In der Serie "Kontoauszug" stellen wir regelmäßig Menschen vor, die erzählen, wie viel sie verdienen, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wie viel sie monatlich auf die Seite legen. Hier berichtet der 36-jährige Tänzer Michael.

Beruf: Ich bin freischaffender Tänzer und Choreograf. Contemporary Dance nennt man den Tanz, den ich aufführe. Mit der Kompanie Emanuel Gat Dance aus Frankreich toure ich weltweit. Seoul in Südkorea ist bisher der Auftrittsort, der am weitesten von meiner Heimatstadt Berlin entfernt war. Aber auch hier habe ich oft Auftritte. So habe ich etwa 2017 die Modenschau von Patrick Mason auf der Berlin Alternative Fashion Week eröffnet. Als freier Choreograf erarbeite ich entweder komplett neue Choreografien für ein Projekt, oder ich helfe dabei, eine schon vorhandene Choreografie mit den Tänzern einzuüben. Das habe ich zum Beispiel schon in New York gemacht mit dem Cedar Lake Contemporary Ballet. Und ich erarbeite neue Stücke für mein eigenes Kollektiv Something Machine.

"Mit zwölf Jahren hatte ich bereits fünf- bis sechsmal die Woche Tanzunterricht."
Michael

Ausbildung: Als ich fünf Jahre alt war, haben mein Bruder und ein paar Freunde einen Tanzschulkurs besucht. Ich war so begeistert, dass ich auch angefangen habe zu tanzen. Zunächst war ich einmal in der Woche auf einer öffentlichen Tanzschule. Mit zwölf Jahren bin ich in einen Tanzsportverein eingetreten – von da an hatte ich bereits fünf- bis sechsmal die Woche Unterricht, jeweils drei Stunden am Nachmittag nach der Schule. Später habe ich in Köln an der Hochschule für Musik und Tanz studiert. Im Jahr 2005 hatte ich ein Stipendium für die jährliche Sommerakademie in Kyoto. Kurz darauf bekam ich meinen ersten Job am Tanztheater in Bielefeld.

Wöchentliche Arbeitszeit: Das ist kompliziert. Ich arbeite ja nicht nur im Studio oder Theater. Sondern muss mich auch um Akquise kümmern, also immer wieder neue Jobs an Land ziehen. Dafür mache ich Marketing in den sozialen Medien und bewerbe auf Facebook die Events oder Workshops, die ich veranstalte. Auf Instagram betreibe ich Networking und mache Selbstmarketing, zeige kleine Ausschnitte von Auftritten oder Proben. Dann muss ich auch noch meine Website pflegen und mich um die Buchhaltung kümmern. Manchmal arbeite ich also 40 Stunden, manchmal einige Tage und Nächte durch.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: Da kann ich nur einen Durchschnitt nennen: 2.400 Euro.

Nettoeinkommen: Ungefähr 1.650 Euro. Es mag so aussehen, als wäre der Job geradezu glamourös: heute in New York City, übermorgen in Paris. Aber leider kommt da monetär nicht sonderlich viel bei rum.

"Die Miete teile ich mit meinem Partner."

Meine Ausgaben

Miete: 750 Euro warm für eine 75 Quadratmeter große Wohnung in Berlin, Prenzlauer Berg. Die Miete teile ich mir mit meinem Partner.

Lebensmittel: 600 Euro pro Monat, weil ich so viel unterwegs bin. Ich gehe fast immer essen und bin sehr selten in der Nähe einer benutzbaren Küche. Wenn ich gerade ein Engagement habe, wird das ab und zu vom Tagegeld abgedeckt. Das heißt, dass ich dann eine kleine Pauschale für die Verpflegung bekomme. Gerade bei Projekten mit kleinem Budget muss ich darum echt kämpfen. Dazu kommen Geschäftsessen oder Networking-Treffen, da kann ich die Rechnung von der Steuer absetzen. Wenn ich doch mal zu Hause bin, teile ich mir die Ausgaben für die Lebensmittel mit meinem Partner.

Transportmittel: Wenn ich zum Beispiel ein Engagement in London habe, bezahlt der Auftraggeber mir die Reisekosten. Möchte ich mich innerhalb der Stadt bewegen und öffentliche Verkehrsmittel nutzen, zahle ich selbst. Macht etwa 25 Euro im Monat.

"Man ist als Tänzer nie krank – selbst wenn man krank ist."

Versicherungen: Ich bin über die Künstlersozialkasse versichert und zahle im Monat 200 Euro. Weitere 45 Euro zahle ich für eine private Zusatzversicherung. Die Haftpflichtversicherung kostet 4,50 Euro im Monat, die Unfallversicherung 40 Euro. Sollte ich mir bei einem Auftritt etwas brechen oder ein Engagement absagen müssen, weil ich krank bin, würde ich durch diese Versicherung Geld bekommen. Ist bisher aber noch nicht passiert. Man ist ja als Tänzer nie krank – selbst wenn man krank ist. Da ich einige Jahre Engagements an deutschen Stadt- und Staatstheatern hatte, zahle ich noch 12,50 Euro im Monat an die Bayerische Versorgungskammer. Das ist eine Zusatzrente, die die gesetzliche Rentenversicherung ergänzt.

Mobiltelefon, Internet und Website: Für meinen Mobilfunkvertrag zahle ich 100 Euro im Monat. Ich arbeite sehr viel unterwegs, darum brauche ich einen Vertrag mit einem sehr hohen Datenvolumen. Festnetz und Internet teile ich mir mit meinem Partner, das macht für mich noch mal 20 Euro. Für meine Website zahle ich 120 Euro im Jahr.

Kleidung: Kaufe ich viel zu viel! Allein für meinen Beruf: Ich habe einen riesigen Verschleiß an Probenkleidung, weil ich mich im Zeitgenössischen Tanz sehr viel auf dem Boden bewege. Deshalb brauche ich ständig neue Jogginghosen. Privat gibt es Monate, in denen ich gar nichts kaufe. Und dann wieder sehe ich einen Vintage-Galliano-Mantel, den ich unbedingt haben muss. Ich gebe gerne Geld für schöne Sachen aus. Aber vieles davon ist secondhand. Ich komme auf etwa 150 Euro im Monat.

Fitness/Training: Ich bin bei einer günstigen Fitnesskette, wo ich nur 20 Euro im Monat zahle. Zusätzlich nehme ich Eiweiß-Shakes, Vitamine und Magnesium zu mir, das macht 15 Euro. Und ich gebe Geld aus für ein Sporttape für die Muskeln und Flüssigpflaster für Risse in den Füßen. Wenn so was bei einer Veranstaltung passiert, sorgt manchmal der Auftraggeber für die gesundheitliche Versorgung. Sonst ich, was mich 10 Euro im Monat kostet.

Körperpflege: 50 Euro im Monat. Ich gehe einmal im Monat zum Friseur. Ansonsten ist es der übliche Kleinkram: Deo, Duschgel, Cremes.

Freizeit: Es gibt kaum Tage, an denen ich gar nichts mache und einfach nur zu Hause bin. In meiner freien Zeit bin ich viel auf Ausstellungen, in Theatern und auf Konzerten. Im Durchschnitt kostet mich das 50 Euro im Monat.

So viel bleibt am Ende übrig

Über die Jahre habe ich mir etwas Geld angespart. Aber das bleibt immer auf demselben Level – bei ca. 10.000 Euro. Wenn mal was runtergeht, dann versuche ich es im nächsten Monat wieder aufzufüllen. Mehr bleibt nicht übrig.