Wie wollen wir leben und was macht ein gutes Leben aus? Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) haben 500 junge Menschen im Alter von 15 bis 35 Jahren aus Sachsen befragt. Anhand der Antworten ist eine Ausstellung im Japanischen Palais entstanden. Sie zeigt 130 Objekte aus den SKD-Sammlungen. Die Werke greifen die Themen auf, die die Jugend beschäftigt. So reagiert die Ausstellung "Die Erfindung der Zukunft" auf die Herausforderungen unserer Zeit, bildet Debatten ab und lässt die zu Wort kommen, um die es geht. Die jungen Menschen, die die meiste Zeit ihres Lebens in der Zukunft verbringen werden.

"Wir müssen unsere Zukunft so gestalten, dass wir überhaupt noch eine haben", sagt Gunda Habich. Damit bringt sie auf den Punkt, was zehntausende "Fridays for future"- Demonstranten umtreibt. "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut" schallt ihr Sprechgesang durch die Straßen. Gunda Habich macht ihr Freiwilliges Soziales Jahr bei den SKD. Dort ist sie auch Mitglied im Jugendbeirat der kostenlosen Ausstellung, die von der Sparkassen-Finanzgruppe gefördert wird.

In der Ausstellung dreht sich alles um die großen Fragen unserer Zeit. Reichen die Ressourcen der Erde für uns alle und welche Rolle spielt der gesellschaftliche Zusammenhalt? Themenräume eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf unsere Vorstellungen von der Zeit. In einem Raum laden großen Buchstaben an den Wänden zum Nachdenken ein. "Plakative Vereinfachung ist nicht mein Ding" steht da oder: "Gerechtigkeit ist das A und O."

Think Tank im dekonstruierten Zellbiologie-Labor

Zusätzlich zu den rund 130 Objekten aus den SKD-Sammlungen haben zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler Handlungsansätze für die Zukunft entworfen.

So schuf die Berliner Projektgruppe REINIGUNGSGESELLSCHAFT aus alten Labormöbeln des Dresdner Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik einen gesellschaftlichen Think Tank. Dort treffen Jugendliche und Wissenschaftler zu Workshops aufeinander.

"Im Rahmen des künstlerischen Prozesses wurde aus dem Max-Planck-Labor ein Gesellschaftslabor", erklärt Martin Keil, einer der beiden Künstler der REINIGUNGSGESELLSCHAFT. Die Laborelemente aus dem alten Institut fungieren als Spielwiese der Zukunft: Sie sind zum Display für wichtige gesellschaftliche Fragen geworden, die die Teilnehmer bewegen.

Gesellschaft mental entgiften

Vor allem drei zentrale Themen haben die Teilnehmer definiert: Umwelt, Soziales und Wissenschaft. "Bei ihren Diskussionen wurde schnell deutlich, dass sie neben den Folgen des Klimawandels, der Rechtsruck in Teilen unserer Gesellschaft und die zunehmende Intoleranz am meisten bewegt", sagt sein Kollege Henrik Mayer.

"Interessant ist auch ein anderes Ergebnis: Der Dialog ist eine wichtige und nachhaltige Antwort auf diese Entwicklungen", sagt Keil. "Ein offen geführter Dialog, der mit Neugier und Respekt dazu beiträgt, die Gesellschaft mental zu entgiften."

Dabei sehen die Künstler die Verantwortung dafür nicht allein bei den staatlichen Institutionen: "Es kann nicht alles von der Politik kommen. Aber ohne ihre Unterstützung sind Initiierung und Bestand eines solchen Dialogs in der Zivilgesellschaft schwierig", betont Keil.

Wichtig ist in den Augen der Künstler – neben dem gemeinsamen Vorgehen von Politik und Zivilgesellschaft – die Chancengleichheit: Es sollen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Glaubens sowie aus allen sozialen Bereichen vertreten sein.

Spieglein, Spieglein an der Wand

Gunda Habich unterstreicht diesen Ansatz: "Nachhaltig wird ein Wandel dann, wenn wir alle daran arbeiten", sagt sie. "Die Ausstellung zeigt, dass wir unser Verhalten ändern müssen, um Klima und Umwelt zu retten. Und nicht nur das meiner Generation, sondern auch der meiner Eltern."

Habich sieht aber auch, dass die Inhalte der Ausstellung zu Kritik führen können: "Nicht jedem gefällt es, einen Spiegel vorgehalten zu bekommen", sagt sie. Daher sei es wichtig, den Menschen verständlich zu machen, dass es sich um Anregungen handelt. "Sie sollen uns helfen, unsere Zukunft bewusster zu gestalten."


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