Klimawandel und Schuldenkrise zeigen es täglich aufs Neue: Die wirtschaftlichen, soziopolitischen und ökologischen Probleme unserer Zeit lassen sich oft nicht mehr regional oder nationalstaatlich lösen – sie erfordern eine gemeinsame Beratung und Verständigung auf dem internationalen Parkett. Global denken, transnational agieren, lautet die Devise. Doch manchmal geht es auf der internationalen Bühne nicht so recht vorwärts.
Wer Ursachenforschung betreibt, wird schnell mit vorgeprägten Denkmustern oder mit den politischen und institutionellen Rahmen konfrontiert, in denen die jeweiligen Lösungsansätze erarbeitet werden. Diese gilt es aufzubrechen und – vor dem gemeinsamen Horizont einer globalen Welt – eine grundlegend neue Qualität politischen Handelns zu ermöglichen. Einige Voraussetzungen dafür möchte das Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global-Cooperation Research in Duisburg in den kommenden Jahren entwickeln. Während eines Förderzeitraums von sechs Jahren werden bis zu 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt gemeinsam an einem neuen Konzept für die globale Zusammenarbeit der Zukunft arbeiten. Konsequente Interdisziplinarität, Praxisdialoge und mutige Fragen sind Programm: In welcher Weise können kulturelle und religiöse Differenzierungen die globale Kooperation erleichtern oder behindern? Wie gut verträgt sich das Konzept der Demokratie theoretisch und praktisch mit den gegenwärtigen Herausforderungen globaler Kooperation? Sind wir Menschen mit den kognitiven Fähigkeiten ausgestattet, globale Wir-Identitäten und Zukunftsorientierung über Generationen hinweg herauszubilden? Das Kolleg möchte neue Wege beschreiten und den Dialog mit der Öffentlichkeit suchen; die Atmosphäre am Kolleg ist entsprechend: offen, kreativ, bunt.

Erschütterungen wie die Weltfinanzkrise haben die Steuerungsfähigkeit globaler Politik infrage gestellt. Zur Ernüchterung über die Wirksamkeit multilateraler Institutionen trägt auch das wiederholte Scheitern der Klimaverhandlungen bei. Schließlich konnten die
Millennium-Entwicklungsziele der UN zwar zur Erhöhung der Entwicklungshilfe beitragen, doch bleibt ein nennenswerter Teil der Weltgesellschaft in extremer Armut gefangen. Bietet der Aufstieg wichtiger Staaten wie China oder Indien neue Chancen für die Lösung globaler Probleme? Mittelfristig ja, werden doch westliche Modernitätsvorstellungen durch die Erfahrungen anderer Entwicklungswege ergänzt. Zunächst jedoch resultiert die multipolare Konstellation in einer Aufsplitterung von globalen Entscheidungsprozessen, die wirksame Politikgestaltung erschwert. Ein Zurück zu hegemonialer Ordnungspolitik wird es nicht geben. Wie aber kann trans- und internationale Zusammenarbeit partizipativ und effektiv gestaltet werden? Das Käte Hamburger Kolleg bietet einen Freiraum für interdisziplinäre Suchprozesse und institutionelle Fantasie.