Früher verliefen Wohnbiografien meist gleich: vom Kinderzimmer zog man in die WG, von dort in eine Wohnung mit Partner oder Partnerin und schließlich folgte das Haus für die Familie. Das ändert sich. Architekten, Zukunftsforscher und Stadtplaner sind sich einig, dass Landflucht, Digitalisierung und Globalisierung das Leben der Zukunft entscheidend prägen werden – und somit auch das Wohnen. Welche neuen Wohnkonzepte sind bereits Realität und was noch Vision? Fünf Modelle im Fokus.

Gemeinsam – miteinander bauen und leben

Nähe, die gut tut: Geborgenheit braucht keinen Palast. © Sparkasse

Keine Zukunftsmusik, sondern bereits Gegenwart: Immer mehr Menschen bauen oder sanieren gemeinsam ein Haus oder sogar mehrere Häuser. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Familien wünschen sich Betreuung oder Spielpartner für ihre Kinder, Senioren möchten eine Aufgabe und Alleinstehende suchen Gemeinschaft.

Derzeit herrschen zwei Varianten des gemeinsamen Bauens vor. Bei sogenannten Baugruppen oder Baugemeinschaften schließen sich Mitglieder vor allem deshalb zusammen, um günstig bauen zu können. In Wohnprojekten hingegen kaufen oder bauen Menschen eine Immobilie, weil sie nicht in einer anonymen Nachbarschaft leben möchten. Zusammen wird das gemeinsame Wohnprojekt passend zu den gemeinschaftlichen Bedürfnissen gestaltet.

Der große Vorteil für Baugruppen und Wohnprojekte gleichermaßen: die Finanzen. Die Gewinnmarge des Bauträgers wird gespart und die Beschaffung der Rohstoffe ist in größeren Mengen günstiger. Außerdem ist in beiden Varianten oft ein Gemeinschaftshaus eingeplant. Hier finden die Eigentümerversammlungen statt, werden wichtige Themen des Zusammenlebens diskutiert oder es wird gemeinsam gefeiert.

Allerdings bringen gemeinschaftliche Projekte immer auch die Notwendigkeit von Konsens und Kompromissen mit sich. Jeder möchte sein Zuhause individuell und nach den eigenen Wünschen gestalten. Doch das ist nur bedingt möglich. Zudem bedeutet Gemeinschaft nicht nur Kostenersparnis, sondern auch ein größeres Risiko, wenn man mit der Gruppe als Unternehmer auftritt. Die finanzielle Verantwortung erstreckt sich zumindest zeitweise auch auf die Nachbarn.

Dennoch ist das gemeinschaftliche Wohnen schon längst nicht mehr so exotisch wie noch vor zehn Jahren. Mehr noch: Seit einigen Jahren liegt es sogar im Trend, auf den auch Finanzinstitute mit entsprechenden Beratungen und Krediten reagieren.

Mobil – die autarke, rollende Wohnung

Immobilie bedeutet "die Unbewegliche". Unser Zuhause hat ein Fundament, es steht an einem festen Ort – noch. Flexibilität und Mobilität sind zur Notwendigkeit geworden, die sich auch auf das Wohnen erstreckt. Plötzlich hat unser Daheim Rollen und wechselt seinen Standort. Wie das möglich ist, zeigt das Beispiel der Wohnwagons aus Österreich. Sie bieten schon jetzt ein mobiles Leben, denn sie haben kein verankerndes Fundament und nehmen nicht mehr Raum ein als einen Parkplatz.

Als autarke Wohneinheit benötigen die aus natürlichen Rohstoffen hergestellten Wohnwagons nicht einmal einen Anschluss an die Kanalisation oder das Stromnetz. Vier Funktionen machen es möglich: eine Photovoltaik-Inselanlage mit eigenem Speicher, eine Solar-Holz-Zentralheizung für Wärme- und Wasserversorgung, eine Biotoilette und ein Wasserkreislaufsystem mit eigener Kläranlage. Derart flexibel können die Wagons auch mit anderen Wohneinheiten gekoppelt werden. Und nicht zuletzt kann man mit ihnen die Lücken nutzen, die sich aufgrund ihrer Beschaffenheit nur für autark funktionierende Wohnformen eignen: unerschlossene Grundstücke, Leerstände sowie Zwischennutzungen.

Effizient – das Haus als Energie- und Wärmekraftwerk

Deutschland soll bis 2050 überwiegend mit regenerativen Energien versorgt werden. Dabei spielen Häuser eine Schlüsselrolle. Denn wenn wir auch Strom zunehmend aus Wind und Sonne gewinnen, könnte auch Wärme bald aus diesen Quellen stammen.

Mit heutiger Technik kann sich ein Einfamilienhaus bereits bestens selbst versorgen. Auf der Haushülle – also den Außenwänden und dem Dach – lässt sich relativ günstig Sonnenenergie gewinnen. Zudem haben sich die Geothermie, die Energie aus dem Boden, und die Wärmerückgewinnung aus dem Haus selbst bewährt.

Dazu kommt: Hauswände und -dächer schützen und isolieren. Daher steht neben der Wärmeerzeugung auch die energetische Dämmung der Wohngebäude im Fokus. Diese Aufgaben werden die Haushüllen in Zukunft wartungsarm erfüllen. Die Technik wird so beschaffen sein, dass sich die Bewohner intuitiv über Wirkung und Erträge informieren können.

Klein – modular wohnen

Strahlender Winzling: Tiny Houses gehören zu den wichtigsten neuen Wohntrends. © Sparkasse

Der Zuzug in die Städte steigt weiter – doch der Platz fehlt. Dadurch wächst die Nachfrage nach neuen, flächeneffizienten Wohnformen. Eine Lösung: kleine Haushalte. Sie heißen Tiny-House, Microhouse oder Mikrohaus, Smallhouse und Weehouse, Robin Modulbau, Freedomky, SU-SI und Fred, Variahome oder AllQuartier.

Ihr Prinzip ist immer dasselbe: Modulhäuser in Containerform und Holzbauweise werden seriell vorgefertigt, mit Lkws transportiert und am Bestimmungsort nur noch aufgestellt und angeschlossen.

Die Winzlinge bieten zudem die Möglichkeit, Einzel- oder Kleinwohnungen so zu kombinieren, dass Familienwohnungen und sogar mehrgeschossige Häuser mit gemeinschaftlich genutzten Räumen entstehen – inklusive Gerüst für Balkone.

Neben ihrer kompakten Größe liegt ein weiterer Vorteil der Modulhäuser in ihrer hohen Flexibilität: Ist der Bedarf eines Hauses überholt, wird es auseinandergebaut, abtransportiert und woanders neu aufgestellt. Damit unterstützen die Häuser im Miniformat genau die flexible Lebensweise, die in Zukunft maßgebend ist.

Smart – digital vernetzt und intelligent gesteuert

Modular wohnen: Die Zukunft auf einen Blick. © Sparkasse

Die Heizung springt an, bevor wir nach Hause kommen. Mithilfe von Sensoren passt sie sich automatisch an die aktuelle Raum- und Körpertemperatur an. Sprachgesteuert lassen wir das Badewasser mit unserer Lieblingstemperatur in die Wanne fließen. Unser Kühlschrank schlägt ein Rezept mit den Lebensmitteln vor, die sich in ihm befinden. Gehen sie zur Neige, bestellt er selbständig online nach. Unsere ganze Wohnung reagiert auf unsere Stimmung und unsere Bedürfnisse.

Dieses Szenario in der nicht mehr ganz so fernen Zukunft zeigt: Das gesamte Leben wird digital. Nicht nur wir, auch unser Zuhause ist permanent online. Doch diese Entwicklung endet nicht jenseits unserer vier Wände. Im Gegenteil: Ganze Straßenzüge, Städte und Regionen werden miteinander vernetzt sein. Das gilt insbesondere in den Bereichen Bildung, Energie, Gesundheit, Verkehr und Verwaltung. Die Stadt der Zukunft wird smart.


Zurück zur Übersicht