In Ballungsräumen, wo sich die Belastung durch Schadstoffe konzentriert, kann man die Auswirkungen manchmal geradezu von den Gesichtern der Menschen ablesen. Die Biologin Andrea Vierkötter hat das gemessen. Die Postdoktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am IUF in Düsseldorf untersuchte im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit den Effekt von Luftschadstoffen auf die Hautalterung. An ihrer Studie waren 400 Frauen zwischen 70 und 80 Jahren beteiligt, die aus den Städten des ehemals hoch belasteten Ruhrgebiets und aus dem eher ländlich geprägten Münsterland kamen. Dabei zeigte sich, dass die Frauen in den Städten signifikant schneller gealtert waren als die auf dem Land. »Sonnenlichtexposition oder das Rauchen beschleunigen die Hautalterung und führen zu typischen Alterungssymptomen wie Faltenbildung, Pigmentflecken, gegerbter Haut oder dem Auftreten von roten Äderchen«, erklärt Vierkötter. »Aber es gibt auch einen starken Zusammenhang zwischen der Partikelkonzentration in der Luft und dem Auftreten von Pigmentflecken.« In Ballungsgebieten sind Vierkötter zufolge die Menschen einer starken Schadstoffkonzentration etwa durch Dieselmotoren ausgesetzt. Allerdings seien die Luftschadstoffe, die vom Autoverkehr verursacht werden, ein sehr komplexes Gemisch. »Allein Zigarettenrauch hat mehr als 10.000 toxische Elemente. Wir fragen uns, wie sich das Gemisch der Motorabgase auf die Haut auswirkt. Es lässt sie jedenfalls nachweislich schneller altern.« Mit ihrem Team hat Vierkötter zum ersten Mal den Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Hautalterung zeigen können. »In unserer Studie wiesen Frauen, die einer erhöhten Luftschadstoffkonzentration ausgesetzt waren, 20 Prozent mehr Pigmentflecken im Gesicht auf als Frauen, die in ländlichen Gebieten wohnten.« Nun gehe es darum herauszufinden, ob einzelne Bestandteile oder das Luftschadstoffgemisch für die Entwicklung der Pigmentflecke verantwortlich seien. Hautcremes gegen Pigmentflecke, die durch Sonnenstrahlen entstanden sind, gibt es seit Jahren. Gegen Hautalterung durch Luftverschmutzung gibt es noch kein wirksames Mittel. »Wenn wir helfen könnten, ein Produkt zu entwickeln, das genau an den Rezeptoren der Haut wirkt, an denen die Schadstoffe andocken, könnte man den Alterungsvorgang hinauszögern«, glaubt Vierkötter. 

Cremes gegen Schadstoffe
Bis es eine Wundercreme gibt, ist es noch ein weiter Weg. Nordrhein-Westfalens Forscher arbeiten intensiv an möglichen Präventionsmaßnahmen – und an einer Verbesserung der Luftqualität im Allgemeinen: mit Forschungen am IUF oder Projekten wie PEGASOS, von denen bald ganz Europa profitieren wird. Das Land, in dem man noch heute von Ruß geschwärzte Häuser findet, wandelt sich zum Land, das der Luftverschmutzung den Kampf angesagt hat.