In der Serie "Kontoauszug" stellen wir regelmäßig Menschen vor, die erzählen, wie viel sie verdienen, wofür sie ihr Geld ausgeben – und wie viel sie monatlich auf die Seite legen. Hier berichtet der 39-jährige Sascha.

Mein Job

Beruf: Ich bin Trader. Das heißt, ich handle professionell und auf eigenes Risiko mit Kryptogeld, mit Aktien und Zertifikaten. Das sind Finanzwetten. Klingt alles hochspekulativ – und ist es für Privatanleger auch. Aber als Profi versuche ich das Risiko zu begrenzen und lege nie alle Eier in einen Korb, wie eine alte Börsenweisheit besagt. Das heißt, ich setze auf unterschiedliche Anlageklassen und innerhalb derer noch mal auf unterschiedliche Aktien oder unterschiedliche Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether. Ich bin selbständig, handle also nur für mich und nicht für andere, zum Beispiel Banken.

Ausbildung: Ich habe Informatik studiert, aber schon während meines Studiums Geld in Aktien investiert. Das war kurz vor der Jahrtausendwende, zu Zeiten des Neuen Markts, dem damals neuen Technologie-Index der Deutschen Börse. Ich hatte dabei meist ein glückliches Händchen und konnte mir schon mit 21 einen guten, gebrauchten BMW leisten. Bevor die Techblase platzte, habe ich rechtzeitig meine Aktien verkauft und konnte nach dem Crash wieder günstig einsteigen. So kam es irgendwann, dass ich das Traden zum Beruf gemacht und mein Studium kurz vor dem Vordiplom an den Nagel gehängt habe.

"Mein Rekord lag bei mehr als 30.000 Euro netto."
Sascha

Wöchentliche Arbeitszeit: Das kommt auf die Marktlage an. Wenn es an der Börse richtig gut läuft, habe ich Freude daran, viel zu kaufen und zu verkaufen. Wenn es ruhiger zugeht, arbeite ich auch weniger. Im Schnitt sind es mindestens acht Stunden am Tag, teilweise auch nachts, um die Märkte in den USA und in Asien beobachten zu können. Dafür bin ich kein Frühaufsteher, starte erst ein bisschen später in den Tag. Auf mein Smartphone schaue ich oft, zu oft, denn ich checke die Kurse schon sehr regelmäßig. Während der Mahlzeiten schaue ich aber aus Prinzip nicht drauf und auch an den Wochenenden und an Feiertagen wie Weihnachten so wenig wie möglich.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: In guten Monaten ist es fünfstellig. In schlechten Monaten habe ich aber auch schon mal Geld verloren, maximal waren es bislang rund 5.000 Euro. Mein Schnitt liegt bei etwa 4.000 Euro brutto – im Plus. 

Nettoeinkommen: Davon gehen Einkommensteuer und Sozialversicherungsbeiträge ab, sodass ich netto auf etwa 2.500 Euro komme. Mein Rekord lag bei mehr als 30.000 Euro netto.

Sonstiges: Seit einem halben Jahr arbeite ich als Freiberufler für die Finanzplattform Guidants, wo ich einen Newsletter zu Kryptowährungen herausgebe und Foren betreue. Dabei kommen monatlich zusätzlich etwa 1.500 Euro netto herum, Tendenz steigend.

Meine Ausgaben

Miete: Ich wohne in einer Dreizimmerwohnung in Trier und bezahle 700 Euro warm inklusive der Nebenkosten. Von dort aus arbeite ich auch.

Lebensmittel: Ungefähr 300 Euro pro Monat. Ich koche gern, aber zu selten. Ungefähr fünf- bis sechsmal im Monat esse ich auswärts, wobei das auch von meinen Einnahmen abhängt. In einem finanziell guten Monat gehe ich schon mal in eine bessere Tapas-Bar, in schlechten Monaten gehe ich nicht so oft essen.

"Ich wohne in der Nähe von Luxemburg und kann dort günstiger tanken."

Transportmittel: Für Sprit gebe ich ungefähr 70 Euro im Monat aus. Da kommt es mir entgegen, dass ich in der Nähe von Luxemburg wohne und dort günstiger tanken kann. Hinzu kommt die Versicherung fürs Auto und Reparaturkosten. Auf den Monat gerechnet sind das zusammen knapp 100 Euro.

Versicherungen: Wenn man es auf den Monat herunterbricht, dann kostet meine Rechtsschutzversicherung zehn Euro, die Haftpflichtversicherung acht Euro und die Hausratversicherung 2,50 Euro.

Private Altersvorsorge: Ich habe ein Langfristdepot, das mir als Altersvorsorge dienen sollen. Darin habe ich Aktien von Unternehmen, von denen ich glaube, dass ihr Geschäftsmodell noch lange funktionieren wird, zum Beispiel PayPal, McDonald’s, Netflix oder auch Continental. Wenn ich Geld übrig habe, investiere ich es in dieses Depot. Mit der Nachhaltigkeit bei der Geldanlage ist es immer so eine Sache: Jeder größere Konzern hat irgendeine Stelle, die man kritisieren kann. Deshalbb kaufe ich tendenziell Aktien, wenn sie Gewinn versprechen. Denn einen Teil der Gewinne spende ich allerdings am Ende des Jahres – bevorzugt an Steps for children, weil ich das Konzept nachhaltig und gut finde.

Telefon und Internet: Für Telefon und Internet gebe ich etwas mehr aus. 60 Euro fürs Festnetz und Internet, 40 Euro für den Handyvertrag. In meinem Job ist eine schnelle Verbindung wichtig, weil es beim Trading manchmal auf Sekunden ankommen kann.

Abos: Jeweils zehn Euro für Netflix und Amazon Prime, 20 Euro für Sky.

Mitgliedsbeiträge: Meine Mitgliedschaft beim FC Bayern kostet 60 Euro pro Jahr, also fünf Euro im Monat.

Kleidung: Ich bin nicht so der Shoppingtyp, aber wenn ich ein- bis zweimal im Jahr einkaufen gehe, dann richtig. Auf den Monat gerechnet komme ich so auf 100 bis 150 Euro. Wenn ich einen neuen Anzug brauche, kann es auch mal mehr sein.

Körperpflege: Ich gehe ein- bis zweimal im Monat zur Bartpflege, wo mein Bart gestutzt und in Form gebracht wird. Dafür zahle ich zwölf Euro. Zusätzlich gebe ich monatlich ungefähr 15 Euro für Pflegeprodukte aus.

"Ich habe eine Whiskysammlung mit circa 120 Flaschen, die insgesamt rund 16.000 Euro wert sind."

Freizeit: Ich gehe einmal pro Woche in die Sauna und zahle dafür im Monat 20 Euro. Außerdem habe ich eine Whiskysammlung mit circa 120 Flaschen, die insgesamt rund 16.000 Euro wert sind. Einige Sorten habe ich mehrfach, denn ein Profisammler hat eigentlich immer eine Flasche zum Sammeln, eine zum Trinken und eine zum Tauschen. Anfangs habe ich schon mal 1.000 bis 2.000 Euro pro Monat dafür ausgegeben, im letzten halben Jahr habe ich allerdings keine neuen Sorten mehr bestellt. Ich werde mal ausmisten – denn mit Whisky ist es wie mit Aktien: Man muss sich manchmal von welchen trennen.

Reisen: Ich fahre einmal, manchmal zweimal im Jahr in den Urlaub und gebe dafür insgesamt ungefähr 1.500 Euro aus. Also 125 Euro im Monat.

So viel bleibt am Ende übrig

Mal viel, mal nichts. Im Schnitt müssten es dank meines neuen Jobs für die Börsenplattform aber mehr als 1.000 Euro sein, die ich direkt wieder in mein Langfristdepot für die Altersvorsorge investiere. In guten Monaten könnte ich auch mal die Sau rauslassen, davon halte ich aber nichts und lebe lieber ein ganz normales Leben.