In der Serie "Kontoauszug" stellen wir regelmäßig Menschen vor, die erzählen, wie viel sie verdienen, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wie viel sie monatlich auf die Seite legen. Hier berichtet Luis*, 23 Jahre:

Mein Job

Beruf: Ich arbeite als Kundenbetreuer bei einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft im Rhein-Main-Gebiet. Für etwa 950 Wohnungen regle ich alles rund um das Mietverhältnis: Ich setze Verträge auf, eröffne Mahnverfahren, wenn einer mit der Miete im Rückstand ist, organisiere Ratenzahlung für Betriebskosten und vermittle auch mal, wenn sich Nachbarn streiten. Das Einzige, um das ich mich nicht kümmere, sind Reparaturarbeiten. Meistens mache ich meine Arbeit gerne, vor allem, weil ich mich sehr gut mit meinen Kollegen verstehe. Es gibt nur wenige unangenehme Termine, wie zum Beispiel Zwangsräumungen. Ich habe auch das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, weil wir ein kommunales Unternehmen sind, das auch Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen bezahlbare Wohnungen zur Verfügung stellt.

Ausbildung: Nach dem Abi habe ich ein Semester Soziologie und Philosophie studiert, aber das war mir zu theoretisch. Deshalb war für mich schnell klar, dass eine Ausbildung besser zu mir passt. Ich habe Immobilienkaufmann gelernt und wurde nach meinem Abschluss Anfang 2017 übernommen.

"Ich will entspannter drauf sein und mehr Zeit für Freunde haben."
Luis*, 23

Wöchentliche Arbeitszeit: In meinem Vertrag stehen 39 Stunden. Meistens sind es am Ende der Woche ein, zwei Stunden mehr, aber da ich mich ein- und aussteche, baue ich die Überstunden bei Gelegenheit wieder ab. Demnächst will ich auf 32 Stunden reduzieren, um mehr Freizeit zu haben. Besonders im Winter finde ich es frustrierend, im Dunkeln ins Büro zu gehen und im Dunkeln wieder nach Hause zu kommen. Ich will entspannter drauf sein und mehr Zeit für Freunde haben. Ich will noch mehr lesen, mehr selbst kochen, auch mal auf dem Markt einkaufen und häufiger Freunde besuchen, die nicht in meiner Stadt wohnen. Ich habe einen Rechtsanspruch, meine Arbeitszeit zu reduzieren, mein Chef hatte aber auch Verständnis.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: 2.971 Euro.

Nettoeinkommen: 1.871 Euro. Wenn ich auf 32 Stunden reduziert habe, werden es 1.600 Euro sein. Dazu kommt ein Weihnachtsgeld in Höhe von rund 80 Prozent eines Monatslohns. Außerdem erhalte ich 6,65 Euro monatlich für vermögenswirksame Leistungen, auf die ich selbst 6,64 Euro draufzahle. Das läuft sieben Jahre lang, dann bekomme ich gut 1.100 Euro ausgezahlt.

Meine Ausgaben

Miete: Ich wohne mit meinem älteren Bruder zusammen. Jeder von uns zahlt inklusive Strom und Heizung 372 Euro.

Lebensmittel: Etwa 200 Euro, Putzmittel schon eingerechnet. Ich ernähre mich fast ausschließlich vegan. Weil sonst für mich nur teures Bio-Fleisch infrage käme, spare ich dadurch auch Geld. Wir haben keine Kantine, deshalb gehen meine Kollegen und ich mittags meistens essen. Damit komme ich auf rund 150 Euro im Monat. Oft nehmen wir das Essen mit ins Büro, um wenigstens die Getränke zu sparen.

Verkehrsmittel: Ich habe kein Auto. Zur Arbeit fahre ich mit dem Bus. Zurück laufe ich die zwei Kilometer meistens zu Fuß, um nach der Arbeit den Kopf freizukriegen. Morgens will ich schneller da sein, um früher gehen zu können. Im Sommer nehme ich häufig das Fahrrad. Ein Monatsticket lohnt sich deshalb für mich nicht: Ich zahle für die Bustickets nur etwa 30 Euro im Monat.

Handy: 13 Euro.

Internet: 10 Euro.

Versicherungen: Für die Krankenkasse gehen 224 Euro vom Bruttolohn ab. Für meine Hausratsversicherung zahle ich jährlich 44 Euro, für die Haftpflicht 51 Euro.

"Ich stecke jeden Monat 500 Euro in einen Wertpapier-Sparplan. Im Alter kann ich entweder mit der Rendite meine Rente aufstocken oder ich leiste mir davon eine eigene Wohnung."

Altersvorsorge: 15 Euro von meinem Bruttolohn fließen in meine Betriebsrente. Außerdem stecke ich jeden Monat 500 Euro in einen Wertpapier-Sparplan. Das läuft automatisch und sorgt dafür, dass ich ein Aktienvermögen aufbaue. Im Alter kann ich entweder mit der Rendite meine Rente aufstocken oder ich verkaufe die Aktien irgendwann und leiste mir davon eine eigene Wohnung, für die ich keine Miete zahlen muss.

Kleidung: Ich gehe zweimal im Jahr groß einkaufen: Wenn ich mein Weihnachtsgeld bekomme und wenn nach der Steuererklärung die Rückzahlung vom Finanzamt kommt. Dann gebe ich auf einen Schlag jeweils bis zu 300 Euro für Klamotten aus.

Körperpflege: Vielleicht 20 Euro im Monat. Dazu kommen 23 Euro für Kontaktlinsen und 30 Euro für den Frisör.

Freizeit: Ich lese in letzter Zeit sehr viel, vor allem Romane, besonders gerne Thriller. Manchmal lese ich auch politische Bücher, zum Beispiel von Shahak Shapira oder George Orwell. Weil ich vor allem am Wühltisch bei den Mängelexemplaren schaue, reichen mir 15 bis 20 Euro im Monat dafür. Beim Ausgehen gebe ich etwa 150 Euro aus. In Clubs gehe ich selten, eher in Bars oder Kneipen.

Zigaretten: 80 Euro im Monat. Vergangenen Sommer habe ich für drei oder vier Monate aufgehört, die Motivation dafür war aber die Gesundheit. Das Geld schmerzt mich nicht so.

Reisen: Für meine Bahncard 50 zahle ich jährlich 69 Euro. Obwohl ich mir es leisten könnte, fahre ich fast nie ins Ausland. Lieber besuche ich Freunde in Deutschland oder verbringe den Urlaub zuhause. Als ich ein Kind war, sind wir mindestens dreimal im Jahr um die Welt geflogen. Meine Mutter arbeitet bei Lufthansa, dadurch kann sie günstig fliegen. Ich habe im Juli Geburtstag, wenn Sommerferien waren, und irgendwann habe ich mir nichts mehr gewünscht, als mal nicht wegzufliegen. Mit 17 Jahren durfte ich zum ersten Mal zu Hause Geburtstag feiern. Ich war schon auf allen Kontinenten außer der Antarktis und habe einfach zu viel gesehen, um noch heiß auf Fernreisen zu sein. Meine Mutter liebt das Reisen immer noch.

Netflix: 14 Euro.

Spotify: 9,99 Euro.

Mitgliedsbeiträge: Ich zahle monatlich 30 Euro Beitrag für die Gewerkschaft ver.di und 33 Euro für den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub. Noch bin ich Mitglied in der SPD, das hat mich im Quartal 22,50 Euro Beitrag gekostet. Nach dem Mitgliederentscheid für die Große Koalition habe ich meinen Austritt zum Monatsende erklärt. In den vergangenen Jahren hieß es immer: "Wir erneuern die SPD", aber die Groko bedeutet wieder einmal "Weiter so". Auch die neue Spitze mit Andrea Nahles und Olaf Scholz halte ich für eine Katastrophe. Bei der nächsten Wahl wird die SPD noch schlechter dastehen als 2017.

So viel bleibt am Ende übrig

100 Euro lege ich jeden Monat zurück, um einen Puffer zu haben. Zum Beispiel für Reisen oder wenn mal die Waschmaschine kaputt geht. Wenn dann noch Geld übrig ist, kaufe ich zusätzlich zu meinem Wertpapier-Sparplan noch eine Aktie. Früher habe ich das Risiko bei Aktien kritisch gesehen, aber heute kommt man nicht mehr um sie herum. Weil man für Geld auf Konten derzeit keine Zinsen mehr kriegt, frisst die Inflation sonst das Ersparte. Wenn ich weniger arbeite, werde ich eben weniger zurücklegen.

*Name von der Redaktion geändert.