Als 1986 in Hannover die CeBIT erstmals als eigenständige Messe eröffnete – zuvor war die Ce- BIT ein Teil der Hannover Messe gewesen –, hatte der Schüler Oliver Frese mit Technik wenig am Hut. "PCs waren für mich klobige Kisten, mit denen Mathefreaks ihre Zeit verbrachten. Meinen ersten 386er-Computer habe ich mir 1992 zum Vordiplom angeschafft", erzählt der heute 47-Jährige. "Ich hätte mir damals nicht träumen lassen, dass ich als Sozialwissenschaftler einmal verantwortlich für die weltgrößte IT-Messe werden würde." Nach seinem Diplom arbeitete Frese in verantwortlichen Marketingpositionen internationaler Konzerne. Als Stand-Leiter begleitete er fünf Hannover Messen als Aussteller. Nach seinem Seitenwechsel zur Deutschen Messe AG übernahm er nach einigen Jahren den Posten als Geschäftsbereichsleiter der Hannover Messe und stieg 2013 zum Chef der CeBIT auf.  Das Akronym steht für: Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation. Nun beschäftigt sich Frese nahezu 365 Tage im Jahr mit Themen wie Big Data, dem Internet der Dinge oder Cloud- Lösungen und stellt die neusten Entwicklungen aus diesen Bereichen in der niedersächsischen Landeshauptstadt aus.

Im Frühling 2015 steht Hannover ganz im Zeichen der "d!conomy": "Als Kunstwort aus digital und economy beschreibt d!conomy den rasanten Einzug der Digitalisierung in alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft ", erklärt Frese. Die Verschmelzung der virtuellen und der realen Welt präsentiert die CeBIT in 16 in Themengebieten aufgeteilten Hallen: "Wenn sie als Unternehmer das Rechenzentrum ihres Betriebs aufrüsten wollen, gehen Sie in den Bereich Datacenter Dynamics in Halle 12. In Halle 3 hingegen versammeln sich Anbieter, die sie auf dem Weg zum papierlosen Büro mit der Digitalisierung von Dokumenten unterstützen", fasst Frese zusammen.

In Halle 12 steht am Stand des Landmaschinenherstellers CLAAS ein grün lackierter schlauer Traktor. Der Ackerschlepper hat sich im Sommer 2014 bei der Getreideernte in Sachsen-Anhalt mit anderen Traktoren, Mähdreschern und Überladewagen unterhalten – zum Beispiel über das Wetter. "Maschinen verleihen wir zunächst Intelligenz durch ein Softwaresystem, das mit Expertenwissen aufgeladen ist. Dadurch können wir dem Gerät die Vorgabe machen, etwa bei drohendem Regen so schnell wie möglich zu ernten", erläutert Wolfram Eberhardt, der als Sprecher des Traditionsunternehmens regelmäßig die CeBIT besucht. Außerdem sind die CLAASMaschinen vernetzt: Sie können untereinander kommunizieren und ihre Arbeitsprozesse ohne menschliches Zutun abstimmen. "Der Korntank des Mähdreschers ist alle zehn Minuten voll und muss geleert werden. Durch das Mobilfunknetz der Deutschen Telekom ruft der Mähdrescher automatisch den Traktor mit dem Überladewagen. Dann fährt dieser genau zum richtigen Zeitpunkt parallel zum Mähdrescher und nimmt die Ernte mit dem Überladewagen auf", erklärt Eberhardt weiter. Die genaue Menge des übernommenen Getreides kann anschließend an das Silomanagement des landwirtschaftlichen Betriebs gemeldet werden. M2M, Machine-to-Machine-Kommunikation, heißt diese Art der Datenübertragung. Mit ihr ist der Agrartechnikhersteller CLAAS ein Beispiel für die Industrie 4.0, die vierte industrielle Revolution, die in deutschen Betrieben bald Realität werden soll.

Halle 9 auf der CeBIT ist traditionell dem Bereich Forschung und Innovation vorbehalten. Die Stände von Universitäten, etwa der Hochschulen Saarbrücken oder Aachen, befinden sich dort genauso wie die Aussteller des Hasso-Plattner-Instituts für Softwaresystemtechnik oder des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Forscher des DFKI-Bereichs Cyber- Physical Systems zeigen beispielsweise einen mit Minisensoren bestückten Anzug. Er soll Schweißer im Schiffbau oder Rettungssanitäter bei ihrer Arbeit vor Überbelastung schützen, indem er schädliche Bewegungsabläufe erkennt und den Träger mit einem Signal warnt.