"Spaßfaktor und Karriere schließen sich bei der Polizei oft aus."  ©Erik Marquardt

"Ich bin Überzeugungstäter", sagt der Polizist Oliver von Dobrowolski im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit. Der Berliner Polizist machte 2017 von sich reden, als er in seiner Funktion als Vorsitzender von Polizei Grün, einer Vereinigung grüner und Grünen-naher Polizeibeamter, den Polizeieinsatz zu G20 in Hamburg massiv kritisierte. Er selbst hatte daran teilgenommen. In seinem Blog schrieb von Dobrowolski damals, der Einsatz sei ein "Rückfall in vergangen geglaubte Zeiten" gewesen, "unfassbar und beschämend".

Der 42-Jährige, der eigentlich Journalist werden wollte und sogar den Wehrdienst verweigerte, koordiniert beim Berliner Landeskriminalamt die Prävention im Bereich Fahrraddiebstahl: wie durch Medienarbeit, Workshops und kluge Kommunikation die Zahl der Fahrraddiebstähle verringert werden kann. Darüber hinaus engagiert sich von Dobrowolski auch in sogenannten Kommunikationsteams bei Demonstrationen. Solche Teams sollen bei konfliktverdächtigen Versammlungen mäßigend auf die Teilnehmer einwirken. 

Anfeindungen gehören zum Job dazu

Gerade dabei, erzählt von Dobrowolski im Podcast, lägen Freude und Frust des Berufs als Polizist oft nah beieinander. Einerseits hätte die Polizei oft mit Anfeindungen zu tun und müsste sich Unflätigkeiten anhören. Doch: "Auch wenn das uncool ist – die dürfen das, das ist deren Recht." Andererseits erlebt von Dobrowolski oft im gleichen Einsatz auch viel Zuspruch und Dankbarkeit, erzählt er.

Zur Polizei kam von Dobrowolski erst nach einer Ausbildung im Reisebüro, als er sich beruflich neu orientierte. Er stellte schnell fest, dass ihn der Beruf als Polizist nicht nur interessierte, sondern auch überzeugte: "Ich bin aus Idealismus Polizist geworden", sagt von Dobrowolski. Einen anderen Beruf würde er für kein Geld der Welt ausüben wollen. Von Dobrowolski räumt aber auch ein, dass es aber für manche Polizistinnen und Polizisten auch ein Problem sei, weil es wenig Optionen gibt, sich beruflich zu verändern: "Polizistin und Polizist ist ein hochspezialisierter Job", sagt von Dobrowolski. Es gäbe da keine naheliegende Umschulung. Etwas wehmütig wird von Dobrowolski, als er erzählt, wie er nach seinem Studium viel Bürgerkontakt hatte. Mittlerweile verbringe er mehr Zeit in Gremien und am Schreibtisch: "Spaßfaktor und Karriere schließen sich bei der Polizei oft aus." 

Das Konzept unseres Podcasts "Frisch an die Arbeit" fußt auf dem berühmten Fragebogen von Max Frisch – wir haben ihn umgeschrieben und an die Arbeitswelt angepasst. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können den Fragebogen zum Podcast hier auch selbst ausfüllen.