Wenn am Nachthimmel über Baden-Württemberg die Sterne funkeln, richtet der Großvater gerne die Antenne seines Amateurfunkgerätes auf den Mond. Dorthin, in die Ferne, schickt er die Worte seines Enkels; der kleine Alexander liebt dieses gemeinsame Ritual. Noch heute, etwa 30 Jahre später, erinnert sich Alexander Gerst gerne daran. Der heute 37-Jährige ist inzwischen promovierter Geophysiker und Mitglied im Europäischen Astronautenkorps. Diese bis ins Weltall reichende Neugierde teilen viele Ingenieure in Baden-Württemberg: In Lampoldshausen am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickeln sie Raketentriebwerke, bei Astrium in Friedrichshafen Satelliten, und die fliegende Sternwarte Sofia, ein Partnerprojekt mit der NASA, wird in Deutschland am Institut für Raumfahrtsysteme der Universität Stuttgart koordiniert. Mehr als 80 Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen machen Baden-Württemberg zu Deutschlands führendem Raumfahrt-Bundesland.

Ob Lichtjahre oder Nanometer: Nobelpreise für Tüftler

Was Ingenieure hier erfinden und entwickeln, legt Lichtjahre oder Kilometer zurück, ist mehrere Meter groß oder wenige Nanometer winzig. Einst prägten Gottlieb Daimler, Robert Bosch oder Carl Benz den Ruf der Region als Heimat der Tüftler, sie erfanden den ersten schnelllaufenden Benzinmotor, den Zünder und das moderne Automobil. Doch auch heute gilt Baden-Württemberg als Heimat von Weltklasse-Forschern: Klaus von Klitzing bekam den Nobelpreis für die Entdeckung des quantisierten Hall-Effekts, Christiane Nüsslein-Volhard für ihre Forschung zur Genetik der frühembryonalen Entwicklung und Bert Sakmann für seine Forschung zur Patch-Clamp-Technik, die die Zellforschung revolutionierte. Im vergangenen Jahr steckte Baden-Württemberg 4,7 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes in Forschung und Entwicklung, so viel wie kein anderes deutsches Bundesland. Eine Investition, die sich lohnt – ein Drittel der deutschen Patentanmeldungen kam 2012 aus dem Südwesten. Hier wird geschraubt, getüftelt und gebaut: in Forschungseinrichtungen und in Weltkonzernen wie Daimler, Bosch oder SAP, aber auch in einem dichten Netz von Mittelständlern. Die Zukunft wird in Baden-Württemberg zusammengesetzt, im Großen wie im Kleinen.