Jonas Enderlein und Daniel Förster könnten unterschiedlicher kaum sein: Der eine, IT-Ingenieur, hat eine leicht zerzauste Frisur, mag Musik und Marathonläufe; der andere, Politikwissenschaftler, trägt einen ordentlichen Kurzhaarschnitt, liebt die Antike und Stille. Vermutlich hätten sie sich nicht einmal in der Mensa an denselben Tisch gesetzt. Heute jedoch leiten sie zusammen eine Firma – und könnten sich keinen besseren Geschäftspartner vorstellen. Die beiden gehören zu den vielen Hochschulabsolventen in Berlin und Brandenburg, die sich schon während ihres Studiums beruflich orientiert haben, um möglichst übergangslos mit der Karriere zu starten. Förster und Enderlein haben beide an der Universität Potsdam studiert. Doch wenn der Gründerservice der Uni sie nicht zusammengeführt hätte, wäre ihr Online-Versandhandel für ökologisch hergestellte Babykleidung wohl nie entstanden.

Fließender Übergang in den Job
Über 200000 Studierende sind an den staatlichen und privaten Fachhochschulen und Universitäten in Berlin und Brandenburg eingeschrieben. Allein das Land Berlin investiert jährlich 1,5 Milliarden Euro in den Hochschulbereich – länderübergreifend genießt die Hochschullandschaft einen sehr guten Ruf. Doch wie spannt sie den Bogen zwischen exzellenter Forschung und Lehre und der Integration ihrer Absolventen in den Arbeitsmarkt? Beim Gründerservice Potsdam Transfer, den Förster und Enderlein damals in Anspruch genommen haben, gehen die Mitarbeiter direkt an die Fakultäten. Dort sprechen sie mit Studierenden über die wirtschaftlichen Chancen, die viele hätten, wenn sie ein Unternehmen gründen würden. Sie erläutern ihnen, wie eine Gründungsidee wirtschaftlich tragbar wird, wie sie an Fördergelder kämen, mögliche Investoren ansprechen könnten und sich in den richtigen Teams zusammenfinden. Vor allem nehmen sie den Studierenden die Angst vor dem Scheitern. "In Deutschland entwickelt sich langsam eine Art Gründergeist, den es lange Zeit nicht gab. Zu stark war die Scheu davor, verschuldet und in der Vita gebrandmarkt zu sein, wenn eine Geschäftsidee scheitert", sagt Gründerservice-Mitarbeiter Wulf Bickenbach. "Im angloamerikanischen Raum ist es längst Usus, auch nach mehreren Versuchen nicht aufzugeben." Nach persönlichen Coachings und Workshops haben die Studierenden die Chance auf eine Förderung, um etwa weiterführende Rechtsanwaltsberatungen oder Marktanalysen finanzieren zu können. Rund 35 Unternehmensgründungen entstehen jährlich durch die Starthilfe der Uni. Dabei werden auch Einzelkämpfer miteinander vernetzt. Der 25-jährige Enderlein etwa hatte bereits Erfahrungen im Bereich Webdesign für Kunden; der 26-jährige Förster eine konkrete Geschäftsidee: "Ich wusste, dass ich ein Online-Unternehmen für fair produzierte, günstige Babykleidung gründen wollte, kannte mich mit der Kleidung aus und dem Vertrieb", sagt der junge Familienvater. "Aber ich brauchte jemanden, der die Homepage programmiert, Onlineshops entwickelt und das Marketing ausarbeitet." Durch den Gründerservice wurde er mit Enderlein bekannt gemacht, in dem er sein perfektes Pendant fand: "Jonas kann sehr gut begeistern und überzeugen. Im Gegensatz zu mir ist er auch erfahren im Umgang mit Kunden."

Theorie und Praxis – Ein Wegweiser ins Berufsleben
Nicht immer läuft es so gezielt, wenn Studierende sich für einen Beruf entscheiden. Meistens stehen sie vor einer unüberschaubaren Menge an Möglichkeiten, die der Abschluss ihnen bietet, oder sie können sich einfach gar keinen Beruf so richtig vorstellen. An der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin hingegen sind die Wege meistens ziemlich genau vorgezeichnet. Im Studiengang Unternehmensnachfolge wissen viele Studierende, dass sie einmal den Betrieb der Eltern übernehmen werden. Innerhalb von acht Semestern erarbeiten sie sich betriebswirtschaftliche Strategien, um die Firma mit eigenen Ideen auf dem Markt zu positionieren, sie zu vergrößern oder ihre Angebotspalette zu erweitern – immer auf der Grundlage des Geschäftsmodells, das ihnen schon vorliegt. Anne Stadler etwa wollte ursprünglich die Schauspielagentur ihrer Großmutter weiterführen. "Durch die Praxissemester im Betrieb merkt man dann schnell, ob so eine Übernahme im individuellen Fall überhaupt funktioniert", sagt die 28-jährige Betriebswirtin. "Leider wurden meine Oma und ich uns bei der Ausrichtung der Agentur nicht einig – vermutlich wollte sie ihr Lebenswerk nicht wirklich abgeben." Auf zwischenmenschliche Schwierigkeiten bei der Übernahme kann kein Studium vorbereiten. Doch für Stadler war das kein Grund aufzugeben – im Gegenteil: Jährlich suchen laut dem Institut für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM) etwa 22000 Unternehmen in Deutschland nach einem Nachfolger. "Ich könnte mich mit meinem Abschluss gezielt auf so eine Stelle bewerben", sagt Stadler. "Letztendlich habe ich mich aber entschieden, meine eigene Agentur zu gründen."