Carl Jakob Haupt sagt im Podcast: "Ein fester Arbeitsalltag ist für mich der größte Horror." © Maximilian Motel

"Ich wollte eigentlich Punkrock-Musiker werden", sagt Carl Jakob Haupt, der gemeinsam mit David Kurt Karl Roth das ebenso krawallige wie humorvolle Modeblog Dandy Diary betreibt. "Schon als ich mit zehn Jahren meine erste Gitarre bekommen habe." Im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit erzählt der 32-Jährige, dass sein Modeblog Dandy Diary mit seinen Provokationen und Partys, seinem Do-it-yourself-Ethos und seiner aufmüpfigen Attitüde letztlich ja auch so etwas wie eine Punkband unter den Modeblogs sei: "Ich mache Punkrock, nur ohne Gitarre."

Dandy Diary war das erste Blog in Deutschland, das sich mit Männermode beschäftigte. Die Idee: Haupt, der aus einer Pfarrersfamilie stammt und Politikwissenschaften studiert hat, und der Modejournalist David Roth fotografieren sich und ihre Freunde, wenn sie in Berlin ausgehen. Dazu schreiben sie nicht nur über Mode, sondern auch über Bars und Clubs in Kreuzberg und Neukölln. In den vergangenen Jahren machten die Gründer, die sich seit Schulzeiten aus Kassel kennen, immer wieder mit spektakulären Partys und Happenings auf sich aufmerksam. Unter anderem inszenierten sie einen Modeporno, schickten einen nackten Flitzer über eine Mailänder Modeschau und druckten einen rassistischen Pullover aus der aktuellen Kollektion von H&M in Eigenregie nach.

"Ärger ist das Schönste", sagt Carl Jakob Haupt über die oft wütenden Reaktionen der Großkonzerne und ihrer Rechtsabteilungen. Sonderlich unter Druck setzt sich Haupt dennoch nicht, erzählt er. Wichtigstes Ziel von David Roth und ihm sei, möglichst wenig zu arbeiten. Und: "Die härtesten Angriffe sind im Bett entstanden." Eine Idee für die nächste Dandy Diary-Aktion hat Haupt ebenfalls schon: Um das Comeback des veganen Dandy Diary-Imbiss "Dandy Diner" zu bewerben, wolle er Til Schweiger mit einem Wurstfahrrad umfahren, wie er sagt.

Generell, erzählt Haupt im Podcast-Interview, finde er Modeschauen wahnsinnig trist und schaue sich Kleidung lieber auf Instagram an. Und er gibt freimütig zu, dass er sich nur bedingt für Mode interessiert: "Eigentlich ist Mode ein Quatschthema", sagt Haupt. Aber das Blog, das nun mal seinen Schwerpunkt im Schreiben über Mode habe, sei als Arbeitsplatz attraktiver als jede Redaktion oder Agentur. "Es ist immer noch besser, als morgens um neun Uhr schlecht gelaunt am Schreibtisch sitzen zu müssen", sagt Haupt. Und: "Ein fester Arbeitsalltag ist für mich der größte Horror."

Das Konzept unseres Podcasts Frisch an die Arbeit fußt auf dem berühmten Fragebogen von Max Frisch – wir haben ihn umgeschrieben und an die Arbeitswelt angepasst. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können den Fragebogen zum Podcast hier auch selbst ausfüllen.