Ein Beitrag der Hochschule Furtwangen

Alt werden – selbstständig bleiben

Die Hochschule Furtwangen leitet ein fach- und hochschulübergreifendes Forschungsprojekt zur Entwicklung altersgerechter Assistenzsysteme.Wir werden alle älter. Irgendwann brauchen wir Unterstützung, um unseren Alltag selbstständig zu bewältigen: Wann und wie muss ich meine Medikamente einnehmen? Was ist, wenn ich im Bad stürze und nicht mehr aufstehen kann? Wie kann ich mit anderen in Kontakt bleiben, wenn ich nicht mehr mobil bin?
In solchen oder ähnlichen Situationen benötigen Menschen nicht unbedingt eine ständige Unterstützung durch Familienmitglieder oder müssen gar ins Pflegeheim. In der Regel wollen die Betroffenen ihren Lebensalltag selbstständig meistern. Technische Assistenzsysteme, die sich unauffällig in das Wohn- und Lebensumfeld einfügen, können dazu beitragen, nachlassende körperliche Fähigkeiten auszugleichen und Selbstständigkeit lange zu erhalten.
Mit der Einrichtung des Zentrums für Angewandte Forschung "Ambient Assisted Living" (ZAFH-AAL) unterstützt das Land Baden-Württemberg seit Anfang 2013 Entwicklungen im Forschungsfeld AAL (dt.: umgebungsunterstütztes Leben). Unter Leitung der Hochschule Furtwangen arbeiten hier Wissenschaftler der Hochschule Ravensburg-Weingarten, der Katholischen Hochschule Freiburg, der Universität Freiburg und des FZI Karlsruhe an innovativen Assistenzsystemen, Technologien und Konzepten, um älteren Menschen ein eigenständiges Leben in ihrem gewohnten Umfeld zu ermöglichen und ihre Hilfspersonen zu entlasten.
So wird in Furtwangen derzeit ein mikrotechnischer Geruchssensor entwickelt, der bei nachlassendem Geruchssinn im Alter bei der persönlichen Hygiene unterstützt, sowie ein System, das blinden Menschen über Vibrationen Informationen zu Hindernissen mitteilen soll. Zudem wird untersucht, wie intelligente Stromzähler und Gebäudesensorik genutzt werden können, um Alltagsaktivitäten im Haushalt zu erkennen und bei Bedarf Hilfspersonen zu informieren.
Um nicht an den Bedürfnissen der Betroffenen vorbei zu entwickeln, berücksichtigen technische Forschungsprojekte stets Nutzerakzeptanz, rechtliche Rahmenbedingungen und Bedienbarkeit. Dazu arbeiten Forscher aus technischen Fachdisziplinen wie Mikrosystemtechnik, Informatik und Medizintechnik gemeinsam mit Wissenschaftlern der Pflegewissenschaften, Gerontologie und Sozialforschung an der Entwicklung und Evaluation von AAL-Lösungsansätzen.