Prolog

Das kleine, nette Café nebenan ist verschwunden. Das, in dem die Tische und Tresen selbstgeschreinert, das Geschirr handverlesen und jeden Tag neue Gerichte mit Liebe gekocht wurden. Was ist passiert? Ein Drama in fünf Akten aus Berlin-Prenzlauer Berg – über die schönen und nicht so schönen Seiten, sich in der Gastronomie selbstständig zu machen.

1. Akt: Der Traum

Elke Conrad: Ich bin Schneiderin und Christoph Architekt. Aber wir wollten etwas gemeinsam machen. Da kam uns die geniale Idee, ein Café, das wär doch was. Unsere Tochter war noch im Kindergarten, die könnte dann auch tagsüber bei uns sein, dachten wir. Ich habe mein ganzes Leben lang nebenbei als Kellnerin gearbeitet und es immer geliebt. Christoph hat mal in einer Kneipe gejobbt.

Christoph Bruckmann: Na ja, nur Bier gezapft.

Elke: Wir haben relativ schnell eine Parterre-Altbauwohnung mit Sonnenterrasse an einem Park gefunden, ein Traum! Aber in einer Lage, in der man vielleicht was mit einem Späti reißen kann. Laufkundschaft gab's keine.

Christoph: Ich hab mir da auch ein Büro eingerichtet, damit ich nebenbei Architekturprojekte machen kann. Uns war schon klar, dass man keine Familie ernähren kann, wenn beide im Café arbeiten.

"Der Vermieter hat uns fristlos gekündigt. Als Gewerbe bist du sofort kündbar. Nach ein paar schlaflosen Nächten sind wir mit dem kompletten Café umgezogen."
Elke Conrad, Ex-Cafébesitzerin

Elke: Das war schon der erste Fehler: Wenn du etwas mit einem Freund machst, dann hast du zwischenzeitlich mal frei und siehst deinen Partner. Als Paar geht das gar nicht. Einer hat immer Schicht.

Christoph: Den Tresen und die Tische habe ich selbst entworfen und gebaut. Wir hatten ein ganz kleines Budget und haben keinen Kredit bei der Bank aufgenommen.

2. Akt: Erste Schwierigkeiten

Elke: Kalkulation? Ach … Es gibt diese typische Gastrorechnung – 25 Prozent des Umsatzes für die Miete, 25 Prozent fürs Personal, 35 Prozent Wareneinsatz und der Rest ist der Gewinn. Die haben wir nie aufgestellt. Dafür ging es relativ lange gut. Wir waren eher überrascht, dass, obwohl unter der Woche kein Mensch kam, die Leute uns am Wochenende die Bude einrannten. Da kam ich mit dem Kuchenbacken gar nicht hinterher. Dabei wollten wir das Café am Wochenende eigentlich geschlossen lassen – wegen der Familie.

Christoph: Relativ bald bekamen wir Besuch vom Amt. Die wollten wissen, wie groß die Küche ist. Deshalb haben wir mal nachgemessen – und festgestellt: Der ganze Laden war viel kleiner, als der Vermieter angeben hatte.

Elke: Als wir ihm das sagten, hat der uns gleich fristlos gekündigt. Als Gewerbe bist du sofort kündbar. Nach ein paar schlaflosen Nächten sind wir mit dem kompletten Café umgezogen.

3. Akt: Ein Neustart

Christoph: Die neue Lage war auch nicht optimal. Wieder ohne Laufkundschaft. Das ist schwierig, kann aber auch schön sein, wenn sich da Eingeschworene finden. Ich dachte auch, ich hätte mehr Zeit für Architektur.

Elke: Noch so ein Trugschluss.

Christoph: Wir haben gemerkt: Wenn man ein Café macht, dann sind da zwei Menschen durchgehend beschäftigt, egal wie viel Geld reinkommt, fast egal wie viele Gäste kommen. Man muss ja sowieso alles dahaben. Ich mochte den Laden, weil das so ein vergessener Ort war. Ursprünglich war dort eine Art Galerie drin. Innen wuchs Efeu, das sah aus wie ein Terrarium.

"Kräuter auf die Suppe ohne zu fragen, da drehen auch Erwachsene schon mal durch."
Elke Conrad, Ex-Cafébesitzerin

Elke: Auf dem Boden lag ekliges Laminat, den Kleber hatten wir auf Knien weggeschrubbt, den Husten hab ich heute noch. Am meisten Spaß hat es gemacht, den Raum zu gestalten. Die Kaffeemaschine zu organisieren, die wunderschöne eckige Glasvitrine aufzustellen, die Stühle auszusuchen, die wir aus einer alten evangelischen Kirche hatten.

Christoph: Die Tassen fanden wir in einer Manufaktur in Thüringen. Das haben wir uns geleistet. Aber halt nicht so viele. Das war durchaus ein Problem: Wenn es ganz voll war, mussten wir ganz schnell spülen – und auch mal hoffen, dass die anderen schnell austrinken.

Elke: Das Kochen war für mich keine große Umstellung. Ob man für fünf oder 20 Leute Essen zubereitet, das ist kein großer Unterschied. Und wie zu Hause für die Kinder muss man immer alles separat machen: Kräuter auf die Suppe ohne zu fragen, da drehen auch Erwachsene schon mal durch.