Ludwig* , 31, arbeitete zum Zeitpunkt dieses Gesprächs bereits vier Jahre freiberuflich für Startup-Firmen, die neue Mitarbeiter suchen.

Ehrlich gesagt versuche ich nicht immer, objektiv zu sein. Wenn mir ein Kandidat total unsympathisch ist, lehne ich ihn vielleicht ab, auch wenn er für die Stelle gepasst hätte. Dann rede ich mir ein, dass er sowieso nicht für die Firma geeignet gewesen wäre. Obwohl ich ihn vielleicht einfach nicht mag und ihm deswegen keine Chance geben will. Wahrscheinlich ist das nicht so, wie man es eigentlich machen sollte. Andererseits denke ich, dass einer, den ich überhaupt nicht mag, bei den Arbeitskollegen wahrscheinlich auch nicht gut ankommen würde.

Wenn Firmen mich beauftragen, passende Mitarbeiter für sie zu finden, führe ich mit den Kandidaten Skype-Interviews. Dabei muss ich nicht nur herausfinden, was die Leute für Qualifikationen haben, sondern auch, was sie für Menschen sind, was hinter der Fassade steckt. Das mache ich, um zu verstehen, ob sie zu der Firma passen, für die ich suche. Dafür muss ich sie aus dem Konzept bringen. Es ist interessant zu sehen, wie die Bewerber reagieren, wenn sie gerade routiniert ihren Lebenslauf erzählen und dann eine überraschende Frage kommt. 

"Was wollten Sie als Kind werden?"

Ich frage zum Beispiel, was ihr schlimmster Arbeitstag war und wie sie damit umgegangen sind. Oder ich frage sie zwei Fragen auf einmal – "Worauf legst du bei deiner Arbeit am meisten Wert und was wolltest du als Kind werden?" – und schaue dann, ob sie beides beantworten, ob sie von einem Thema zum anderen springen können oder ob sie eine Frage vergessen.

Manche Interviewpartner ziehen sich extra einen Anzug für das Skype-Interview an, um einen guten Eindruck zu machen, achten aber überhaupt nicht drauf, vor welchem Hintergrund sie sitzen, zum Beispiel vor einem total vermüllten Zimmer.  Oder vor gruseligen grünen Tapeten mit Hirschgeweihen und ausgestopften Wildtieren. Andere wiederum stellen extra beeindruckende Bücher ins Regal hinter sich, damit ich denke: "Oh, der liest gerade etwas über Extreme Programming! Toller Typ."