Können Roboter sinnvoll in der Pflege eingesetzt werden? Das interdisziplinäre Forschungsprojekt EmoRobot untersucht, wie Personen mit Demenz auf Roboter reagieren. Initiiert wurde das vom BMBF geförderte Projekt von Prof. Dr. Helma M. Bleses, Pflegewissenschaftlerin der Hochschule Fulda, im Verbund mit Pflegewissenschaftlern der Hochschule St. Gallen, Informatikern der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und Soziologen der TU Dortmund. Das Besondere der Studie: "Wir orientieren uns an der Lebenswelt der Personen mit Demenz", sagt Emo-Robot-Projektleiterin Prof. Bleses. "Uns ist es wichtig, dass die Pflegewissenschaft an der Weiterentwicklung von robotischen Assistenzsystemen beteiligt ist und ihre Expertise einbringt", betont sie. Verschiedene Robotertypen werden im Versuch mit Personen mit beginnender, mittlerer und fortgeschrittener Demenz in eine Wechselbeziehung gebracht. Für das Projekt konnte Prof. Bleses das Katharinenstift in Wiesbaden gewinnen, in dem Personen mit unterschiedlichen Stadien der Demenz leben.

Vier Robotertypen kommen zum Einsatz. Die Serviceroboter Jenny und Johnny bringen Mahlzeiten oder Getränke oder können auch Musik oder Videos abspielen. Der kleine jungenhafte Zeno dient hingegen als "social robot" zur Unterhaltung. Er "spricht" mit den Personen mit Demenz und "reagiert " auf sie. Mit seinen elf Motoren im Gesicht kann er zudem Mimik und Emotionen seines Gegenübers "widerspiegeln ". Hierzu wird Zeno – wie alle Roboter im Projekt – während des Versuchs von Informatikern im Hintergrund ferngesteuert. Ein weiteres System heißt Double: Es ist ein Tablet- Computer, der auf einer mobilen Plattform auf Augenhöhe montiert ist. Mit diesem Telepräsenzsystem kann sich eine Person auf dem Monitor zuschalten. Im Versuch ist dies eine Bezugsperson, die Memory mit der Person mit Demenz spielt. Alle Experimente werden von den Wissenschaftlern per Video aufgezeichnet und ausgewertet.

Im Fokus stehen vor allem zwei Fragen: Wofür halten Personen mit Demenz die robotischen Systeme und können diese auch Emotionen stimulieren? Die Wissenschaftler richten dabei jedes Experiment nach der Biografie der Person aus, mit dem Ziel, das Wohlbefinden zu erhöhen. "Es geht nicht darum, die Pflegepersonen zu ersetzen, sondern darum, wie wir Zusatzangebote gestalten können", betont Prof. Bleses. Noch lassen sich keine verlässlichen Muster beschreiben, sondern eher erste Erkenntnissplitter. "Bisher zeigt es sich, dass es den Personen mit Demenz zeitweise bewusst zu sein scheint, dass es sich hier um technische Systeme handelt ", erklärt Prof. Bleses.

Einerseits bezeichneten die Personen etwa Zeno als "Kindchen", andererseits wird er auch als Gerät interpretiert: "Da läuft so eine Platte drin." Double wurde als "gehende Kamera" bezeichnet – ein Hinweis auf eine adäquate Beschreibung auch bei unbekannten Geräten. Gegenüber den Servicerobotern zeigten sich ganz unterschiedliche Reaktionen: von Ignorieren über Zurückhaltung bis hin zu Akzeptanz. Kein Teilnehmer zeigte Angst vor den Robotern. "Eine Frage der Zukunft wird es sein, wie auch pflegende erwerbstätige Angehörige entlastet werden können. Unsere Aufgabe ist es aber auch, Grenzen des Einsatzes von Assistenzsystemen zu identifizieren", unterstreicht Prof. Bleses. Zudem werden in das Projekt Studierende eingebunden, um sie frühzeitig an die Arbeit in einem Forschungsprojekt heranzuführen. 

Steckbrief Projekt EmoRobot: 

"Emotionen stimulierende Assistenzroboter in der Pflege und Betreuung dementiell erkrankter Menschen in der stationären Langzeitpflege" gefördert vom BMBF, im Rahmen der Ausschreibung SILQUA-FH Förderkennzeichen: 03FH006SA3 Laufzeit: 2013-2016. 

Projektleitung 

Prof. Dr. Helma M. Bleses, Hochschule Fulda (Pflegewissenschaft und Klinische Pflege) 

Kooperationspartner 

Hochschule Bonn-Rhein-Sieg: Prof. Dr. Erwin Prassler (Informatik) Technische Universität Dortmund: Prof. Dr. Ronald Hitzler (Soziologie) Fachhochschule St. Gallen: Prof. Dr. Thomas Beer (Pflegewissenschaft) Praxispartner: EVIM – Gemeinnützige Altenhilfe GmbH Wiesbaden 

Kontakt 

Prof. Dr. Helma M. Bleses

Helma.Bleses@hs-fulda.de

www.hs-fulda.de