In der Serie "Kontoauszug" stellen wir regelmäßig Menschen vor, die erzählen, wie viel sie verdienen, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wie viel sie monatlich auf die Seite legen. Hier berichtet Jörg*, 53 Jahre:

Mein Job

Beruf: Ich habe 25 Jahre lang in einem großen Handelsunternehmen gearbeitet, zuletzt als Chefcontroller mit Personalverantwortung für zehn Mitarbeiter. Als das Unternehmen eine neue Geschäftsführung bekam, kam es zu Konflikten und ich verlor zunehmend die Lust an der Arbeit. Ich habe die Firma Ende 2015 mit einer Abfindung im sechsstelligen Bereich verlassen. Seitdem bin ich Privatier und lebe von den Mieteinnahmen meiner 26 Wohneinheiten. Dazu gehören Mehrfamilienhäuser genauso wie einzelne Eigentumswohnungen, die meisten mit zwei Zimmern, Küche und Bad.

"Manchmal habe ich zu wenig Stress. Deshalb hätte ich Lust, mittelfristig wieder in Teilzeit zu arbeiten."
Jörg*

Ausbildung: Nach dem Abi habe ich zunächst eine Ausbildung als Industriekaufmann gemacht. Ich komme aus einfachen, finanziell schwierigen Verhältnissen. Da stand der Broterwerb erst mal im Vordergrund. Später habe ich als erster in der Familie studiert und als Diplom-Betriebswirt abgeschlossen.

Wöchentliche Arbeitszeit: In meinem alten Job habe ich meist 50 bis 60 Stunden pro Woche gearbeitet und war auch mal bis Mitternacht im Büro. Heute arbeite ich, wenn es hoch kommt, 15 Stunden pro Woche. Wenn in einer der Wohnungen etwas repariert werden muss, vergleiche ich Preise und engagiere Handwerker. Und wenn einer meiner Mieter seine Miete nicht bezahlt, dann frage ich mit freundlicher Penetranz nach, wann ich denn mit dem Geld rechnen kann. Alles in allem habe ich verglichen mit früher ziemlich wenig Stress. Manchmal zu wenig, deshalb hätte ich Lust, mittelfristig wieder in Teilzeit zu arbeiten.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: In meinem alten Job habe ich zuletzt 110.000 Euro brutto im Jahr verdient, also gut 9.000 Euro im Monat. Heute besteht mein Einkommen komplett aus meinen Einnahmen als Vermieter. Das sind brutto ungefähr 6.000 bis 7.000 Euro, je nachdem, wie viele Reparaturen oder Renovierungsarbeiten gerade anfallen.

Nettoeinkommen: Wenn ich davon die Einkommensteuer sowie Tilgung und Zinsen für Immobilien abziehe, die noch nicht abbezahlt sind, dann bleiben mir netto etwa 4.000 Euro pro Monat. In die Rentenkasse zahle ich nicht mehr ein, weil ich bereits Rentenansprüche in Höhe von 1.600 Euro erworben habe und weiterhin von Mieteinnahmen ausgehe. Meine private Krankenversicherung geht noch mal gesondert vom Nettoeinkommen ab.

Meine Ausgaben

Miete: Ich wohne mit meiner Lebensgefährtin in einer 100-Quadratmeter-Wohnung in einer Stadt im Ruhrgebiet. Die Wohnung liegt in einem Dreifamilienhaus, das mir gehört – daher bezahle ich keine Miete, sondern nur 100 Euro Nebenkosten. Weitere 100 Euro steuert meine Lebensgefährtin bei.

"Mein Bier trinke ich gerne in einer Kneipe, wie das bei uns im Ruhrgebiet so ist."
Jörg*

Lebensmittel: Monatlich 500 bis 600 Euro. Ich habe mit dem Kochen angefangen, seit ich viel Zeit habe, daher gehe ich nicht so oft essen. Aber mein Bier trinke ich weiterhin gerne in einer Kneipe, wie das bei uns im Ruhrgebiet so ist.

Transportmittel: Wir haben in der Gegend sehr gute Radwege, weshalb ich im Alltag meist mit dem Fahrrad unterwegs bin. Falls das Rad mal eine Panne hat, repariere ich das selbst. Ich habe zusätzlich ein Auto, das mich ungefähr 1.000 Euro im Jahr kostet, wenn man Steuer, Versicherung und Wartungsarbeiten zusammenzählt. Für Sprit gebe ich ungefähr 30 Euro im Monat aus.

Versicherungen: Meine private Krankenversicherung kostet 290 Euro im Monat, die Haftpflichtversicherung ungefähr 50 Euro im Jahr.

Schulden: Ich habe drei Mehrfamilienhäuser, die noch nicht abbezahlt sind. Dafür fällt eine monatliche Tilgungsrate von 800 Euro plus Zinsen in Höhe von 400 Euro an, die ich innerlich schon von meinen Bruttoeinnahmen abziehe.

Private Altersvorsorge: Das sind meine Immobilien, dafür habe ich mich schon immer interessiert. Ich habe keine meiner Wohnungen und Häuser geerbt, sondern mir im Lauf der Jahre alle selbst vom Ersparten gekauft. Darunter waren viele Schnäppchen, zum Beispiel aus Zwangsversteigerungen. Bis vor zehn, 20 Jahren, als die Immobilienpreise noch nicht so hoch waren, konnte man noch sehr günstig Wohneigentum erwerben. Ich habe bei einer Zwangsversteigerung mal eine 60-Quadratmeter-Wohnung für 9.000 Euro gekauft – bis auf die Tatsache, dass sie ein bisschen Farbe an der Wand gebraucht hat, war die total in Ordnung. Die Wohnungen habe ich dann zum Teil selbst renoviert, das war und ist für mich ein Hobby.

Telefon und Internet: 20 Euro im Monat.

Abos: Ich habe die Regionalzeitung für 32 Euro pro Monat im Abo.

Mitgliedsbeiträge: 25 Euro im Monat für die Mitgliedschaft im Fußballverein und für die Hallennutzung, wenn wir drinnen spielen.

Kleidung: Was ich für Kleidung ausgebe, fällt praktisch nicht ins Gewicht, weil ich aus meiner Zeit als Angestellter noch einen vollen Kleiderschrank habe und da sparsam veranlagt bin. Ich kaufe mir lieber einmal gute Schuhe und lasse sie dann mehrmals neu besohlen. In den vergangenen zwei Jahren habe ich vielleicht 100 Euro für Kleidung ausgegeben.

Körperpflege: Insgesamt circa 15 Euro.

Haushalt: 15 Euro.

"Meine Dauerkarte auf Schalke kostet 600 Euro im Jahr. "

Freizeit: Auf den Monat gerechnet gebe ich gut 380 Euro aus. Meine Dauerkarte auf Schalke kostet 600 Euro im Jahr. Außerdem habe ich ein Segelboot, für das ich jährlich ungefähr 2.000 Euro ausgebe. 1.200 Euro für die Versicherung und den Liegeplatz in Holland und circa 800 Euro für die Wartung.

Reisen: Einmal im Jahr fahren wir in den Skiurlaub, das kostet mich mit allem Drum und Dran 1.000 Euro. Und dann gehen wir noch einmal im Jahr für ein paar Tage zum Wandern, da rechne ich ungefähr mit 250 Euro.

So viel bleibt am Ende übrig

Ungefähr 2.500 Euro. Das Geld nutze ich immer mal wieder für eine Sondertilgung, um meine Häuser schneller abzubezahlen. Außerdem fallen ja auch regelmäßig Reparatur- oder Renovierungsarbeiten an. Den Rest lege ich auf dem Festgeldkonto zurück und warte, bis mir die nächste schöne Immobilie über den Weg läuft. Ich habe schon als Angestellter meist mehr als die Hälfte meines Gehalts zurückgelegt – ich brauche das für mein Sicherheitsgefühl.

* Name von der Redaktion geändert.