In der Serie "Kontoauszug" stellen wir regelmäßig Menschen vor, die erzählen, wie viel sie verdienen, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wie viel sie monatlich auf die Seite legen. Hier berichtet die 51-jährige Ute aus Bonn.

Mein Job

Beruf: Ich arbeite freiberuflich als Social-Media- und Community-Managerin für soziale Organisationen und Unternehmen. Zum Beispiel für die Initiative Torus, die Familien mit schwerstbehinderten Kindern unterstützt, für die Lebenshilfe in Bonn und für Priomy, ein Portal für selbstbestimmte Arbeit. Alle meine Tätigkeiten sind digital, meist arbeite ich im Home Office. Eine Besonderheit ist mein Bezahlmodell: Ich fordere nichts, sondern jeder zahlt mir, was er kann und will. Meine Honorartätigkeit ergänze ich bei einigen Projekten um ehrenamtliche Arbeit.

Ausbildung: Ich bin drei Wochen vor meinem Abitur von der Schule geflogen, der Tod meiner Mutter riss mir damals den Boden unter den Füßen weg. Ich habe eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau gemacht und 30 Jahre in verschiedenen Branchen im Vertrieb und Verkauf gearbeitet. Dann bekam ich eine schlimme Magen-Darm-Krankheit – ein Alarmsignal meines Körpers, dass ich nicht mehr auf meinem Weg war. Ich habe mir dann zwei Jahre Zeit genommen und von meinem Ersparten gelebt. So habe ich Social Media für mich entdeckt und angefangen, mir ein Netzwerk aufzubauen.

"Als ich mich nach meiner Krankheit fragte: Was brauche ich wirklich zum Leben und warum? – hat sich mein Konsum minimiert."
Ute, Social-Media-Managerin

Wöchentliche Arbeitszeit: In meinem alten Job im Vertrieb habe ich 50 bis 60 Stunden pro Woche gearbeitet. Jetzt sind es nur noch 40 Stunden, und zwar im Modell 20/10/10: 20 Stunden Arbeit für Geld, zehn Stunden ehrenamtlich und weitere zehn für den eigenen Ressourcenerhalt. Fast alles, was bei mir kaputt geht, repariere ich selbst, zum Beispiel Waschmaschine und Fahrrad. Außerdem lege ich Vorräte an: Ich mache Marmeladen selbst, koche Gemüse ein. Nicht nur zum Kostensparen, sondern auch, um vorhandene Ressourcen stärker wertzuschätzen. Als ich mich nach meiner Krankheit fragte: Was brauche ich wirklich zum Leben und warum? – hat sich mein Konsum minimiert.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: Durch meine freiberuflichen Tätigkeiten verdiene ich rund 1.400 Euro monatlich. Wenn ich zusätzliche Aufträge erhalte, ist es manchmal etwas mehr – damit kalkuliere ich aber nicht.

Nettoeinkommen: Es gibt für Freiberufler eine Pauschale für Bürokosten, die man von der Steuer absetzen kann, dadurch muss ich fast keine Einkommenssteuer zahlen. Während ich früher in manchen Phasen auf mehr als 2.000 Euro Steuern pro Monat kam, sind es jetzt unter 100 Euro im Monat. Mein Nettoeinkommen liegt also bei etwa 1.300 Euro.

Weitere Einnahmen: Oft helfe ich bei Umzügen oder beim Entrümpeln und nehme mit, was sonst auf den Müll käme – zum Beispiel alte PCs, Drucker oder andere Bürogeräte. Wenn Kleinigkeiten kaputt sind, repariere ich sie und verkaufe die Geräte bei Ebay. Das bringt jährlich zusätzlich etwa 1.500 bis 2.000 Euro ein.

Meine Ausgaben

Miete: Ich wohne mit meiner Lebensgefährtin in einem kleinen Haus mit Gärtchen am Bonner Stadtrand. Wir teilen alle Kosten durch zwei. Mein Anteil liegt bei insgesamt 450 Euro monatlich für Miete, alle Nebenkosten und die Beiträge für Internet, Telefon und Fernsehen.

Lebensmittel, Haushalt, Körperpflege: Wir zahlen auch unsere Einkäufe, Haushaltsartikel und Körperpflegeprodukte aus einer gemeinsamen Kasse. Jede von uns steuert monatlich 300 Euro bei, manchmal bleibt etwas übrig.

Verkehrsmittel: Meistens gehe ich zu Fuß oder nehme das Fahrrad. Für öffentliche Verkehrsmittel gebe ich etwa 5 Euro im Monat aus. Sehr selten leihe ich mir das Auto meiner Lebensgefährtin, den Sprit muss ich ihr dann nicht erstatten.

Handy: Da gebe ich etwas mehr aus, etwa 65 Euro, da für meine Arbeit ein großes Datenvolumen und eine gute und schnelle Netzabdeckung wichtig sind.

Spenden: Ich bin "Crowdhörnchen" des Projekts "Mein Grundeinkommen" und unterstütze die Auszahlung eines bedingungslosen Grundeinkommens an ausgeloste Personen mit monatlich 3 Euro. Das hat auch Lotteriecharakter – mit etwas Glück fällt das Los irgendwann auf mich.

"Klar, man könnte sich noch besser absichern – aber wer weiß, ob ich's überhaupt erlebe! Meine Eltern sind beide noch vor dem Ruhestand verstorben."
Ute, 51 Jahre

Versicherungen: Ich bin in der Künstlersozialkasse (KSK), mein Beitrag für Kranken-/Pflege-/Rentenversicherung beträgt insgesamt 245 Euro. Eine private Krankenzusatzversicherung, die bei Brille, Zahnersatz und Krankenhausaufenthalten greift, kostet zusätzlich 65 Euro. 40 Euro zahle ich außerdem für ein Paket aus Rechtsschutz-, Hausrat- und Haftpflichtversicherung.

Altersvorsorge: Heute läuft meine Rentenversicherung über die KSK, außerdem habe ich als Vertrieblerin 30 Jahre lang teilweise hohe Beträge eingezahlt. Klar, man könnte sich noch besser absichern – aber wer weiß, ob ich's überhaupt erlebe! Meine Eltern sind beide noch vor dem Ruhestand verstorben. So wie ich arbeite, werde ich außerdem noch lange meinen Beruf ausüben können.

Kleidung: Ich habe alles, was ich brauche – Kleidung kaufen fällt bei mir also unter Luxus. Einmal im Jahr gehe ich shoppen und zahle aus der Kasse meiner Ebay-Einkünfte. Das sind dann 200 bis 300 Euro.

Körperpflege: Für den Friseur gebe ich etwa 25 Euro im Monat aus.

Freizeit: Konzert- und Theaterbesuche lasse ich mir gerne von Freunden schenken. Drei- bis viermal im Jahr fahre ich zu Barcamps und Events, die Digitales und Soziales verbinden. Das kostet vielleicht 200 Euro, die ich aus der Ebay-Kasse bezahle. Ich unterscheide grundsätzlich nicht zwischen Arbeit und Freizeit – beides ist für mich Lebenszeit. Die verbringe ich auch mit meiner Familie, mit meinen Freunden, meinen Nachbarn im Seniorenalter und mit einer syrischen Familie, die ich bei der Bewältigung ihres Alltags unterstütze. Diese gemeinsame Zeit ist kostenlos.

Reisen: Ein- oder zweimal im Jahr fahre ich mit meiner Lebensgefährtin an die Nord- oder Ostsee. Das kostet insgesamt etwa 1.000 Euro im Jahr, die ich aus der Ebay-Kasse zahle.

Sonstiges: Im Jahr 2000 habe ich mich mit einem Einzelhandelsgeschäft in Bonn selbstständig gemacht. Für den Start hat mir mein Bruder Geld geliehen. Als Sicherheit habe ich ihm meine Lebensversicherung übertragen, in die ich noch bis nächstes Jahr im April 90 Euro monatlich einzahle. Das Geld gehört dann ihm. Danach kann ich die 90 Euro für mich selbst auf die Seite legen.

So viel bleibt am Ende übrig

Nichts. Nur, wenn hin und wieder Zusatzaufträge reinkommen, kann ich etwas Geld sparen.