Das Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik (IHP) ist für seine schnellen Silizium-Germanium-Schaltkreise weltbekannt. Deren
Transistoren erreichen durch ihre Konstruktion Weltrekord-Schaltzeiten von extrem geringen 1,9 Pikosekunden. Entsprechend hoch sind die Geschwindigkeiten der Transistoren mit derzeit 500 Gigahertz Grenzfrequenz. Zum Vergleich: Heutige WLAN arbeiten bei Frequenzen bis fünf Gigahertz.
Mit dieser Forschungsarbeit kommt das IHP einem seiner Ziele einen großen Schritt näher: der drahtlosen Übertragung extremer Datenmengen bis in den Bereich von 100 Gigabit in der Sekunde, etwa das Hundertfache der Geschwindigkeit heutiger schneller WLAN. Radaranwendungen bei höheren Frequenzen erlauben eine deutlich höhere Genauigkeit, womit Systeme für mehr Sicherheit im Straßenverkehr entstehen können. Ganz neue Möglichkeiten bieten sich für die Medizintechnik: Sensoren bei Terahertz-Frequenzen ermöglichen beispielsweise kontaktlose Gewebeanalysen ohne die Gefahr von Zellschädigungen. Weitere Anwendungen in der Luft- und Raumfahrt und bei der Steuerung von hochautomatisierten Produktionsprozessen sind erkennbar.
Die bisherigen Silizium-Transistoren bieten noch Potenzial für eine Frequenzerhöhung bis etwa 900 Gigahertz. Für den Bereich bis zu mehreren Terahertz braucht es jedoch völlig neue Konzepte. Deshalb arbeitet das IHP unter Leitung von Professor Wolfgang Mehr an einem vertikalen Graphen-Basis-Transistor. Neu ist die am IHP patentierte Idee, den Transistor durch ein Graphen-Gitter zu steuern, das aus nur einer Atomlage Kohlenstoff besteht. Das Ziel: einen Terahertz-Transistor zu entwickeln, der ausreichend Leistung für Funk und Bildgebung bietet und in digitale Silizium-Schaltkreise integriert werden kann.  Erste Präparationen erfolgen derzeit in der Pilotlinie des Instituts.
Das IHP nutzt seine Hochleistungstechnologien nicht nur für eigene Forschungsprojekte. Auch Dritte können ihre Schaltkreise am Institut als Prototypen bis hin zu Kleinserien entwickeln und fertigen lassen. Diese Möglichkeit wird seit mehr als zehn Jahren weltweit genutzt – sowohl von Universitäten als auch von innovativen Firmen, die mit ihren Produkten schneller auf den Markt kommen wollen.