Maria Groß macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt – ganz so wie ihr großes Vorbild Pippi Langstrumpf. © Stefanie Loos für das TMWWDG

Betritt man das große Backsteinhaus im kleinen Örtchen Bischleben, fällt der Blick auf ein Porträt von Pippi Langstrumpf. Die Thüringer Vorzeigeköchin Maria Groß lebt zwar mit Katze und Hund zusammen anstatt eines Äffchens und eines Pferdes, ansonsten aber steht die 39-Jährige mit den hochgesteckten rötlichen Haaren und dem verschmitzten Lächeln ihrem großen Vorbild in nichts nach. Nach Jahren in der Sternegastronomie hat sie sich nun mit der Bachstelze ihr ganz eigenes Refugium geschaffen: ein Restaurant, Biergarten und Zuhause mitten im Grünen, etwas außerhalb von Erfurt.

Maria Groß mit Hund Friedrich vor der Bachstelze. Besonders einladend im Sommer: der große Biergarten. © Stefanie Loos für das TMWWDG

"Wir sind in der Küche, hier findet das Leben statt", heißt Groß einen in ihrer Gaststube willkommen. Das Innere des traditionsreichen Ausflugslokals von 1931 offenbart ein gemütliches Durcheinander aus shabby chic und nostalgischen Wohnaccessoires – oder auch: "Italienische Trattoria trifft auf Schweizer Berghotel". Quitten zieren die Fensterbänke, Gräser stehen in den Vasen, daneben Stumpenkerzen und auf den Stühlen Felle. Und hier und da in den Regalen thronen weitere Bilder von Pippi Langstrumpf. Pudel Friedrich schnuppert kurz an Katze Lisa, die sich auf einem Stuhl eingewickelt hat, und legt sich dann daneben auf den Boden. Im zweiten Stock gibt es noch eine Art Wohnzimmer für größere, private Gruppen. Direkt darüber wohnt Groß selbst zusammen mit ihrem Mann Matthias und den vierbeinigen Mitbewohnern – Villa Kunterbunt lässt grüßen!

Thüringer Rostbratwurst trifft auf gehobene Wirtshauskultur

 "Gehobene Wirtshauskultur" serviert die Spitzenköchin in der Bachstelze: Im Biergarten gibt es sonntagnachmittags Thüringer Rostbratwurst und Kartoffelsalat, Backkartoffel oder auch Pulled Pork Burger. Am Abend wird ein Überraschungsmenü aus drei Gängen angeboten. Die saisonalen und lokalen Zutaten wechseln täglich, je nachdem was gerade verfügbar ist. Selbst in Thüringen aufgewachsen, verbindet Groß mit der Thüringer Küche vor allem "dieses wohlige Gefühl, dass man auf unvernünftige Weise immer mehr isst, als man eigentlich will". Sodass man zuerst denkt: "Das schaffe ich nie" ­– und dann doch immer weiterisst. Sie reibt sich bei dem Gedanken selig den Bauch und schiebt hinterher: "Und weil es so stark gewürzt ist, bekommt man auch richtig Durst!" Und genau dieses Gefühl möchte Groß mit ihrer eigenen Kochkunst verbreiten. "Ich sage: Bäm, hier bin ich! Es gibt Köche, die kochen elegant, und es gibt Köche, die kochen sehr bäm! Und ich gehöre zu bäm!" Sie lacht ihr Maria-Groß-Lachen – ein klein wenig zu laut und schrill, ganz wie man es aus ihren zahlreichen Talkshow- und Fernsehauftritten wie etwa bei Kitchen Impossible mit Kochkollege Tim Mälzer kennt.

Sieht sich selbst mehr als Handwerkerin denn als Köchin: Maria Groß in ihrer kleinen Küche. © Stefanie Loos für das TMWWDG

Heute kocht Groß ein Gericht, das sie spontan "Thüringer Rehrücken im Herbst" nennt. Ein scharf angebratenes Stück Reh vom Förster nebenan mit geschmortem Gemüse. Dafür verwendet sie eine Kartoffelsorte aus den Anden, die lokal in Thüringen angebaut wird. Sie hält begeistert eine Knolle in die Luft. Farben und Formen reichen bei dieser Sorte von Rund und Knallpink über Knallrot bis hin zu Länglich und Leuchtendgelb. Sie schmecken eher nach Bete, so wenig Stärke enthalten sie. "Das ist meine Pippi-Langstrumpf-Mischung", sagt Groß, als sie die Kartoffeln ins Wasser gibt.