Maria Zabel © Privat

Egal ob mit dem Handy oder am Computer – Privatpersonen können die neuen Möglichkeiten, im Internet Gelder für den guten Zweck zu sammeln, genauso nutzen wie ehrenamtliche Organisationen. Statt mit der Spendenbox umherzuziehen, reichen ein paar Klicks, und die Spende landet direkt dort, wo sie gebraucht wird. Hier sind drei unterschiedliche Beispiele zu den Möglichkeiten des Online-Fundraisings – und die persönlichen Geschichten dahinter.

Geschichte #1   

Von London nach Paris mit dem Fahrrad. Das sind knapp 400 Kilometer – und sie sind Maria Zabels Herausforderung. Als der 30. Geburtstag der Deutschen, die mit ihrem britischen Freund in London lebt, vor der Tür steht, möchte sie sich einer großen Aufgabe stellen – und dabei Gutes tun. Auf www.dream-challenges.com stößt sie auf die "Women v Cancer"-Aktion: Frauen fahren Fahrrad und sammeln Geld, um drei britische Wohltätigkeitsorganisationen zu unterstützen: Breast Cancer Care, Jo’s Cervical Cancer Trust und Ovarian Cancer Action. 

400 Kilometer Fahrrad fahren mit einer Gruppe von bis zu 60 Frauen und alles für den guten Zweck. Morgens Startschuss in London, dann bis zur Fähre radeln, über den Ärmelkanal und dann weiter bis nach Paris – eine Stadt, zu der Maria auch eine persönliche Verbindung hat: Ein Jahr lang hat sie dort als Austauschstudentin gelebt. 

Im August 2018 meldet sich Maria für die Aktion an und erstellt ein Profil auf www.justgiving.com, ein Portal, das mit Dream Challenges zusammenarbeitet, um Spenden zu sammeln. 1.650 Pfund sind das Minimum. Wie genau sie an das Geld kommen, ist den Teilnehmerinnen selber überlassen. 

Anfang Juni 2019 hat Maria das Geld zusammen. Da steckt sie schon mitten im Training, hat im Frühjahr in ein Rennrad investiert und fährt seitdem jeden Tag damit zur Arbeit – eine Stunde hin und zurück, mitten durch den Londoner Verkehr. Dream Challenges versorgt sie in dieser Zeit mit Training-Tipps. Maria ist motiviert und wird immer fitter, ein schöner Nebeneffekt, wie sie meint. 

Im September 2019 ist schließlich der Startschuss für die Tour – allerdings ohne Maria. Sie hat kurz vorher herausgefunden, dass sie schwanger ist. Die gesammelten Spenden gehen trotzdem an die Organisationen – und Maria wird nun im nächsten Jahr antreten. 

Geschichte #2

Jugend gegen AIDS hat den Start des Spenden-Stickers auf Instagram im Sommer 2019 für ein ganz besonderes Projekt genutzt: Kondomautomaten an Schulen, ein wichtiger Teil ihrer Aufklärungsarbeit. Und so funktioniert’s: Indem der Spenden-Sticker in den Instagram Storys genutzt wird, startet für 24 Stunden eine Spendenaktion. "Zwei Klicks, einmal auf den Sticker, einmal auf den Betrag, fertig!", erklärt Roman Malessa, Vorstand von Jugend gegen AIDS. Sie hätten ein internes Spendenziel gehabt, so Malessa weiter – und das auch in den 24 Stunden erreicht. Es sei ein gutes Tool, um viele kleinere Beträge zu sammeln, gerade bei jungen Menschen. 

Dabei ging es nicht nur um das Sammeln von Spenden, sondern auch darum, die Reichweite zu steigern und somit mehr Aufmerksamkeit für ihre Sache zu erzielen. Instagram hat eine junge Zielgruppe. Genau die will Jugend gegen AIDS erreichen. "Junge Leute suchen nicht aktiv im Internet nach Geschlechtskrankheiten. Wir wollen das Thema zum Lifestyle-Thema machen, zeigen, dass es wichtig ist, sich um seine Gesundheit zu kümmern", erläutert Malessa. Dazu nutzt Jugend gegen AIDS vor allem Facebook und Instagram und die Zusammenarbeit mit Kampagnenbotschaftern. 

Jugend gegen AIDS ist selbst aus einer Spendenaktion entstanden. 2009 haben sie als Schülerinitiative am Welt AIDS Tag rote AIDS-Schleifen verkauft und 20.000 Euro für die gemeinnützige Michael Stich Stiftung gesammelt – Michael Stich war so begeistert von ihrer Aktion, dass sie das Geld behalten durften, so entstand Jugend gegen AIDS. Bei der Aktion haben sie erlebt, wie viele Vorurteile es noch gibt in Sachen HIV/AIDS. Viele Jugendliche hätten das Gefühl, dass das Thema für sie nicht relevant sei, sagt Malessa, deshalb stehe die Aufklärungsarbeit im Mittelpunkt ihrer Arbeit.

Geburtstagspendenaktionen, Spenden-Sticker und vieles mehr – das sind die Werkzeuge des Fundraisings im Internet. Facebook hat so eine Gesamtspendensumme von zwei Milliarden US-Dollar weltweit gesammelt, die den jeweiligen Organisationen zu 100 Prozent zugutekam.
Auch die Verbindung von Jugend gegen AIDS zu Facebook ist eng – hier schalten sie regelmäßig Kampagnen. Der Spenden-Sticker auf Instagram wird bei Jugend gegen AIDS nun regelmäßig zum Einsatz kommen, nicht zuletzt am Welt AIDS Tag am 1. Dezember.

Geschichte #3

Kein einfaches Thema: Kindesmissbrauch. Durch eine Aktion auf www.betterplace.org, Deutschlands größter Spendenplattform, sammelte der Verein Dunkelziffer e. V. aus Hamburg im letzten Jahr 10.000 Euro für eine Kampagne, um die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. Eine Werbeagentur hatte die Plakate für die Kampagne ehrenamtlich entworfen – um sie aber in ganz Hamburg und noch einigen anderen Städten zu platzieren, entstanden Klebekosten in Höhe von rund 10.000 Euro. Das war ihr Spendenziel auf www.betterplace.org, einer Plattform, auf der die Organisation bereits seit mehreren Jahren Spendenaufrufe schaltet, aber noch nie in dieser Größenordnung. Innerhalb von zehn Monaten hatten sie ihr Spendenziel erreicht – und die Kampagne wurde ein Erfolg.  

Dunkelziffer e. V. macht sich seit 1993 für Mädchen und Jungen stark, die sexuelle Gewalt erfahren haben: mit Therapieplätzen, Fortbildungen für Pädagogen und Präventionsarbeit in Kitas und Schulen. Um auf das tabuisierte Thema aufmerksam zu machen, führt die Organisation immer wieder Kampagnen durch, auf ehrenamtlicher Basis kreiert von Werbeagenturen – der Verein finanziert sich fast ausschließlich durch Spenden, gibt aber keine Spendengelder für die Öffentlichkeitsarbeit aus. 

Jasmin Falck, verantwortlich für Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit und Events bei Dunkelziffer e. V., erzählt, dass sie durch eine E-Mail von www.betterplace.org auf die Idee gekommen sei, dort Spendenaufrufe zu starten – die E-Mail lieferte Ideen und Tipps, wie man die Plattform am besten nutzen kann. Mehr als 20.000 Projekte aus der ganzen Welt sammeln dort Spenden. 

Und www.betterplace.org ist nicht die einzige digitale Plattform, die der Verein zum Spendensammeln nutzt. Auch die Geburtstagsspendenaktionen von Menschen auf Facebook hätten einen starken Effekt, so Falck.



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