In der Serie "Kontoauszug" stellen wir regelmäßig Menschen vor, die erzählen, wie viel sie verdienen, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wie viel sie monatlich auf die Seite legen.

Mein Job

Beruf: Ich arbeite als Travestie-Künstler. Damit meine ich alle Jobs, für die ich einen Fummel trage. Meine Figur heißt Jurassica Parka. Ich bin oft im queeren Berliner Club SchwuZ. Da richte ich zum Beispiel die Popkicker aus, eine Party-Reihe, in der die Leute nicht nur tanzen, sondern auch Kicker spielen können. Ich plane den Abend, buche die Künstler, organisiere die Drag-Show, lege auf und moderiere. Als YouTuberin habe ich außerdem eine Serie, die sich Attraktiv – Das Starmagazin nennt. Darin bespreche ich aktuelle Themen, lasse Leute aus der queeren und der Travestie-Szene zu Wort kommen – oder gebe Beautytipps. Ist natürlich immer alles mit viel Humor. Und ich arbeite als Autorin für die Siegessäule, das ist das queere Berliner Stadtmagazin. Zwischendurch erledige ich noch kleine Arbeiten als Grafiker für das L-Mag, ein lesbisches Magazin.

"Ich war oft auf Schwulenpartys, habe Drag Queens erlebt, die aufgelegt haben und von allen angehimmelt wurden. Das wollte ich auch."
Mario, 38

Ausbildung: Nach dem Abitur habe ich Kommunikationsdesign studiert und danach fünf Jahre als Grafiker gearbeitet. In der Zeit habe ich auch das Berliner Nachtleben kennengelernt. Ich war oft auf Schwulenpartys, habe Drag Queens erlebt, die aufgelegt haben und von allen angehimmelt wurden. Das wollte ich auch. Ich habe mir dann erste Schuhe und Perücken gekauft und bin mit denen einfach mal ausgegangen. Vor allem ins SchwuZ, wo ich vorher öfter am Freischnapstresen gestanden und fiesen Fusel ausgeteilt habe. Dort habe ich meinen ersten Job als DJane bekommen. Das war 2005. Von da an habe ich neben meinem Beruf als Travestie-Künstler gearbeitet. Selbstständig als Unterhalterin bin ich seit 2008. Make-up, Moderation, Auflegen, das habe ich mir alles selbst beigebracht. Anfangs sah ich furchtbar aus, habe schrecklich moderiert, wurde ausgebuht. Ich bin oft auf die Schnauze gefallen, aber jetzt stehe ich gerade. Mit High Heels an den Füßen.

Wöchentliche Arbeitszeit: Das schwankt sehr. Als selbstständiger Künstler hat man selten frei. Ich denke ständig über neue Projekte nach, bereite meine Auftritte vor, arbeite an Kostümen. Dann kommt natürlich noch das Aufrüschen vor jedem Auftritt dazu. Jurassica Parka zu werden, dauert eine Stunde, wenn es schnell gehen muss. Aber ich nehme mir lieber mehr Zeit für Make-up, Perücke und Kostüm. Am Wochenende habe ich die meisten Veranstaltungen. In der Woche sitze ich oft am PC, arbeite an Videos oder meinen Social-Media-Auftritten. Damit komme ich mindestens auf 40 Stunden in der Woche. Vor Kurzem gab es eine Phase, da waren es 60 Stunden und mehr. Allerdings nehme ich mir danach auch mal vier oder fünf Tage frei. Dann gammle ich nur rum, schaue Fernsehen mit meinem Mann. Natürlich ohne Fummel und Schminke. Eher ziemlich langweilig: Jeans und Shirt. Wenn ich privat bin, lege ich nicht viel Wert auf meine Kleidung.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: Das schwankt genauso wie die wöchentliche Arbeitszeit. Im Durchschnitt sind es 3.500 Euro.

Nettoeinkommen: Rund 2.300 Euro. Manchmal viel mehr, manchmal viel weniger.

Meine Ausgaben

Miete: Ich wohne mit meinem Lebenspartner zusammen auf 100 Quadratmetern in Berlin-Tiergarten, wir teilen uns die Miete. Insgesamt sind es 1.000 Euro warm. Zusätzlich habe ich noch ein Büro, das 250 Euro im Monat kostet.

Lebensmittel: Ich koche sehr gerne, gebe also bestimmt für uns beide zusammen 400 Euro im Monat für Lebensmittel aus – auch wenn ich gerne preiswert kaufe. Essen gehe ich fast nie. Wenn auswärts, dann mal einen Döner oder zum Thai-Imbiss.

Transportmittel: Ich habe eine BVG-Monatskarte, für die zahle ich 59 Euro im Monat. Um ins Büro und zu den verschiedenen Gigs in Berlin zu kommen, brauche ich die. Ich kann mit dem Ticket aber erst nach 10 Uhr morgens fahren. Wir haben ein Auto, das hat mein Mann in die Ehe gebracht. Oft bringt er mich zu Events, um Taxi-Kosten zu sparen. Die waren mal wirklich horrend hoch. Heute zahle ich noch 30 bis 40 Euro im Monat fürs Taxi. Das Auto zahlt mein Mann.

Versicherungen: Private Krankenversicherungen, Haftpflicht, Hausratsversicherung. Die Krankenkasse bekommt 360 Euro im Monat von mir. Für die restlichen Versicherungen gebe ich gut 20 Euro im Monat aus. Leider kann ich nicht in die Künstlersozialkasse eintreten. Dafür bin ich zu oft DJane und zu selten Moderatorin. Die haben da sehr strikte Auflagen. Sobald sich das Verhältnis ändert, werde ich wechseln. Das kostet ja viel weniger.

Hund: Unser Hund bekommt nur Futter. Keine Schühchen, Schleifchen oder ähnlichen Blödsinn. Dafür geben wir wohl so 40 Euro im Monat aus. Die Hundeversicherung kostet etwa 20 Euro im Jahr.

Telefon, Internet, Internetpräsenz: 80 Euro im Monat gehen für Internet, Telefon und Mobilfunk drauf. Für meine Webpage zahle ich 80 Euro im Jahr.

"Ich habe ungefähr 15 Paar Schuhe. Gar nicht so viel. Dafür habe ich bestimmt 30 Perücken. Nicht alle benutze ich, aber ich kann mich so schwer von den Haaren trennen."
Mario

Kleidung: Als Privatperson hasse ich shoppen. Ich kaufe vielleicht zweimal im Jahr neue T-Shirts und neue Hosen. Jurassica Parka braucht häufiger neue Kleidung. Wir schauen immer nach Schnäppchen. Im Monat kommen wir auf 70 bis 100 Euro. Für Jurassica habe ich einen extra Raum in der Wohnung. In diesem Raum sind die Kleidung, die Schuhe, ein Schminkbereich, eine Perücken-Ecke. Ich habe ungefähr 15 Paar Schuhe. Gar nicht so viel. Dafür habe ich bestimmt 30 Perücken. Nicht alle benutze ich, aber ich kann mich so schwer von den Haaren trennen. Die Perücken, die ich oft benutze, hängen an Haken oder sind auf Styropor-Köpfen ausgestellt.

Körperpflege: Für mich Duschgel, Zahnpasta und Deo. Jurassica frisst mehr vom Budget. Sie hat einen hohen Haarspray-Verbrauch und braucht viel Make-up. Deshalb gehen 50 Euro im Monat für Schminke drauf. Außerdem brauch Jurassica Perücken und Wimpern. Die Haare bestelle ich mir vor allem im Internet. Auch wenn die manchmal scheußlich aussehen, wenn die ankommen. Pro Jahr gebe ich bestimmt 500 Euro für Perücken aus. Pro Monat dann nochmal 14 Euro für Wimpern.

"Ich habe privat nicht mehr den Drang, dauernd unterwegs zu sein."
Mario

Freizeit: Ich habe keine Hobbys, die Geld kosten. Ich bin gerne mit meinem Hund draußen. Selbst in die Kneipe gehe ich kaum. Das war früher anders, aber heute genieße ich es, zu Hause zu sein. Privat bin ich sehr glücklich, also habe ich auch nicht mehr den Drang, andauernd unterwegs zu sein. Das mache ich ja sowieso schon wegen meines Berufs.

Reisen: Wir fahren einmal im Jahr in den Urlaub. Nach Gran Canaria, im Winter. Bald ist es wieder soweit. Dafür muss also unbedingt Geld da sein. Ich spare das gesamte Jahr über auf diesen Urlaub.

So viel bleibt am Ende übrig:

Es bleibt überhaupt endlich mal etwas übrig! Das war aber ein langer Weg. Ich konnte einfache nie gut mit Geld umgehen. Doch inzwischen kann ich auch mal was zur Seite legen. Das wird auch von Jahr zu Jahr besser. Durch mehr Erfahrung mit Geld, aber auch durch meine sporadische Arbeit als Autorin und Grafiker. 150 Euro im Monat lege ich von meinem Travestie-Geld zur Seite. Altersvorsorge… Naja, damit sollte ich wohl langsam mal anfangen.