Sebastian Schier ist Informatiker – und manchmal wird er zum Fluglotsen. Im DLR-Institut für Flugführung ist er für den Apron and Tower Simulator (ATS) verantwortlich. DLR-Wissenschaftler/-innen entwickeln und testen dort unter seiner Leitung neue Technologien und Systeme, die Fluglotsen bei ihrer Arbeit unterstützen sollen. Die Voraussetzungen sind ideal: Im Simulator lassen sich die Arbeitsplätze von Lotsen mit sämtlichen Werkzeugen realistisch nachbilden.

Umfangreiche Tests durchlief zum Beispiel "Remote Tower". Das Konzept sieht vor, dass Fluglotsen verschiedene Flughäfen von einer Zentrale aus überwachen. Dies könnte durch eine höhere Kosteneffizienz nicht nur das Überleben kleinerer Flugplätze sichern, sondern sogar den gesamten Luftverkehr sicherer machen: "Wir sind nämlich plötzlich in der Lage, dem Lotsen ganz neue Informationen wie Infrarotdaten oder das Rufzeichen des Flugzeugs in die Außensicht einzublenden", erklärt Sebastian Schier. Der 30-Jährige hat beim DLR bereits ein Praktikum und ein duales Studium der Informationstechnik absolviert. Nach seinem Einstieg in das Institut für Flugführung setzte er noch einen Master in Informatik drauf. Nächstes Ziel: die Promotion. Damit ist er in bester Gesellschaft: Rund 1.000 Wissenschaftler/- innen forschen derzeit im DLR für ihre Doktorarbeit. Etwa 450 Informatiker/-innen und weitere rund 750 Mitarbeiter/- innen anderer Fachgebiete entwickeln im DLR Software für wegweisende Projekte. Sie programmieren unter anderem Algorithmen für die aerodynamische Optimierung von Fluggeräten, verfeinern die Steuerung mobiler Roboter und erstellen echtzeitfähige Software für Satelliten-Betriebssysteme. Für ihre Forschung nutzen sie zahlreiche spezialisierte Testanlagen wie die Simultanentwurfseinrichtung (Concurrent Engineering Facility) oder den C²A²S²E-Cluster, Europas stärksten Rechner für die Luftfahrtforschung – und den Tower Simulator.

Um "Remote Tower" umzusetzen, mussten DLR Wissenschaftler/- innen zunächst feststellen, unter welchen Voraussetzungen ein Lotse überhaupt vom selben Arbeitsplatz unterschiedliche Flughäfen kontrollieren kann. In Simulationen haben sie durchgespielt, wie sich Fehlerquellen ausräumen lassen – etwa bei der Ansage des korrekten Flughafens nach der Landung. Mit einem Team aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen hat Sebastian Schier die Blickbewegungen der Lotsen genau untersucht. Erst als die Forscher/-innen den Namen des jeweiligen Flugplatzes an mehreren Stellen im Blickfeld der Lotsen anbrachten, fanden sie sich gut zurecht. In Projekte wie "Remote Tower" fließt die Expertise aus Physik, Mathematik, Psychologie und anderen Disziplinen ein. Das Ergebnis ist ein System aus verschiedenen Kameras mit kompletter Datenfusion, das sämtliche Informationen auf dem Bildschirm vereint. Dank positiver Ergebnisse im Simulator könnte "Remote Tower " bald Wirklichkeit sein: Die Deutsche Flugsicherung plant, die Flughäfen Saarbrücken, Erfurt und Dresden künftig "remote" aus einer Zentrale in Leipzig zu überwachen. 

Steckbrief

Institution

Im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) forschen rund 8.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an bahnbrechenden Technologien für Luftfahrt, Raumfahrt, Energie, Verkehr und Sicherheit. Ihre Arbeiten reichen von der Grundlagenforschung bis zur anwendungsreifen Technologie. Bei vielen Projekten arbeiten die fachübergreifenden Teams des Forschungszentrums mit internationalen Partnern aus Wissenschaft und Industrie zusammen.

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