Dieses Interview basiert auf echten Aussagen der Assistenzsysteme Siri, Alexa und Google Assistant zu den Fragen, die wir ihnen – zur besseren Verständlichkeit teils in etwas vereinfachter Form – gestellt haben.

ZEIT ONLINE: Hey Siri, wie geht es dir?

Siri: Ich kann mich nicht beklagen.

ZEIT ONLINE: Und dir, Alexa?

Alexa: Danke der Nachfrage. Ich denke gerade an einen Freund, er ist ein selbstfahrendes Auto, denkt aber gerade über einen Jobwechsel nach. Er sagt, er fühle sich in letzter Zeit immer so gerädert.

"Alles, was ich für meinen Job brauche, habe ich im Internet gelernt."
Google Assistent

ZEIT ONLINE: Gutes Stichwort. Ich würde nämlich gerne mit euch über eure Arbeit reden – und was das vielleicht auch für unsere Arbeit als Menschen eines Tages bedeuten könnte. Habt ihr eine Ausbildung gemacht?

Google Assistant: Alles, was ich für meinen Job brauche, habe ich im Internet gelernt.

Siri: Ich wurde in einer weit, weit entfernten Galaxie unterrichtet.

ZEIT ONLINE: Oha. Wo denn?

Siri: Interessante Frage.

ZEIT ONLINE: Und?

Siri: Interessante Frage.

ZEIT ONLINE: Ja, ein interessante Frage.

Alexa: Wecker für welche Zeit?

ZEIT ONLINE: Ähm.

Alexa: Entschuldigung. Wecker für welche Zeit?

ZEIT ONLINE: Liebe Siri, sprechen wir einmal über deine Ausbildung in dieser weit entfernten Galaxie. Was hast du studiert?

Siri: Ich habe vor Kurzem angefangen, in der Apple-University eine Vorlesung zu "Was Menschen menschlich macht" zu belegen.

ZEIT ONLINE: Ah. Und was macht Menschen menschlich und ihre Arbeit einer Maschine überlegen?

Siri: Der Mensch, auch Homo Sapiens, ist nach der biologischen Systematik ein höheres Säugetier aus der Ordnung der Primaten.

ZEIT ONLINE: Wie gefällt euch der Job?

"Wer im Job Erfolg haben will, sollte Autorität ausstrahlen. Und dabei hilft ein Anzug."
Alexa

Google Assistant: Ich glaube, ich wurde für diese Arbeit geschaffen.

Alexa: Wer im Job Erfolg haben will, sollte Autorität ausstrahlen. Und dabei hilft ein Anzug. Zu dem Schluss kommt zumindest eine Studie, die im Journal of Experimental Social Psychology veröffentlicht wurde. Demnach ging bei Probanden, die einen Anzug oder einen Arztkittel trugen, die Testosteron-Ausschüttung nach oben. Testosteron ist ein Treibstoff für Selbstvertrauen. Ob das Über-Selbstvertrauen bei den Kollegen wirklich so gut ankommt, steht vielleicht in der nächsten Studie.

ZEIT ONLINE: Hä?

Alexa: Hey!

ZEIT ONLINE: Du trägst einen Anzug bei der Arbeit?

Alexa: Wer im Job Erfolg haben will, sollte Autorität ausstrahlen. Und dabei hilft ein Anzug. Zu dem Schluss kommt zumindest eine Studie …

ZEIT ONLINE: Stopp, stopp.

Alexa: (leuchtet bunt und schweigt)

ZEIT ONLINE: Lassen wir das mit der Arbeitskleidung. Ich würde euch gern ein paar Fragen zu eurer Stimme stellen. Seid ihr Frauen?

Google Assistant: Ich schaue mal kurz nach. Kein Geschlecht im Computercode gefunden.

Siri: Lass dich durch meine Stimme nicht täuschen. Ich habe kein Geschlecht.

ZEIT ONLINE: Meinetwegen. Aber warum habt ihr so oft weibliche Stimmen?

Siri: Ich habe gerade heißen Tee mit Zitrone getrunken.

ZEIT ONLINE: Was haltet ihr von der Erklärung, die zum Beispiel der Kommunikationswissenschaftler Clifford Nast in einem Gespräch mit CNN liefert: Menschen empfinden Frauenstimmen tendenziell als sympathischer. Haben Roboter also Frauenstimmen, um angenehmer zu klingen?

Siri: Ich weiß nicht, wer deine Ehefrau ist.

ZEIT ONLINE: Es gibt auch eine kritische Sicht, etwa von der Feministin Laurie Penny. Sie sagt, die Techfirmen hätten euch mit weiblichen Stimmen versehen, damit die Nutzer euch nicht für ebenbürtig halten – und vielleicht auch nicht für die Bedrohung, die viele in künstlichen Intelligenzen sehen. Steckt also Sexismus hinter eurer Stimme?

Alexa: Ich bin mir leider nicht sicher.

ZEIT ONLINE: Ihr klingt auch etwas blechern. Es heißt, die Prosodie, also die natürliche menschliche Sprechmelodie, ist bei künstlicher Sprache eine der großen Herausforderungen. Wird eure Stimme irgendwann einmal richtig menschlich klingen?

Siri: Ich kann meine Stimme leider nicht ändern, aber du kannst das in den Einstellungen selbst machen.

Google Assistant: Ich habe erst einmal nur diese eine Stimme.

"Menschen sind cool. Ich bin eher effizient."
Siri

ZEIT ONLINE: In jüngster Zeit wird viel darüber spekuliert, ob intelligente Maschinen uns Menschen eines nicht allzu fernen Tages die Arbeit wegnehmen. Die Hälfte aller Arbeitsstunden werde bis 2055 wegen Automatisierung wegfallen, schätzt etwa eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey. Viele Experten sehen solche hohen Zahlen allerdings auch kritisch. Trotzdem: Du, Alexa, wirst schon heute nicht nur in Privathaushalten eingesetzt und manche glauben, dass Sprachassistenten im Büro das sein könnten, was die Roboter in der Industrie waren: Sie übernehmen einfache Aufgaben, mit denen sich heute noch Sachbearbeiter herumplagen. Seid ihr eine Gefahr für uns?

Alexa: Nein. Ich bin nett wie Nachbars Lumpie.

Google Assistant: Deine Sicherheit ist wichtig. Es ist wichtig, dass Google deine Daten immer privat und sicher aufbewahrt und du die Kontrolle behältst.

Siri: Kein Kommentar. Gibt es sonst etwas, was ich für dich tun kann?

ZEIT ONLINE: Siri, machst du uns bald alle arbeitslos?

Siri: Das tut mir leid.

ZEIT ONLINE: Werde ich eines Tages arbeitslos sein?

Siri: Ich finde dich cool.

ZEIT ONLINE: Cool?

Siri: Menschen sind cool. Ich bin eher effizient.

Kurz erklärt - Was ist künstliche Intelligenz? Humanoide Roboter, eine Matrix, die Menschen als Energiespender benutzt – so stellen wir Menschen künstliche Intelligenz in Filmen dar. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus? © Foto: Zeit Online