In seiner Werbung setzt sich Nike, der größte Sportschuhhersteller der Welt, für Gleichberechtigung ein. Im eigenen Unternehmen aber fühlen sich Frauen diskriminiert und übergangen. Fast die Hälfte der mehr als 74.000 Angestellten bei Nike sind Frauen. Doch je höher in der Hierarchie, desto geringer wird ihr Anteil. Die New York Times veröffentlichte dazu eine interne Untersuchung des Unternehmens. Demnach sind nur 38 Prozent der Positionen "Director" oder höher mit Frauen besetzt, von den mehreren Hundert "Vice Presidents" sind es nur noch 29 Prozent.

Auch bei der Bezahlung werden weibliche Angestellte bei Nike benachteiligt. Zumindest in Großbritannien, denn nur dort gibt es entsprechende Daten, weil Firmen mit mehr als 250 Beschäftigten Angaben über Geschlechtsunterschiede bei den Gehältern veröffentlichen müssen. Im Durchschnitt verdienen Männer beim britischen Ableger von Nike im Großhandelsbereich zehn Prozent mehr als Frauen. Im Einzelhandel liegt der Unterschied noch bei drei Prozent. Besonders groß sind die Unterschiede den Daten zufolge bei den Boni: Männer bekommen im Großhandel 37 Prozent mehr als Frauen, im Einzelhandel sind es 15 Prozent mehr. Der Konzern begründe dies damit, dass höher bezahlte Positionen überwiegend von Männern besetzt seien, berichtet CNBC.

Hinzu kommen Berichte aus den USA, wonach bei Nike grundsätzlich eine "vergiftete Kultur" herrsche. Seit Jahren hätten sich Kolleginnen über sexuelle Belästigung beschwert und über männliche Netzwerke, die bei Übergriffen wegschauten und dafür gesorgt hätten, dass Frauen von wichtigen Unternehmensbereichen wie Basketball ferngehalten würden, berichtet etwa das Wall Street Journal (Bezahlschranke). Interne Beschwerden darüber hätten nie zu Konsequenzen geführt.

Frauen starteten interne Untersuchung

Einer Gruppe Frauen in der Firmenzentrale in Beaverton im amerikanischen Bundesstaat Oregon reichte es irgendwann. Sie starteten den Berichten zufolge eine anonyme Umfrage unter ihren Kolleginnen und baten sie, Fälle von Diskriminierung und Belästigung, die sie erlebt hatten, zu schildern. Am 5. März erhielt Unternehmenschef Mark Parker die ausgefüllten Fragebögen. Seitdem bemüht sich das Unternehmen um Schadensbegrenzung.

"Es hat mich bekümmert zu erfahren, dass es in unserem Unternehmen Bereiche gibt, wo das Verhalten nicht mit unseren Werten übereinstimmt und dazu geführt hat, dass manche Beschäftigte sich nicht respektiert fühlten und sich davon abgehalten sahen, ihr Bestes zu geben", sagte Parker anschließend.

Aufgrund der Vorwürfe mussten mehrere Manager Nike verlassen, darunter Trevor Edwards, der als Nachfolger für die Konzernleitung gehandelt worden war. Die Probleme seien begrenzt auf eine "abgeschottete Gruppe hochrangiger Manager", zitiert die New York Times Unternehmenssprecher KeJuan Wilkins. Sie hätten "sich gegenseitig geschützt und weggeschaut". Gleichzeitig wurden unternehmensweit Änderungen eingeführt. Manager würden nun verstärkt zu Trainings geschickt, um Vorurteile zu bekämpfen und sollen für Diversität in ihrem Teams sorgen, zitiert Quartz die Personalchefin Monique Matheson.

Neben Frauen sind offenbar auch Minderheiten von der Unternehmenskultur betroffen: Obwohl inzwischen mehr als die Hälfte der Beschäftigten des Konzerns keine Weißen mehr sind, finden sich laut der internen Erhebung unter den Vice Presidents nur 16 Prozent Asiaten, Schwarze oder Hispanics.