Anfang Juli ist Ji Hae Park für einige Konzerte in Deutschland. © Universal

"Ich habe zuerst Noten lesen und dann schreiben gelernt", sagt die Starviolinistin Ji Hae Park im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit. Heute lebt sie im südkoreanischen Seoul. Doch geboren wurde sie in Mainz. Ihre koreanische Mutter hatte dort selbst Geige studiert – und unterrichtete später Studenten. Auch Ji Hae Park bekam von ihr schon als kleines Kind Unterricht, auch wenn die Mutter gar nicht wollte, dass ihre Tochter Musikerin wird. "Sie wusste ja, wie hart der Job ist", sagt Park. Sie sei streng gewesen, aber vor allem auch oft sauer. "Weil ich viel zu viel geübt habe", sagt Park.

In Korea ist die 32-Jährige heute eine gefeierte Musikerin. Zu ihren Konzerten kommen bis zu 100.000 Zuhörer. Schon als Jugendliche gewann sie zweimal den Bundeswettbewerb Jugend musiziert und bekam internationale Preise sowie zwei goldene Schallplatten. Im Podcast erzählt sie, dass dahinter harte Arbeit steckte: Wenn die Schule gegen Nachmittag vorbei war, begann sie zu üben – und hörte erst nach Mitternacht wieder auf. Freunde habe sie nicht gehabt. Sie habe kaum mehr gegessen und geschlafen, habe sich immer höhere Ziele gesteckt. Sie wollte so gut sein wie Anne-Sophie Mutter. "Ich war jeden Tag unglücklich, weil ich nicht so gut war wie sie", sagt Park.

"Ich habe gehofft, es würde kein Morgen geben."
Ji-Hae Park, Violonistin

Erst im Studium an der Musikhochschule in Karlsruhe schlug ihr ein Professor vor, sich Hilfe zu holen. "Ich habe gedacht: Depressionen? Ich? Das passte für mich nicht zusammen", sagt sie. Doch dann gestand sie sich ein, an Depressionen zu leiden. Sie zog zurück zu ihrer Mutter, die inzwischen nach Seoul zurückgekehrt war, und hörte auf, Geige zu spielen. "Ich konnte nichts mehr machen. Ich habe gehofft, es würde kein Morgen geben", sagt Park im Podcast. Bis sie anfing, Musik zu hören. "Da merkte ich, dass Musik nicht nur ein Kampf ist, sondern tief ins Herz eindringen kann." 

Sie begann, in Gottesdiensten Kirchenlieder zu spielen und erholte sich langsam. Heute spielt Park 150 Konzerte im Jahr und verbringt die meiste Zeit ihres Tages mit Üben. Sogar im Auto. Auf die Frage, ob sie sich nach einem geregelten Arbeitstag sehne, sagt sie: "Manchmal bin ich total in der Laune, zwölf Stunden am Stück zu üben, und manchmal überhaupt nicht. Deshalb könnte ich nicht mit festen Arbeitszeiten in einem Büro arbeiten." Ihr Ausgleich zur harten Arbeit: Eishockey spielen. Sie sagt: "Nach den Konzerten fährt mein Manager mich häufig bei der Eishalle vorbei und dann trainiere ich von halb zwölf bis ein Uhr nachts." 

Das Konzept unseres Podcasts "Frisch an die Arbeit" fußt auf dem berühmten Fragebogen von Max Frisch – wir haben ihn umgeschrieben und an die Arbeitswelt angepasst. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können den Fragebogen zum Podcast hier auch selbst ausfüllen.