In der Serie "Kontoauszug" stellen wir regelmäßig Menschen vor, die erzählen, wie viel sie verdienen, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wie viel sie monatlich auf die Seite legen. Hier berichtet die 45-jährige Außendienstmitarbeiterin und alleinerziehende Mutter Claudia*:

Mein Job

Beruf: Ich verkaufe als Außendienstmitarbeiterin Medizintechnik für Intensivstationen an Krankenhäuser. 30 Prozent meiner Zeit arbeite ich von zuhause, 70 Prozent bin ich unterwegs, fahre zwischen 50 und 500 Kilometer am Tag. Für mich kann ich mir keinen besseren Job ausmalen. Ich liebe die Freiheit, zu entscheiden, wann ich wie an welchem Projekt arbeite, und kann mir nicht vorstellen, jeden Tag acht Stunden an einem Ort festzusitzen.

Ausbildung: Ich habe Biochemie und Biotechnologie an einer Universität studiert, daneben ein Jahr Grundlagen der Betriebswirtschaft, um mich breiter aufzustellen. Danach habe ich einige Jahre im Vertrieb eines forschenden Pharmaunternehmens gearbeitet. Vor neun Jahren bin ich in die Medizintechnik gewechselt.

Wöchentliche Arbeitszeit: In meinem Arbeitsvertrag stehen 40 Stunden. Meine Arbeitszeit kann ich mir frei einteilen. In der Regel bin ich von 8 bis 11 Uhr im Homeoffice, danach bei Kundenterminen. Manchmal bin ich schon um 13 Uhr wieder zu Hause, manchmal erst um 19 Uhr. Ich zähle meine Stunden nicht, denn mit dem Gehalt sind jegliche Überstunden abgegolten. Einsätze an Wochenenden und Feiertagen gleiche ich aus.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: Durchschnittlich 7.300 Euro, mal mehr, mal weniger. Mein Brutto enthält einen relativ hohen variablen Anteil, der erfolgsabhängig ist. Das Brutto beinhaltet 524 Euro, die ich dafür versteuern muss, dass ich meinen Firmenwagen privat nutzen darf. Das entspricht einem Prozent des Listenpreises des Autos und nennt man geldwerter Vorteil. Außerdem beinhaltet mein Brutto vermögensbildende Leistungen, die direkt in einen Bausparvertrag gehen, und den Arbeitgeberanteil für die betriebliche Altersvorsorge.

"In den letzten zehn Jahren hatte ich zwei Jahre, in denen es nicht gut lief. Für mich und meinen Sohn bedeutet das, dass wir die Ausgaben sofort runterschrauben müssen."
Claudia*, Außendienstmitarbeiterin

Wichtig ist, dass ich mein jährliches Umsatzziel, das im mittleren siebenstelligen Bereich liegt, zu mindestens 90 Prozent erreiche. Wenn nicht, bekomme ich ein Quartal lang etwa 1.500 Euro brutto weniger im Monat – das sind 800 Euro netto und schmerzt wirklich. In den letzten zehn Jahren hatte ich zwei Jahre, in denen es nicht gut lief. Für mich und meinen Sohn bedeutet das, dass wir die Ausgaben für Ernährung, Kleidung, Kosmetik und Freizeit sofort runterschrauben müssen. Das ist das Risiko meines Jobs, mit dem ich gerne lebe. Auch mein Sohn kennt das inzwischen und hat Verständnis dafür.

Nettoeinkommen: Rund 3.500 Euro, wenn man die 524 Euro für den Firmenwagen wieder abzieht. Derzeit bin ich Steuerklasse 1 und erhalte keinen Kinderfreibetrag. Nach der Scheidung habe ich vor Kurzem die Steuerklasse 2 und den Kinderfreibetrag beantragt. Wie viel ich dann mehr habe, weiß ich noch nicht.

Weitere Einnahmen: Weihnachtsgeld in Höhe eines Brutto-Monatsgehalts, Urlaubsgeld in Höhe von 30 Prozent eines Brutto-Monatsgehalts und eine Steuerrückzahlung in Höhe von etwa einem Nettogehalt. Dazu kommen monatlich 200 Euro Kindergeld und 350 Euro Unterhalt für meinen 18-jährigen Sohn. Er wird nächstes Jahr das Abitur machen.

Meine Ausgaben

Miete: Für unsere Mietwohnung mit vier Zimmern, zwei Bädern und insgesamt 125 Quadratmetern im Speckgürtel einer Großstadt zahle ich 1.365 Euro warm.

Strom: 82 Euro.

Taschengeld: 85 Euro hat mein Sohn zu seiner freien Verfügung, dazu gebe ich ihm monatlich circa 50 Euro Essensgeld für die Schule oder für Fahrten.

Lebensmittel und Haushalt: 500 Euro für uns beide, darin enthalten sind alle Ausgaben für Ernährung, Putzmittel, Produkte wie Shampoo, Cremes, Klopapier und gelegentliche Restaurantbesuche. Ich koche jeden zweiten Tag für uns und gebe viel Geld für Gemüse und Biofleisch aus. Die Freunde meines Sohnes essen gerne mal spontan mit und auch ich habe häufig Freunde zu Besuch, die ich bekoche.

Auto: Mein Firmenwagen ist ein Mercedes der gehobenen Mittelklasse, den ich uneingeschränkt privat nutzen kann. Dafür zahle ich jeden Monat etwa 180 Euro Steuern.

Handy: 80 Euro für mich, meinen Sohn, meine Mutter und meinen Vater.

Telefon/Internet/Fernsehen: Das beziehe ich alles über einen Anbieter für 33 Euro.

Versicherungen: Ich bin freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung. Ich habe eine Haftpflichtversicherung, die monatlich circa sieben Euro kostet. Meine Risikolebensversicherung ist nach 15 Jahren abgelaufen. Die muss ich bald mal erneuern, um meinen Sohn abzusichern. Die Firma zahlt für mich eine berufliche Unfallversicherung, da ich beruflich mit dem Auto fahre. Die Medizingeräte transportiert eine Spedition.

"Während der 15 Jahre, in denen wir das Haus abbezahlt haben, mussten wir auf viele Annehmlichkeiten verzichten."
Claudia*, Außendienstmitarbeiterin

Altersvorsorge: Ich zahle monatlich 125 Euro in die Riester-Rente ein. Ich sehe mich da eher schlecht aufgestellt und will mich bald mal beraten lassen.

Sparen: Für meinen Sohn zahle ich seit seiner Geburt monatlich 75 Euro in einen Fonds ein. Für seinen Führerschein hatte ich ebenfalls einen Sparplan seit seiner Geburt, der uns mit sieben Prozent Verzinsung 4.000 Euro eingebracht hat.

Kredit: Für die Scheidungs- und Umzugskosten habe ich einen Verbraucherkredit von 20.000 Euro aufgenommen. Der kostet mich monatlich 450 Euro. In ein paar Monaten habe ich den abbezahlt und plane, das Geld für meine Altersvorsorge in einen konservativen Aktienfond zu stecken.

Kleidung: Da ich für den Job konservativ gekleidet sein muss, brauche ich ab und zu mal ein Kostüm oder einen Anzug und ein paar Blusen. Dafür gebe ich im Jahr vielleicht 1.000 Euro aus. Privat reichen mir Jeans und T-Shirt für etwa 200 Euro im Jahr. Mein Sohn hat da andere Bedürfnisse: Um die 1.500 Euro gebe ich für seine Kleidung aus. Er möchte jedes Jahr zwei Paar Markenschuhe und ich habe Spaß daran, ihm die zu kaufen. Gerade erst hat er einen Anzug für eine Hochzeit gebraucht. Mit Schuhen, Hemd und allen Accessoires habe ich 480 Euro bezahlt.

Körperpflege: Etwa 130 Euro pro Monat für Friseur, Kosmetik, Mani- und Pediküre für mich. Mein Sohn zahlt seine Friseurbesuche selbst.

Freizeit: Ich fotografiere gerne und bearbeite die Bilder dann selbst, das kostet mich nichts. Momentan baue ich unsere Wohnung mit mehreren Amazon Echos und Erweiterungen zu einer Smart-Home-Zentrale um, damit ich die Elektrik per Sprachbefehl steuern kann. Mir macht das Spaß, meinen Sohn irritiert das doch etwas.

Reisen: Ich verreise gerne in die Karibik, an den Indischen Ozean oder nach Afrika. Das ist mir nach der Trennung und dem Verkauf des Hauses sehr wichtig geworden. Jährlich gebe ich dafür vielleicht 6.000 Euro aus. Während der 15 Jahre, in denen wir das Haus abbezahlt haben, mussten wir auf diese und viele andere Annehmlichkeiten verzichten. Ich habe eigentlich nur für das Haus gearbeitet. Dieses Jahr verreist mein Sohn zum ersten Mal alleine. Es ist gut, dass er sich langsam abnabelt. Seine Reise unterstütze ich mit 1.300 Euro.

"Das Geld liegt auf meinem Sparbuch. Ich könnte es wahrscheinlich genauso gut unters Bett stopfen."
Claudia*, Außendienstmitarbeiterin

Streaming: 10 Euro für Netflix, 6 Euro für Amazon Prime, 10 Euro für Spotify für meinen Sohn.

Spenden: Seit vielen Jahren habe ich für 77 Euro im Quartal wechselnde Patenkinder bei World Vision.

Sonstiges: Aus dem Verkauf unserer Immobilie blieb für jeden Ehepartner ein hoher fünfstelliger Betrag übrig, den ich wohl teilweise benötigen werde, um meinem Sohn das Studium zu finanzieren. Das Geld liegt auf meinem Sparbuch. Ich könnte es wahrscheinlich genauso gut unters Bett stopfen.

So viel bleibt am Ende übrig

Manchmal 700 Euro, manchmal nichts. Was übrig bleibt, spare ich für die nächste große Reise.

* Name von der Redaktion geändert.