlich streben Frau Dr. Keim und ihr Team an, in einer einzigen Operation sowohl den Tumor zu entfernen, als auch die Brust zu rekonstruieren. In einigen Fällen wird nach einer Brustkrebsoperation zusätzlich eine Strahlentherapie durchgeführt, um eventuell im Körper verbliebene Krebszellen, zum Beispiel in den Lymphbahnen oder der Brustwand, endgültig zu vernichten. Die Strahlentherapie kann Wundheilungsstörungen bewirken und ggf. das kosmetische Ergebnis einer Brustrekonstruktion beeinträchtigen. Frau Dr. Keim bespricht daher mit ihren Patientinnen, ob es in diesen Fällen Sinn macht, die Brustrekonstruktion erst nach Abschluss einer Strahlentherapie durchzuführen. "Alternativ ist es aber auch jederzeit möglich, in einer zweiten Operation nachzubessern, falls das Ergebnis der Brustrekonstruktion durch eine Folgetherapie beeinflusst wird", so die Brustexpertin.

Als Schutz vor Brustkrebs vorsorglich die Brüste entfernen?

Die vorsorgliche Mastektomie ist ein äußerst sensibles Thema, warnt Dr. Keim. Die Hollywood-Schauspielerin Angelina Jolie hatte vor einigen Jahren einen regelrechten Hype ausgelöst, nachdem sie sich aufgrund eines erhöhten Brustkrebsrisikos vorsorglich beide Brüste entfernen ließ. "Genetisch bedingter Brustkrebs betrifft zum Glück nur eine kleine Gruppe von Frauen weltweit", weiß Brustoperateurin Keim. "Nur bei ca. 5-7% aller Erkrankten findet man Mutationen in den sogenannten BRCA (Brustkrebs)-Genen, wobei wir glauben, dass wir bisher nur die Spitze des Eisbergs erkennen". Daher sollten Frauen, die familiär vorbelastet sind, auf keinen Fall voreilige Entscheidungen treffen, sondern sich zunächst von Spezialisten, Gynäkoonkologen und Genetikern beraten lassen. Eine engmaschige Vorsorge und eine gute Aufklärung sind auch hier das A und O. "So erschreckend die Diagnose auch ist: Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs", betont Dr. Keim. "Die wenigsten Tumore sind wirklich aggressiv. 80 Prozent aller Brustkrebserkrankungen sind heilbar. Und Dank moderner Methoden zur Brustrekonstruktion können wir Frauen helfen, mit einem Körper weiter zu leben, in dem man sich wohlfühlt, der weiblich ist und der nicht jeden Tag an die Krankheit erinnert. Das ist ein bedeutender Fortschritt für die betroffenen Frauen".


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