Kida Ramadan verdiente sein erstes Geld, indem er sich als Parkwächter ausgab – und 50 Pfennig von Autofahrern verlangte. Heute ist er einer der gefragtesten Schauspieler, wenn es darum geht, Gangster zu spielen. © Isa Foltin/Getty Images

"Ich will den Leuten zeigen, dass ich der Beste bin", sagt der Schauspieler Kida Khodr Ramadan im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit. Der 41-Jährige, der gerade mit dem Film Nur Gott kann mich richten in den Kinos ist, hat in den vergangenen Jahren alles dafür getan, im Gespräch zu bleiben. "Ich bin auf viele Festivals gegangen und habe den Regisseuren gesagt, was für krasse Arbeit die gemacht haben, obwohl der Film scheiße war." Wenn er keine Einladung hatte, sei er bei Partys durch die Küche reingeklettert. Das alles, um ein paar Drehtage zu bekommen. Heute hat Kida Ramadan das nicht mehr nötig. "Zu Festivals gehe ich nur noch, wenn da ein Film von mir läuft", sagt er im Podcast.

"Ich hatte finanziell eine harte Zeit als Kind."
Kida Ramadan

Ramadan wuchs in Berlin-Kreuzberg auf, nachdem seine Eltern mit ihm und seinen vier Geschwistern aus dem Libanon vor dem Bürgerkrieg geflohen waren. Über seine Kindheit erzählt Ramadan: "Ich hatte finanziell eine harte Zeit als Kind." Seine ersten Schuhe bekam er vom Roten Kreuz. Wenn die Klassenkameraden ins Schullandheim fuhren, blieb er zu Hause. Seine Freunde, die ähnlich arm waren, begannen, in Geschäfte einzubrechen. Doch Ramadan entschied sich fürs Boulespielen. "Boule hat mich von der Kriminalität abgehalten. Statt abends mit meinen Homies Einbrüche zu machen, bin ich alleine auf den Platz." Im Podcast sagt er: "Ich hätte meinen Eltern nicht antun können, dass ich kriminell werde."

Als er zur Schule ging, verdiente er sein erstes Geld, indem er sich auf dem Parkplatz von Hertha BSC als Parkwächter ausgab und 50 Pfennig von Autofahrern verlangte. Gemeinsam mit seinen türkischen Freunden tanzte er später auf dem Kurfürstendamm Breakdance für Touristen. Allerdings gaben sie sich dafür als Südamerikaner aus: "Wir haben gedacht, das ist besser, als wenn wir sagen, wir sind Araber und Türken." Er brach die Schule ab, arbeitete im argentinischen Steakhaus seines Vaters, in dem er sich ebenfalls als Südamerikaner Pablo ausgab, und landete schließlich beim Film. Dazu sagt er: "Ich wollte gar nicht Schauspieler werden. Ich wollte in einem Raum stehen und groß sein. Ich wollte immer ein Angeber sein."

"Jeder Gangster hat seinen eigenen Charakter."

Im Film spielt Ramadan meistens Verbrecher oder Drogenbosse. Er sagt: "Wenn es in Deutschland einen Gangster zu besetzen gibt, rufen die als erstes bei mir an." Er könne diese Rollen aber nicht, wie viele Menschen dächten, aus dem Ärmel schütteln, sondern würde viel recherchieren. Denn: "Jeder Gangster hat seinen eigenen Charakter." Für seine Rolle des Toni Hamady, dem Oberhaupt einer kriminellen Familie aus Berlin-Neukölln in der Serie 4 Blocks, habe er wochenlang Ganovenfilme geschaut: Good Fellas, Der Pate 1–3, Casino. 

Derzeit habe er viele Rollenangebote aus dem Ausland. "Aber ich weiß nicht, ob ich im Ausland arbeiten soll, wenn es hier doch gerade klappt." Außerdem möchte er wieder mehr Zeit mit seiner Frau und den fünf Kindern verbringen. Seit drei Jahren könnten er und die Familie gut von seinem Beruf leben. "Mir ist wichtig, dass ich den Kühlschrank vollkriege, dass meine Kinder im Winter feste Schuhe haben und dass meine Frau einmal im Jahr mit mir in den Urlaub fahren kann." Abgesehen davon sei ihm Geld egal. "Ich selbst habe mir noch nie etwas geleistet. Mir reicht es, wenn ich am Ende des Monats 500 Euro für mich habe – und für meine Zigaretten." Denn: "Am Ende des Tages gehen wir alle in einen Sarg, daher: Ich scheiß auf Geld."

Das Konzept unseres Podcasts "Frisch an die Arbeit" fußt auf dem berühmten Fragebogen von Max Frisch – wir haben ihn umgeschrieben und an die Arbeitswelt angepasst. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können den Fragebogen zum Podcast hier auch selbst ausfüllen