Der Karpaltunnel ist ein enger Kanal in der Hand, der nur über eine geringe Elastizität verfügt: Er ist begrenzt durch die Handwurzelknochen auf der einen und das Karpalband auf der anderen Seite.  Durch diesen schmalen Durchlass verlaufen neun Beugesehnen und der Mittelhandnerv, der sogenannte Medianus. Dieser ist zuständig für die Empfindungsfähigkeit des Daumens, Zeige-, Mittel- und Teile des Ringfingers. Außerdem steuert er verschiedene Hand- und Fingermuskeln. Wenn es zu einer Schwellung der Sehnen oder des Sehnengleitgewebes im Karpaltunnel kommt, ist der Nerv immer das schwächste Glied, warnt PD Dr. med. Elias Volkmer, Spezialist für Handchirurgie und Sektionsleiter am Helios Klinikum München West: "Wird der Nerv eingeengt, schlafen die Finger ein, d.h. sie kribbeln oder fühlen sich taub an. Ganz typisch sind auch nächtliche Schmerzen. Im späteren Stadium kann es zu einer Kraftminderung des Daumens und letztlich der ganzen Hand kommen".

Ursachen des Karpaltunnelsyndroms

Frauen sind drei- bis viermal häufiger von einem Karpaltunnelsyndrom betroffen als Männer, erklärt Dr. Volkmer: "Das liegt zum einen daran, dass Frauen ein lockereres Bindegewebe haben als Männer, in dem sich demzufolge auch leichter Wasser einlagert. Auch viele Schwangere leiden dadurch an Karpaltunnelbeschwerden". Weitere Ursachen sind Überlastungen durch bestimmte Handgriffe, Rheumaerkrankungen oder erblich bedingte Verengungen des Karpaltunnels. "Das Tückische daran ist, dass aus dieser Erkrankung schnell eine Kettenreaktion entsteht", so Handspezialist Volkmer. "Die Enge führt zu einer Reizung der Sehnen, diese schwellen an und führen zu einer Einengung und Reizung des Nervs, was wiederum eine Schwellung bedingen kann. Diesen Teufelskreis gilt es dann möglichst rasch zu durchbrechen. Spätestens, wenn die Finger dauerhaft pelzig sind, muss gehandelt werden".

Hilfe bei Karpaltunnelbeschwerden

Wichtig ist, sich bei Auftreten der Symptome frühzeitig Hilfe zu holen. Im ersten Stadium, dem typischen Fingerkribbeln, kann eine konservative Therapie Abhilfe schaffen. Dieses geschieht vor allem durch Ruhigstellen des Handgelenks in der Nacht, erklärt Dr. Volkmer: "Nachtlagerungsschienen funktionieren in der Regel sehr gut. Sie verringern die Symptome, indem Fehlhaltungen verhindert werden. Bei Rheumatikern empfiehlt es sich, medikamentös gegen die Entzündung vorzugehen. Sofern Wassereinlagerungen das Problem ausgelöst haben, kann auch eine Lymphdrainage helfen". Nur ganz ausgewählten Fällen sollte man dagegen auf Cortison zurückgreifen, so Dr. Volkmer. In manchen Fällen könne eine einmalige Gabe die Heilung fördern. Andererseits schädige Cortison die Sehnen und könne sogar zu einem Sehnenabriss führen, warnt der Handexperte.

In einigen Fällen hilft nur noch eine Operation

Sofern Taubheitsgefühl und Schmerzen auch durch eine konservative Therapie nicht mehr vergehen, besteht die Gefahr einer dauerhaften Schädigung des Nervs. In diesem Fall hilft nur noch eine Operation. Dabei spaltet der Handchirurg die Bandstruktur, die den Karpaltunnel nach oben hin begrenzt und verschafft den Sehnen und dem Medianus-Nerv mehr Platz. Zum Teil werden entzündete Bereiche gleich mit entfernt. "Wenn dieser Eingriff korrekt ausgeführt wird, bietet er den Betroffenen sehr gute Heilungschancen", betont Dr. Volkmer. "Die Schmerzen sind in der Regel am gleichen Tag verschwunden. Das Taubheitsgefühl in den Fingern kann zwar noch einige Zeit andauern, je nachdem wie lange der Nerv geschädigt und gereizt war. Aber auch das verschwindet in aller Regel nach und nach". Wichtig ist, diesen Eingriff nur von erfahrenen Hand- oder Neurochirurgen ausführen zu lassen, die regelmäßig Karpaltunnelsyndrome operieren. Zu groß ist die Gefahr, dass innerhalb des engen OP-Bereichs aus Versehen der Nerv verletzt oder andere Strukturen geschädigt werden.

Dem Karpaltunnelsyndrom vorbeugen

Die Symptome, die bei einem Karpaltunnelproblem entstehen, kennen wir alle: Falls wir beim Schlafen in der Nacht unser Handgelenk zu stark abknicken und mit tauben, kribbelnden und schmerzenden Fingern aufwachen. "Sofern Sie diese Symptome auch tagsüber bemerken, ist es wichtig zu überlegen, was das Kribbeln ausgelöst haben könnte. Diese Bewegungen sollte man dann unbedingt vermeiden, damit in Folge keine Entzündung entsteht. Kurzfristig können auch entzündungshemmende Schmerzmittel wie z.B. Ibuprofen oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) eingenommen werden. Auch Dehnübungen oder eine Physiotherapie können helfen, die belasteten Sehnen und Bändern zu entlasten und zum Abschwellen zu bringen", rät Dr. Volkmer. Das Wichtigste sei, sofort vom Arzt abklären zu lassen, wie schwer der Nerv bereits geschädigt ist. Je schneller der Medianus entlastet wird, desto größer ist die Chance, das Karpaltunnelsyndrom bereits am Anfang der Kettenreaktion zu stoppen.


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