In der Serie "Kontoauszug" stellen wir regelmäßig Menschen vor, die erzählen, wie viel sie verdienen, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wie viel sie monatlich auf die Seite legen.

Mein Job

Beruf: Mit 26 Jahren bin ich für eine Teilzeitstelle als Kirchenmusiker von Berlin in die Schweiz nach Zug gezogen. Dort habe ich mich zwölf Jahre lang von Teilzeitstelle zu Teilzeitstelle hochgearbeitet und leite seit nun drei Jahren hauptberuflich drei Chöre in St. Gallen, Wollerau und in Höfe am Zürichsee. Angestellt bin ich von den jeweiligen Kirchengemeinden. Etwa zehn Mal im Jahr gebe ich außerdem Konzerte als Sänger oder Organist. Es war nicht immer so, dass ich von meiner Musik leben konnte. Als ich in die Schweiz zog, hatte mich von den hohen Gehältern blenden lassen. Als damals die ersten Rechnungen kamen und ich sah, wie teuer die Lebenshaltungskosten in der Schweiz sind, habe ich mich ziemlich erschrocken.

Ausbildung: Ich habe in Berlin und Köln Kirchenmusik in den Fächern Orgel und Chorleitung studiert. Danach habe ich mich vor allem im Gesang und im Dirigat weitergebildet. Ich habe früh gemerkt, dass ich mich als Musiker breit aufstellen und dann meine Nische finden muss. Deswegen habe ich mich unter anderem zum Countertenor ausbilden lassen. Ich habe dafür gelernt, sehr hohe Töne in der Kopfstimme singen zu können, was nur sehr wenige Männer können.

Wöchentliche Arbeitszeit: Insgesamt arbeite ich 43,5 Stunden in der Woche. Meine Arbeit orientiert sich jedoch sehr stark am Kirchenjahr. Kirchliche Feiertage wie Pfingsten oder Ostern sind sehr stressig. Allen voran natürlich Weihnachten. Ich habe noch nie einen Dezember erlebt, in dem ich nach Weihnachten nicht krank im Bett lag, weil ich zu viel Zeit in kalten Kirchen verbracht hatte.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: 6.300 Euro.

Nettoeinkommen: Von meinem Gehalt werden in der Schweiz die Sozialversicherungsbeiträge direkt abgezogen. Das sind Altersvorsorge, die Arbeitslosenversicherung, die Unfallversicherung und die Pensionskasse. Am Ende bleiben mir 5.175 Euro.

Sonstige Einnahmen: Etwa einmal im Monat gebe ich als freiberuflicher Dirigent oder Sänger zusätzlich Konzerte. Meistens bewegen sich die Gagen für diese Vorstellungen im oberen dreistelligen Bereich. So habe ich neben meinem Job noch die Möglichkeit, zusätzlich ein bisschen Geld zu verdienen. Ich habe die Tätigkeit jedoch bewusst auf maximal ein Konzert im Monat eingeschränkt, damit ich mich auf meine Arbeit als Chorleiter konzentrieren kann. 

Meine Ausgaben

Miete: Ich wohne in Wallisellen, einer Stadt im Kanton Zürich. Dort lebe ich alleine in einer Zweizimmerwohnung, die mich monatlich 1.810 Euro kostet. Die Miete ist normal für eine Wohnung in dieser Größe in Wallisellen. Da die Stadt nahe an Zürich liegt, sind die Mieten eher hoch.

Lebensmittel: Für meine Ernährung gebe ich mindestens 430 Euro im Monat aus. Ab und zu fahre ich über die Grenze nach Konstanz, um dort einzukaufen, und so ein bisschen zu Geld zu sparen, aber dafür finde ich nicht immer die Zeit. Auswärts essen gehe ich nur im Ausland oder wenn mich jemand dazu einlädt.

Kleidung:
Ich kaufe nicht oft neue Kleidung. Deswegen gebe ich maximal 1.200 Euro im Jahr für meine Garderobe aus.

Körperpflege: Mit 260 Euro im Jahr komme ich, wenn es um Shampoo, Cremes und Zahnpasta geht, locker über die Runden. Zum Friseur gehe ich immer, wenn ich in Berlin zu Besuch bin. Da kostet mich ein Haarschnitt 15 Euro anstatt der 80 Euro, die in in der Schweiz dafür bezahlen würde.

Freizeit: Musiker haben keine Hobbys, ihr Hobby ist die Musik. In meiner Freizeit treffe ich mich deswegen sehr oft mit Freunden. Im Monat gebe ich etwa 170 Euro aus, um mal mit jemandem was trinken oder ins Kino zu gehen.

Sprit: Ich bin für meine Arbeit sehr viel mit dem Auto unterwegs, da die Städte, in denen ich meine Chöre unterrichte, etwa eineinhalb Stunden voneinander entfernt liegen. Hinzu kommt, dass die Proben und Konzerte abends oder am Sonntagmorgen stattfinden. Also dann, wenn die Verbindungen im öffentlichen Verkehr eher schlecht sind. Aus diesem Grund leiste ich mir ein Auto, für das ich monatlich etwa 430 Euro an Benzinkosten ausgebe.

Netflix: 15 Euro im Monat

Handy und Internet: Ich habe ein Dreierabo, das Internet, Mobil- und Festnetz beinhaltet und mich monatlich 200 Euro kostet.

Versicherung: Die Krankenkasse kostet mich mit 430 Euro monatlich. Hinzu kommen noch etwa 215 Euro für meine Hausrats-, Auto-, Rechtsschutz- und Lebensversicherung.

Kredit: Seit drei Jahren bezahle ich einem befreundeten Schweizer Paar aus Berlin meinen Studienkredit ab. Die beiden habe ich kennengelernt, als ich noch ganz jung war. Der Mann war Pfarrer und ich Organist. Da passiert es schnell, dass man sich anfreundet. Sie wollten mein musikalisches Talent fördern, weswegen sie mir einen Kredit von damals 50.000 D-Mark liehen. Als ich vor drei Jahren endlich Vollzeit arbeitete, begann ich das Geld zurückzuzahlen. Heute fehlen noch etwa 25.000 Euro, von denen ich jeden Monat 740 Euro abzahle.

Altersvorsorge: Ich bin in der Schweiz durch die obligatorischen Rentenversicherungen der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) und der Pensionskasse (PK) abgesichert. Dafür zahle ich jeden Monat 430 Euro an die AHV und 390 Euro in die PK ein. Die Beiträge werden direkt von meinem Gehalt abgezogen, wobei mein Arbeitgeber die Hälfte der Beiträge mitfinanziert. Mit dem Geld aus der AHV und der Pensionskasse werde ich auf eine Rente von etwa 3.450 Euro im Monat kommen. In der Schweiz reicht das nicht zum Leben aus, weswegen ich vorhabe, wieder zurück nach Strausberg zu ziehen. Dort kann ich mit einer Schweizer Rente anständig leben. Sobald ich meinen Studienkredit abbezahlt habe, möchte ich zusätzlich einen Teil meines Verdienstes in eine private Altersvorsorge stecken.

Verreisen: In meinem ganzen Leben war ich nur fünf Mal im Urlaub. Ich verbringe jedoch sehr viel Zeit in Berlin, da dort meine Familie und Freunde leben. Mir gefällt es in der Schweiz, ich fühle mich aber in Deutschland zu Hause. Aus diesem Grund fliege ich auch jeden zweiten Monat in die Heimat, im Sommer sogar öfter. Ein Flug von Zürich nach Berlin kostet mich dann zwischen 85 und 100 Euro.

So viel bleibt am Ende übrig

Je nachdem bleiben etwa 350 Euro übrig. Manchmal mehr, manchmal weniger. Das Geld brauche ich jedoch nicht für die Erfüllung meiner Träume, sondern um mich abzusichern, falls mal etwas passiert. Nur schon ein Zahnarztbesuch oder ein Schaden an meinem Auto kann mich finanziell aus der Bahn werfen.