Für einen Trip, bei dem man halluziniert und sich die Sinne wie im Traum verweben, reichen schon 50 bis 100 Mikrogramm LSD. Microdoser nehmen noch kleinere Mengen der illegalen Droge. Sie versprechen sich davon, bei der Arbeit produktiver und kreativer zu werden. Noch sind die Effekte des Microdosings nicht erforscht. Viele Wissenschaftler zweifeln an der Wirkung und sprechen von einem Placeboeffekt. Verboten ist LSD ohnehin weltweit seit 1971, weil es laut der UN-Konvention über psychotrope Substanzen "eine ernste Gefahr für die öffentliche Gesundheit" darstellt: LSD kann psychisch abhängig machen und es besteht unter anderem das Risiko von Psychosen (mehr dazu in unserem Infokasten). Kai*, 27, arbeitet als Grafiker in einer Werbeagentur. Er ist Microdoser und erzählt uns, wie er sein Arbeiten erlebt, seit er kleinste Mengen LSD konsumiert.

In meinem Job muss ich ständig kreativ sein. Als Gestalter entwickle ich zum Beispiel Logos für Unternehmen. Das heißt: Ich muss viele Ideen haben, viele verschiedene Entwürfe zeichnen, und das alles unter Zeitdruck. Oft will ich es dann besonders gut machen, und dann ist der Druck so hoch, dass ich mir selbst im Weg stehe und blockiert bin. Vor etwa drei Jahren habe ich im Internet das erste Mal etwas über LSD-Microdosing gelesen – damals wurde LSD gerade im Silicon Valley als neues Wundermittel gefeiert. Was Drogen angeht, bin ich generell ein offener Mensch. Deshalb wollte ich selbst ausprobieren, ob es mir bei der Arbeit helfen kann.

Damals flogen bei mir zuhause noch ein paar Pappen herum. Das sind kleine Stücke aus Karton, auf die flüssiges LSD geträufelt wurde. Die hatte ich mir mal im Darknet bestellt. An einem Wochenende, an dem ich nichts vorhatte, habe ich den Karton dann mit der Schere in kleine Fetzen zerschnitten, und mir ein Sechzehntel auf die Zunge gelegt. Ich wusste, dass auf jeder Pappe 110 Mikrogramm LSD verteilt waren, was für einen richtigen Trip reicht. Von der ersten Dosis, etwa sieben Mikrogramm, habe ich aber nichts gemerkt.

Am darauffolgenden Wochenende habe ich die Dosis dann erhöht, auf etwa 15 Mikrogramm. Es hat im Bauch gekribbelt, meine Laune hat sich deutlich verbessert, ich wurde wacher und glücklicher. Es hat sich belebend angefühlt, aber ich war noch weit von einem richtigen Trip entfernt. Wie sich das anfühlt, weiß ich von früheren Erfahrungen mit LSD. Die kleine Dosis fühlte sich eher an wie die Phase, in der man gerade langsam draufkommt. Ich habe dann zuhause einfach Musik gehört und entspannt, und mir vorgenommen, das Microdosing für ein paar Wochen am Stück auszuprobieren.

"Wenn du kein kreativer Mensch bist, macht dich auch LSD nicht zum Künstler."
Kai*, Microdoser

Ich habe immer eine Woche Pause gemacht, nachdem ich LSD genommen habe. Nach dem Konsum hatte ich für vier Stunden die direkten, belebenden Effekte des LSDs, und dann über Tage noch spürbare Nachwirkungen. Mein Arbeiten hat sich verändert. Ich habe das Gefühl, das LSD macht mir den Kopf frei: Meine Probleme werden kleiner, ich kann befreiter denken. Und ich mache mir nicht mehr so viele Sorgen. Gerade als Gestalter frage ich mich ja bei jeder Idee und bei jedem Entwurf: Gefällt das dem Chef? Und dem Kunden? Mit Microdosing hörte das Grübeln auf. Man macht einfach mal, ist fokussierter und motivierter. Und kreativer, weil die Blockaden weg sind. Aber ich würde auch sagen: Wenn du kein kreativer Mensch bist, macht dich auch LSD nicht zum Künstler.

Am Anfang habe ich es sechs Wochen am Stück ausprobiert, später dann nochmal 16 Wochen. Dazwischen hatte ich das Gefühl, dass es auch so ganz gut bei mir läuft und habe pausiert. Erst habe ich die Dosis LSD auch direkt vor der Arbeit genommen. Aber das habe ich schnell wieder sein lassen. Weil es bei all den positiven direkten Effekten auch ein Problem gibt: Man fühlt sich beobachtet. Es ist ein seltsames Gefühl, wenn ein Kunde anruft oder ich mit meinem Chef rede und kurz vorher LSD genommen habe. Dann fühle ich mich schuldig, so als hätte ich in der Mittagspause ein paar Bier getrunken oder gekifft. Man will nicht ertappt werden und verhält sich möglichst unauffällig, was auf Dauer natürlich nicht so entspannt ist. Ich weiß, dass die Sorge unbegründet ist: Auf LSD-Trips habe ich mich schon öfters mit Leuten unterhalten, und ich glaube, denen ist nicht aufgefallen, dass ich drauf war. Ich bilde mir beim Microdosen also eher ein, dass jemand im Büro etwas bemerken könnte. Später habe ich das LSD dann trotzdem lieber abends genommen, wenn ich allein zuhause war.