Die Leber ist ein Organ, das keine Nerven enthält und dadurch keine Schmerzen verursacht.  Die Symptome einer Erkrankung sind daher unauffällig: Müdigkeit und Leistungsschwäche, in einigen Fällen vielleicht ein leichter Druck im Oberbauch oder Blähungen. Dass die Leber leidet, bringt in den meisten Fällen erst ein Bluttest ans Licht: nämlich dann, wenn die Leberwerte GOT, GPT oder Gamma-GT erhöht sind. Die Konzentration dieser Enzyme signalisiert, wie stark unsere Leberzellen geschädigt sind. Wer diese Alarmsignale beachtet und in den nächsten Wochen auf Alkohol und fetthaltige Gerichte verzichtet, kommt mit etwas Glück glimpflich davon. Die Leber verzeiht einiges – wenn sie es noch kann. Denn falls bei ständiger Belastung der Leber oder durch Entzündungen das Gewebe vernarbt und durch Bindegewebe ersetzt wird (Fibrose) kann eine Therapie diesen Vorgang nur noch stoppen aber nicht mehr reparieren. Sind die Leberzellen vollständig funktionslos und zerstört (Zirrhose) hilft nur noch eine Transplantation.

Wichtige Früherkennung

"Wir haben heute die Möglichkeit, eine Fettleber oder auch eine Fibrose bereits in einem sehr frühen Stadium zu erkennen", erläutert Univ.-Prof. Dr. med. Thomas J. Vogl, Spezialist für Radiologie an der Uniklinik Frankfurt. "Auf dem normalen Weg folgt für die Auswertung der Laborwerte ein weiterer Besuch beim Hausarzt, evt. eine Überweisung zum Spezialisten, Ultraschall, ein weiteres Beratungsgespräch, in der Regel noch eine Biopsie (Gewebeentnahme) ehe dann eine Therapie eingeleitet wird. Eine neue Diagnosetechnik namens ‚MR Elastographie’ kann diese Behandlungsschritte deutlich verkürzen". Bei der MR Elastographie wird die Steifigkeit der Leber gemessen, indem ein Applikator niederfrequente mechanische Wellen erzeugt, die das Lebergewebe in Schwingung versetzen. Der Ausschlag wird mit Hilfe der Magnetresonanz gemessen. "Diese Untersuchungsmethode ist schmerzfrei, nicht-invasiv und daher auch nicht belastend für den Patienten. Aber sie liefert verlässliche Daten: Je höher der Elastizitätswert, desto stärker ausgeprägt ist beispielsweise eine Fettleber", so der Diagnosefachmann. In nur einer Sitzung könne genau festgestellt werden, inwieweit die Leber verfettet ist, ob sie vermehrt Eisen enthält oder ob eine Fibrose oder gar eine Zirrhose besteht.

Positive Motivation

Gleichzeitig können mit Hilfe der MR Elastographie aber auch positive Entwicklungen festgestellt werden. "Ich hatte einen Patienten mit gut 20 kg Übergewicht und einer Fettleber im Stadium 2-3. Er hat mehrere Wochen lang eisern die vorgeschriebene Diät gehalten und bei einer Kontroll-MR Elastographie konnten wir deutlich sehen, dass die Leber sich regeneriert hatte. Die auffälligen Bereiche waren geschrumpft. Das motiviert natürlich ungemein, einen gesünderen Lebensstil beizubehalten", erklärt Radiologe Vogl. Die Therapiezielkontrolle sei ein wichtiger Baustein auch für den Fall, dass weitere Untersuchungen notwendig seien. Sollte trotz Diät keine Reaktion der Leber feststellbar sein, könne mit Hilfe der präzisen Bildgebung eine gezielte Biopsie erfolgen, um den Zustand der Leberzellen im Labor zu überprüfen.  Durch die genaue Anzeige der erkrankten Region werde ausgeschlossen, dass bei der Biopsie aus Versehen eine Probe aus einem Teil der gesunden Leber entnommen werde und es zu einer Fehldiagnose komme.

Leber in den Vordergrund rücken

Zwanzig Prozent der Bevölkerung leiden unter einer Lebererkrankung. Die häufigsten Ursachen sind ein ungesunder Lebensstil, zu viel Alkohol und zu fetthaltige Speisen. Während sich die meisten Menschen sehr um die Gesundheit ihres Herzens sorgen, steht die Leber im Gesundheitsbewusstsein am ganz äußersten Rand. "Dabei sind Schädigungen der Leber ernsthafte Erkrankungen mit noch ernsteren Folgen", warnt Prof. Vogl. Wenn eine Fibrose nicht behandelt wird, wird daraus zwangsläufig im Endstadium eine Zirrhose, für die es keine Heilung mehr gibt. Gleichzeitig bewirkt eine Fibrose nicht selten das Entstehen von Tumoren wie dem Leberzellkarzinom oder einem Gallenwegstumor. Werden diese Erkrankungen in einem frühen Stadium erkannt, ist es möglich, die Schädigung der Leber zu stoppen, Tumore minimalinvasiv zu entfernen und eine Krebserkrankung zu heilen. "Die Forschung versucht zur Zeit, Moleküle zu entwickeln, um Fibrose und Fettleber reversibel zu machen, also zu gesundem Lebergewebe umzubauen" erklärt Diagnosespezialist Vogl. "Aber auch das wird nur möglich sein, wenn rechtzeitig eine eindeutige Diagnose erfolgt. Die MR Elastographie ist aus meiner Sicht ein Verfahren, das diesen Vorgang deutlich beschleunigt und präzisiert".


Zurück zur Startseite "Best Ager: Ratgeber für die 2. Lebenshälfte"