Die Fraunhofer-Gesellschaft spricht von einem neu anbrechenden Zeitalter selbstlernender Maschinen, das vielfältige technische, aber auch gesellschaftliche Herausforderungen mit sich bringe. "Was bei uns in der Branche in den vergangenen fünf Jahren passierte, ist atemberaubend. Das stellt alles in den Schatten, was in den Jahren vorher geschah", sagt Dr. Dirk Hecker, Geschäftsführer der Fraunhofer Allianz Big Data, in der sich im vergangenen Jahr 29 der insgesamt 69 Fraunhofer Institute zusammengeschlossen haben.
Ganz nüchtern betrachtet ist künstliche Intelligenz ein Teilgebiet der Informatik. Es beschäftigt sich mit der Erforschung von Mechanismen des intelligenten menschlichen Verhaltens durch Simulation. In der Wissenschaft ist neben KI vor allem die englische Kurzform AI (artificial intelligence) verbreitet.


WIR ALLE HABEN MIT UNSEREN DATENSPUREN DEN WEG FÜR KÜNSTLICHE INTELLIGENZ GEEBNET

Warum boomt die künstliche Intelligenz gerade jetzt? Weil die Zeit dafür einfach reif ist! Wir alle hinterlassen seit Jahren täglich Datenspuren. Die kommerzielle Nutzung des Internets ist längst in quasi jedem Haushalt angekommen, nicht nur die junge Generation ist permanent online. Alexa, Cortana, Siri und Co. fühlen sich bei uns heimisch. Big Data ist Realität! Die Cloud und die weltweite Vernetzung haben die Verarbeitung bisher unvorstellbar großer Datenmengen unabhängig von Ort und Zeit möglich gemacht. Und die Maschinen lernen dabei – der Vergleich sei erlaubt –, wie Menschen aus Erfahrung lernen.

Wozu das alles führt? Jeder von uns kennt die Diskus¬sion um autonom fahrende Autos. Am Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen (CML) in Hamburg-Harburg beschäftigt sich Professor Carlos Jahn mit der Digitalisierung von Schiffen und Häfen. Er hat gemeinsam mit der Hamburger Hafenverwaltung Port Authority (HPA) ein Ideenpapier vorgelegt, in dem wie selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass in gar nicht ferner Zukunft Crews großer Containerschiffe nur noch in Küstennähe an Bord sind. Auf hoher See wird vom Büro aus navigiert.

An den Fraunhofer-Instituten in Berlin und Bremen wird unter anderem mit KI im Bereich Health Care geforscht. Ein Beispiel: Tumorgewebe kann durch zielgenaue Ultraschall-Erhitzung zerstört werden. Bisher aber nur im Kopfbereich, wo es keine Bewegungen des Zieles gibt. Doch jetzt entwickelten die Fraunhofer-Forscher auf Basis von MRT-Bildern und Atmungssensoren eine Software für die Vorhersage von Organbewegungen. Es wird also möglich, beim Einsatz der Ultraschall-Therapie die Bewegungen des Körpers auszugleichen. Die Strahlen folgen ihnen und treffen zielsicher den Tumor.

Spektakulär ist das Elektroauto EO Smart connecting car 2. Während Tesla mit lautem Marketing seine Elektrofahrzeuge in den Markt drängt, haben Ingenieure des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Bremen ein durch und durch einzigartiges E-Auto konzipiert. Die Bremer Forscher verfolgen nicht das klassische Konzept mit einem elektrischen Motor unter der Haube: Ihr Fahrzeug – auf den ersten Blick einem Smart durchaus ähnlich – wird von vier kleineren Motoren angetrieben. An jeder Radnabe gibt es einen. Da sich die Räder außerdem um 90 Grad drehen lassen, kann das Auto nicht nur vorwärts und rückwärts und im Kreis fahren, sondern auch seitlich einparken. Mehrere Autos sollen sich zu einem Konvoi verbinden lassen. Das funktioniert sogar während der Fahrt, perfekt für Berufspendler, die ihre Autos andocken und dann im Konvoi zur Arbeit fahren. Vorteil: Der Erste fährt, der Rest liest Zeitung.


CLEVERER BLAUMANN – FORSCHER ENTWICKELN EINEN ARBEITSANZUG GEGEN RÜCKENSCHMERZEN

Wenn die Fahrt zum Beispiel auf eine Schiffswerft im Norden geht: Welche Anstrengung bedeutet es dort für einen Schweißer im Schiffbau, wenn er in krummer Haltung im Schiffsrumpf schwerste Stahlteile verarbeitet, haben sich norddeutsche Wissenschaftler gefragt. Im Projekt SIRKA (Sensoranzug zur individuellen Rückmeldung körperlicher Aktivität) arbeitet das DFKI in Bremen mit der Hochschule Osnabrück zusammen, um mit einem mit Sensoren bestückten Arbeitsanzug Daten zu sammeln. Das Ziel: Bewegungsabläufe im Arbeitsalltag zu optimieren, um Rückenleiden zu reduzieren.

Die sind auch bei in der Landwirtschaft beschäftigten Menschen weit verbreitet, das kann jeder Hobbygärtner nachvollziehen, der mal Unkraut aus dem Blumenbeet gezupft hat. Da im Ökolandbau synthetische Pestizide verboten sind, wird Unkraut meist mühsam per Hand entfernt – eine körperliche Belastung und eine kostspielige Angelegenheit. Professor Dieter Trautz von der Universität Osnabrück hat mit seinem Team und der Firma Bosch einen Roboter entwickelt, der automatisch Unkraut in Möhrenkulturen vernichtet. Klingt nach einer perfekten Arbeitsteilung von Mensch und Maschine. Danke, Kollege Roboter!


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