Wie schafft man den Ausgleich zwischen Job und Leben? In der Serie "Wie machen Sie das?" erzählen Menschen, was sie für ihre Work-Life-Balance tun. Diesmal hat die Gründerin Milena Glimbovski unseren Fragebogen ausgefüllt.

Mein Job: Ich bin Gründerin und Geschäftsführerin von Original Unverpackt, einem Supermarkt ohne Einwegverpackungen in Berlin-Kreuzberg. Der Laden läuft komplett selbständig mit einer Filialleiterin und einem Team. Wir haben aber auch noch einen Onlineshop, den wir aus einem Co-Working-Space in Berlin-Neukölln führen. Mein Job ist es, alle Bereiche des Betriebs am Laufen zu halten und zu koordinieren. Aktuell beschäftige ich zwölf Mitarbeiter*innen. Gemeinsam mit einem Freund habe ich außerdem einen Verlag gegründet, in dem wir Kalender zum Thema Achtsamkeit veröffentlichen. Darüber hinaus habe ich gerade ein Buch geschrieben und bin deshalb auch unterwegs für Lesungen. Und ich bin schwanger – gefühlt ist das noch ein weiterer Job.

Wöchentliche Arbeitszeit: Vor meiner Schwangerschaft waren es maximal 30 Stunden, jetzt sind es eher 15 bis 20 Stunden. Dazu kommen ab und zu noch Events am Abend, zum Beispiel Netzwerkveranstaltungen. In meinem Kopf ist das aber keine richtige Arbeit.

Mein idealer Morgen: Ich wache zwischen 7 und 8 Uhr auf, checke NICHT Instagram, frühstücke in Ruhe, mache ein paar Rückenübungen oder Yoga. Dann fahre ich ins Büro.

Mein normaler Morgen: Ist gar nicht so weit weg von meiner Idealvorstellung. Ich wache aber schon gegen 6 auf – das stört mich, weil ich abends gerne mehr Zeit mit meinem Freund hätte, ich bin nur einfach ein Morgenmensch, gehe früh ins Bett und stehe früh auf. Nach dem Aufwachen scrolle ich leider regelmäßig eine halbe Stunde durch Instagram – das bringt mir aber nichts. Den Yoga-Girls auf Bali, die mir schlechte Laune machen, folge ich schon lange nicht mehr. Als weitere Maßnahme habe ich gerade meinen Handybildschirm auf Schwarz-Weiß umgestellt. Das hilft mir ganz gut, ich hänge jetzt nur noch fünf Minuten auf Instagram rum.

"Durch Ritalin habe ich gelernt, dass ich nicht chaotisch sein muss."
Milena Glimbovski, Gründerin von Original Unverpackt

Das erledige ich immer als Erstes: Ich sichte meine E-Mails, aber ich beantworte sie noch nicht. Stattdessen priorisiere ich erst mal meine Aufgaben. Was ist heute das Allerwichtigste? Was ist sonst noch wichtig? So plane ich jeden Morgen meine To-dos, damit mir nicht andere Leute, die laut sind oder Druck machen, meinen Tag diktieren.

Mein Kalender: Früher hatte ich einen physischen Kalender, aber weil viele meiner Mitarbeiter wissen müssen, wann ich Zeit habe, plane ich meine Termine inzwischen digital. Ich achte darauf, dass ich mir maximal einen Termin tagsüber und einen am Abend einplane. Und ich bin maximal ein- bis zweimal pro Monat außerhalb Berlins unterwegs.

Mein liebster Arbeitsplatz: Zu Hause auf dem Sofa. Da kann ich mir schnell einen Tee machen und habe wirklich meine Ruhe: In meiner Wohnung habe ich keinen Handyempfang. Sonst arbeite ich mit meinem Team in dem Co-Working-Space in Berlin-Neukölln, also im Großraumbüro. Da kann ich mich zwar konzentrieren, aber nicht so gut wie in meinem stillen Funkloch.

Mein Stressfaktor: Mein Hauptstressfaktor bin ich selbst. Ja, man kann sich auch bei 20 Stunden die Woche gestresst fühlen: weil ich viel Verantwortung trage, so viel machen will und so viele unterschiedliche Projekte und Leidenschaften habe. Ich neige einfach dazu, mir zu viele Termine zu machen, generell ein zu hohes Tempo zu fahren. Ansonsten stresst es mich, wenn Dinge nicht wie geplant laufen.

Meine Pausen: Ich mache gern ein Nickerchen. Oder ich lese etwas, das nichts mit der Arbeit zu tun hat.

"Auf WhatsApp-Nachrichten am Freitagabend antworte ich nicht."
Milena Glimbovski, Gründerin von Original Unverpackt

Meine Droge: Ich bin ADHS-diagnostiziert und habe deshalb phasenweise immer mal wieder Ritalin verschrieben bekommen. Das hat mir auch gut geholfen. Durch das Ritalin habe ich gelernt, dass ich nicht chaotisch und unkonzentriert sein muss. Meditation ist inzwischen meine Ersatzdroge – total klischeehaft, ich weiß. Aber es hilft. Wenn ich wieder in einer unfokussierten Phase bin, meditiere ich einmal oder zweimal am Tag für zehn Minuten.

Ich bin nicht erreichbar: Wenn ich Feierabend habe. Meine Mitarbeiter kennen meine "Öffnungszeiten": Ich bin ansprechbar, wenn ich im Büro bin. Davor und danach nicht. Da bin ich streng – auf WhatsApp-Nachrichten am Freitagabend antworte ich nicht.

Wenn ich krank bin: Bin ich krank. Bei uns ist es wirklich streng verboten, krank ins Büro zu kommen. Daran halte ich mich natürlich auch als Chefin. Ich kann nachvollziehen, warum Leute das tun – aber es ist furchtbar, dass in vielen Firmen in Deutschland eine Kultur herrscht, sich auch krank zur Arbeit zu schleppen.

Mein Feierabend: Beginnt um 14 Uhr. Dann verlasse ich das Büro. Ich brauche die Zeit, um mal ein Buch zu lesen, eine Serie zu schauen. Wenn ich dann noch mal auf eine gute Idee komme, setze ich mich ab und zu aber auch noch mal an den Computer.

Ich gönne mir: Dass ich oft Essen gehe. Andere Leute kochen sich ihr Essen fürs Büro vor. Ich finde es schön, mittags spontan entscheiden zu können, worauf ich Lust habe. Und ich mag es, mit meinem Freund abends neue Restaurants auszuprobieren. Ich liebe Ramen!

Das sagt mein Freund zu meiner Work-Life-Balance: Dass ich theoretisch total viel über Work-Life-Balance weiß, praktisch aber doch oft mit zu hohen Ansprüchen an die Arbeit gehe.