Ein Grundeinkommen hingegen gibt mir Sicherheit – und damit die Freiheit, zu allem "Nein" sagen zu können: zum Job, zur Ehe mit dem Alleinverdiener, zum Notendruck in der Schule. Wenn ich aber "Nein" sagen kann, dann bekommt das "Ja" eine ganz neue Qualität.

So berichten viele Gewinner unseres Projekts, dass sie ihren Job durch das Grundeinkommen neu lieben gelernt haben, produktiver geworden sind und dabei weniger Stress hatten. Wenn ich nicht mehr muss, dann kann sich die intrinsische Motivation plötzlich entfalten.

Nach ihrem Jahr mit Grundeinkommen stehen selbstbewusste, reflektierte und gesunde Menschen vor mir, die umsichtig mit anderen umgehen und Kraft und Lust haben, etwas Sinnvolles auf die Beine zu stellen. Die Gemeinschaft hat ihnen einen Vertrauensvorschuss ausgezahlt und sie haben ihn in Selbstvertrauen umgewandelt.

Ein Paradigmenwechsel: Vertrauen statt Angst

Diese Erfahrungen machen das Grundeinkommen für mich zu einem der wenigen Hoffnungsschimmer. Wir leben in einer hyperkomplexen Welt mit gigantischen Herausforderungen wie dem drohenden Klimakollaps, der sozialen Spaltung und der Digitalisierung, die unser Menschsein an sich in Frage stellen könnte. Gleichzeitig werden  die Institutionen schwächer, die sich bisher immer um solche großen Fragen gekümmert haben: Nationalstaaten, Parteien, Sozialbehörden, Gewerkschaften.

Das Grundeinkommen setzt deshalb den Hebel zur Weltveränderung an einer neuen Stelle an: im Innern, beim Gefühl jedes Einzelnen. Es entfesselt damit unsere Kräfte und Fähigkeiten, die wir brauchen, um mit der neuen Welt umzugehen. Arbeit, Bildung, Konsum, Gesundheit, Familie, Staat, Liebe, Erziehung – eigentlich alles wird sich mit einem Grundeinkommen automatisch verändern.

Doch obwohl dieses Instrument so mächtig ist, kommt es ganz charmant daher. Das Grundeinkommen ist keine Revolution, denn die sind immer blutig und am Ende regiert nur eine andere Elite. Trotzdem ist es revolutionär, weil es am Wesenskern unseres Gesellschaftssystems ansetzt und die Angst durch Vertrauen ersetzt.

Ich will in dieser Gesellschaft leben! Mir macht es Spaß, zu vertrauen und zu sehen, dass es funktioniert. Wenn Sie das auch wollen, dann lade ich Sie ein, sich selbst die Frage zu stellen: Was würde passieren, wenn ich plötzlich ein Grundeinkommen hätte?

Z2X17 - Was passiert, wenn man Menschen bedingungslos Geld gibt? Joe Huston hat mit seiner Organisation 1000 Euro Grundeinkommen an Menschen in Südafrika überwiesen. Auf dem Z2X17-Festival erzählt er in fünf Minuten, was diese daraus gemacht haben. © Foto: ZEIT ONLINE