Die hohen Wände, frisch geweißelt. Der Hall in den Räumen. Der dunkle Boden, der noch intensiv nach Linoleum riecht: In der Zentrale des Urban Sports Club erinnert vieles an eine neue Turnhalle. Im Gang liegt einsam ein schwarzer Sitzsack, in den Büros gibt es außer Tischen und Stühlen noch kein Mobiliar, die Umzugskisten stehen unausgepackt in den Ecken. Es ist alles noch ein bisschen provisorisch. Aber hier im Berliner Stadtteil Moabit hat der Urban Sports Club endlich Platz: mehr als 700 Quadratmeter. Das war den beiden Gründern Moritz Kreppel und Benjamin Roth wichtig. Denn ihr Unternehmen soll weiter wachsen.

Moritz Kreppel trägt Jeans, Pullover und makellos weiße Sneaker. Er ist ein bisschen im Stress, hört aufmerksam zu, spricht schnell. Es gibt viel zu tun, wie immer eigentlich. Seit 2012 rüttelt das Unternehmen an dem starren Gerüst der Fitnessbranche: Es gibt Sportvereine, denen man beitreten muss, und Fitnessstudios, mit denen man Jahresverträge abschließt. Aber was macht man, wenn man mehr Auswahl möchte, als es bei einem Anbieter gibt – oder sich nicht langfristig binden will? Wenn man montags Volleyball spielen, mittwochs zum Yoga und am Wochenende in die Sauna gehen will?

Ein Mitglied kann bei 1.700 Anbietern in 18 Städten Sport machen

Moritz Kreppel und Benjamin Roth haben für dieses Publikum eine Art monatlich beziehungsweise dreimonatig kündbare Sportflatrate entwickelt. Ihr Geschäftsmodell: Sie schließen Kooperationen mit unterschiedlichen Studios. Die Kunden und Kundinnen schließen einen Vertrag mit dem Urban Sports Club und können jeden Tag aufs Neue entscheiden, zu welchem der Partnerstudios sie gehen. Nur die Zahl der Besuche pro Studio ist je nach Tarif – es gibt S-, M- und L-Pakete – gedeckelt.

Vier Konkurrenten mit einem ähnlichen Konzept hat der Urban Sports Club bisher aufgekauft. Die letzte Fusion mit Fitrate zu Beginn des Jahres bedeute ein größeres Angebot in Süddeutschland, sagt Kreppel. Das Geld dafür kommt von Investoren, die 2017 eine Millionensumme in das Start-up steckten. Das macht die Expansion erst möglich. Zu den Investoren zählt unter anderem auch Holtzbrinck Ventures.

1.700 Sportanbieter in 18 deutschen Städten sind inzwischen Partner des Fitnessunternehmens. Der Urban Sports Club ist eine Plattform, er baut eine neue Infrastruktur für eine schon bestehende Sport- und Freizeitlandschaft. Kreppel nennt es einen Aggregator. "Wir sprechen die Studios an und verhandeln einen Rahmenvertrag auf Studiobasis", erklärt Kreppel. Wie viel ein Studio pro Kunde bekommt, hänge von dem Sportangebot des Studios ab: Für eine Stunde beim Personal Trainer werde mehr abgerechnet als für eine Stunde Zumba in der Gruppe.

Die Frage ist nur: Was bedeutet dieses Modell für die Studios, in denen nun die Mitglieder des Urban Sports Club trainieren? Rechnet sich es für die Betreiber – auch wenn ein weiteres Unternehmen mitverdient?