Doch auch in Schweden gibt es Lätzchen, die gewaschen werden müssen, Gutenachtgeschichten, die Kinder vorgelesen bekommen wollen, Windpocken, die nur zu Hause auskuriert werden können. Auch in Schweden gibt es Eltern, die sich lieber um ihre Kinder kümmern würden, anstatt den ganzen Tag im Büro zu arbeiten. 

45 Prozent der Schwedinnen wären lieber Vollzeitmütter, statt zu arbeiten. Das ergab vor sechs Jahren eine Umfrage der schwedischen Familienwebsite Familjeliv. Bei den Frauen unter 30 waren es sogar 53 Prozent. In den Medien ist deshalb vom  "Hausfrauentrend" oder auch vom "Tantentrend" die Rede, wenn es darum geht, dass sich gebildete junge Frauen auf einmal lieber wieder häuslich betätigen wollen.

Amanda, die Lehrerin, konnte sich nie vorstellen, Hausfrau zu sein. Nach der Geburt jedes Kindes kehrte sie ein Jahr später wieder in die Schule zurück. "Ich dachte, alle Menschen müssen arbeiten", sagt sie, wie es in Schweden eben üblich sei. Als sie sich vor drei Jahren ein Bein brach und sieben Wochen krankgeschrieben war, stellte sie fest: An der Schule lief es auch ohne sie – und es war schön zu Hause. Sie konnte mit ihren Kindern Hausaufgaben machen, Mittagessen kochen und hatte auch noch Zeit, Zeitung zu lesen. "Dazu bin ich früher nie gekommen", sagt sie.

"Als Hausfrau steht man unter permanentem Rechtfertigungsdruck"
Amanda, 45

Spontan kündigte sie ihren Job. Dass es sich nicht jede Mutter leisten kann, zu Hause zu sein, ist Amanda klar. Aber sie habe auch Freundinnen, die es sich leisten könnten, aber trotzdem arbeiten. "Ihnen geht es wie mir damals, sie sehen keine Alternative", sagt sie. "Außerdem steht man als Hausfrau unter permanentem Rechtfertigungsdruck." Wenn sie vormittags mit ihrem Sohn einkaufen gehe, werde sie schräg angeschaut. Wenn sie nachmittags auf dem Spielplatz seien, vermisse ihr Sohn seine Freunde. "Die sind dann ja alle noch im Kindergarten." Und in den Sommerferien langweilten sich ihre Kinder, weil die anderen den Tag im Freizeitheim verbringen. "Dort bekommt man aber nur einen Platz, wenn beide Eltern arbeiten."

Amanda weiß, dass sie auf hohem Niveau klagt. Doch wenn Hausfrauen in Foren, Blogs und Facebook-Gruppen wie Hemmaföräldrars nätverk (Netzwerk der Haus-Eltern) von ihrem Lebensstil berichten, geht es um mehr als um Luxussorgen. Es geht um Fragen wie: Darf ich es genießen, Hausfrau zu sein? Darf ich mir wünschen, Hausfrau zu werden? Und wie kann ich diesen Wunsch in die Tat umsetzen?

So erzählt eine Schwedin auf Kvinna iFokus: "Große Augen sahen mich überrascht an, als ich leise in einem Café sagte: Wenn das Einkommen meines Mannes reichen würde, hätte ich nichts dagegen, Hausfrau zu werden. Hatte ich etwas Falsches gesagt?" Eine Userin des Forums von familjeliv schreibt: "Tief im Herzen habe ich den Wunsch, mit meinen Kindern in Vollzeit zu Hause zu sein." Und fragt: "Gibt es noch andere, die im Jahr 2017 in diese Richtung denken? Ich fühle mich unter Druck, mich anzupassen als moderne, starke Frau mit einer Karriere – während ich im Innersten lieber eine Hausfrau im Stil der fünfziger Jahre wäre."