Das Max-Planck-Institut (MPI) für molekulare Biomedizin in Münster ist ein Ort, an dem einige der spannendsten Fragen des Lebens erforscht werden: Welche Möglichkeiten gibt es, Krebs zu heilen? Warum können Stammzellen fast jede Zellform im menschlichen Körper annehmen? Wie laufen Entzündungsprozesse ab? In Münster beginnt die Suche nach Antworten in einem Aquarium. Im Labor von Wiebke Herzog steht eines, Zebrafische leben darin. Die Tiere sind nicht nur schön anzuschauen, sie dienen in der Biologie auch als Modellorganismen: Frisch geschlüpfte Zebrafisch-Embryos sind durchsichtig, man kann dabei zuschauen, wie sich die Blutgefäße entwickeln. »Ein Zebrafisch hat zwar keine Haare und er atmet über die Kiemen, aber sonst hat er fast alles, über das ein Mensch auch verfügt – ein Nervensystem zum Beispiel, Organe, eine Hirnanhangdrüse«, sagt Herzog. »Auch das Blutgefäßwachstum ist vergleichbar. So hilft er uns, Vorgänge zu verstehen, die wir im menschlichen Körper nicht beobachten können.«

Von der Westküste nach NRW: überzeugt wieder daheim!
Herzog ist Professorin für Biologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Zusammen mit ihrem Team leistet sie wichtige Forschungsarbeit: Wer versteht, wie Blutgefäße entstehen, kann auch Krebstherapien entwickeln, bei denen Tumore am Wachstum gehindert werden können. Bis vor vier Jahren forschte sie in den Vereinigten Staaten an der University of California in San Francisco. Sie ist mit dem Rückkehrerprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen nach Deutschland zurückgekommen. Über eine Anzeige in der Fachzeitschrift »Nature « erfuhr sie von dem Angebot, mit dem ambitionierte deutsche Wissenschaftler, die im Ausland tätig sind, an Rhein und Ruhr gelockt werden sollen. Das Programm gibt es seit 2007. Es ist ein Beispiel dafür, wie es nordrheinwestfälischen Hochschulen gelingt, im Wettbewerb um Spitzenforscher zukunftsfähig zu werden: Insgesamt sind schon 17 Nachwuchswissenschaftler aus dem Ausland an Hochschulen im Westen Deutschlands gewechselt. Sie bringen den Standort voran, indem sie dabei helfen, die Forschung in Nordrhein-Westfalen auch für jüngere Talente attraktiv zu machen. Meist entscheiden sich Forscher für das Rückkehrerprogramm, die sich während des Studiums noch nicht vorstellen konnten, eine Karriere in Deutschland einzuschlagen. So wie Wiebke Herzog: »Als ich noch Studentin war, hatte ich einen anderen Eindruck. Auf der einen Seite waren die amerikanischen Unis mit ihren flachen Hierarchien und den kollaborativ vernetzten Forschern und auf der anderen Seite die deutschen Unis. Das hat sich massiv geändert.« Zum einen würden heute auch deutsche Forscher sehr gut zusammenarbeiten, zum anderen sei Deutschland eines der wenigen Länder, die im Zuge der Finanzkrise davon abgesehen hätten, Forschungsbudgets zusammenzustreichen. In Kalifornien hingegen seien die Arbeitsbedingungen sukzessive schlechter geworden.