Die Sehnsucht der Schwedinnen nach dem Hausfrauendasein könnte erklären, warum für so viele von ihnen Svenska Hollywoodfruar (Schwedische Hollywoodfrauen) die Lieblingsserie ist. So heißt eine beliebte Reality-Soap, die schwedische Frauen begleitet, die reiche Amerikaner geheiratet haben und fortan ein unbekümmertes Leben führen. Eine typische Szene: Eine blonde Frau rückt rosafarbene Kissen zurecht, zeigt auf Barbiepuppen, glitzernde Disneyfiguren und Spiegel über dem Kinderbett. Sie sagt: "Das ist unser Prinzessinnenzimmer!" Die Frauen in der Serie haben keinen eigenen Job, aber Prinzessinnenzimmer, Schoßhündchen, teure Klamotten und schnelle Autos. Die Zuschauer sind größtenteils Frauen zwischen 25 und 44 Jahren, die  elfte Staffel läuft derzeit.

Auch die schwedische Autorin Kristina Sandberg verdankt ihren Erfolg womöglich der Sehnsucht danach, nicht arbeiten zu müssen. In ihrer vor drei Jahren mit dem Roman Leben um jeden Preis beendeten Trilogie geht es um die Hausfrau Maj. Das Interessante: Das Leben der Protagonistin ist nicht schillernd wie das der Svenska Hollywoodfruar. Ihr Alltag ist trist und monoton, er besteht aus wenig mehr als Kochen, Putzen, Flicken; ihr Mann ist Alkoholiker und untreu, es gibt finanzielle Sorgen. Doch Leser wie Kritiker lieben den Roman, der mit dem August-Preis 2014 den renommiertesten schwedischen Literaturpreis gewann. Die fast schon ausgestorbene Spezies Hausfrau, die Sandberg hier skizziert: Für viele junge Mütter Schwedens ist das die Utopie.

Das Problem liegt woanders

Was bedeutet das für Deutschland, wo hierzulande einiges unternommen wird, damit Mütter mehr arbeiten können? Taugt Schweden nicht als Vorbild?

Das Problem liegt in Deutschland woanders: Mit Elternzeit, Elterngeld, ElterngeldPlus, Partnerschaftsbonus, Recht auf Teilzeit und Kündigungsschutz in der Elternzeit gibt es zwar Unterstützung, Förderung und Sicherheitsnetze für Familien, und im Gegensatz zu Schweden auch individuelle Alternativen. Doch die Angebote für mehr Vereinbarkeit werden fast ausschließlich von Frauen genutzt. Dabei wünschen sich die meisten Paare hierzulande, dass sie sich die Arbeit zu Hause teilen. Das zeigte zuletzt der Väterreport 2016.

Gelebt wird ein solches Modell von lediglich 14 Prozent der Paare. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin kommt zehn Jahre nach Einführung des Elterngeldes zum Ergebnis, dass der Anteil der Väter, die Elternzeit nehmen, von weniger als drei Prozent vor 2007 auf 2017 über 34 Prozent gestiegen ist. Allerdings beschränkt ein Großteil der Männer die Elternzeit auf zwei Monate. So ist es wiederum auch in Schweden – auch wenn dort deutlich mehr Väter in Elternzeit gehen als in Deutschland.

Doch beim Thema Vereinbarkeit geht es nicht nur um die Elternzeit. Es geht um die Verteilung von Arbeit und Familie. Und da wünschen sich deutschen und die schwedischen Eltern das Gleiche: mehr Zeit für beides. Sie wollen arbeiten und Zeit für die Familie haben.